Hale-Bopp am 13. 4. 97 Schon wieder ein Wochenende mit Kaltfront, Sturm, heftigen Regen-, Schnee- und Graupelschauern. Selbst Kometenman war machtlos, und rauschte irgendwo - ohne Hirn und ohne Sicht - durch die Gegend. Am Sonntag setzte sich unser Held jedoch wieder in Szene, und es gab einen ueberraschend klaren Abend, mit gutem Seeing, ohne Wind, nur frisch war's (0 Grad) und der helle Viertelmond beeintraechtigte ein bissl den Genuss. Als Beobachtungsplatz diente ein weiteres Mal der Neubauer Hoehenruecken, ein wenig oestlich von Niederkreuzstetten. Gegen 20:50 MESZ hatte ich bereits Merkur in meinem 5.7" f/6 Maksutov- Newton eingefangen, als Walter Koprolin hinzukam. Er aktivierte wieder seine Fotoausruestung, ich beliess es bei visueller Beobachtung. Sobald es dunkel genug war, versuchten wir zu sehen, was der Mond vom Schweif des Kometen uebrigliess. Durch die sehr klare Luft war der Schaden begrenzt. Indirekt konnten wir den Staubschweif mit etwa 15 Grad Laenge schaetzen, der Plasmaschweif war sehr schwierig, und erst mit trickreicher Blicktechnik zu erhaschen, dann aber gut 8 Grad lang. Wie der Trick funktionierte? Wir drehten dem Mond den Podex zu, und versuchten den Komet aus dem aeussersten Blickwinkel zu beobachten. Umgekehrt, mit dem Gesicht *zum* Mond funktionierte es nicht. Im 7x50 und Walters 15x80 Feldstecher war natuerlich der Schweif nicht so lang zu sehen, aber wir fanden doch wieder die Aufspaltung des Plasmaschweifs in zwei Teile, oder auch "kraeftige Strahlen". Der Mond nimmt zwar einiges an Kontrast weg, doch ist mir schon bei meiner letzten Beobachtung so vorgekommen, als wenn der Komet ein bissl an Helligkeit verloren haette. Er wirkt weit nicht mehr so "gleissend" wie zu Ostern, ist aber immer noch huebsch hell. Im Fernrohr bei 22x, 30x und 40x fanden wir die Lichtverteilung in der Koma nun viel gleichmaessiger, vielleicht sogar etwas heller auf der oestlichen Seite, die ja bisher immer schwaecher war. In etwa gleich hellen "Streamern", in der Mitte war ein etwas dunklerer Streifen, verlief der Ansatz des Staubschweifes aus der Koma. Die oestliche Seite scharf begrenzt, die suedwestliche Seite breit auffaechernd und diffus. Der Staubschweif setzte relativ knapp hinter dem Kopf des Kometen zur Kruemmung an, dahinter konnte man den zart und filigran wirkenden Plasmaschweif erkennen, beim Ansatz in zwei auffaechernden Strahlen. Hoehere Vergroesserung, 90x, zeigte wieder den "Beistrich" aber detailliert, mit einem seitlich zur diffusen Seite des Staubschweifes Jet, der in den innersten Bogen muendete, ausserhalb zwei weitere Boegen, nun huebsch symmetrisch zur Stossfront, also ziemlich genau zur Sonne gerichtet. Bei noch hoeherer Vergroesserung, 150x, konnten wir einen zweiten, schwaecheren Jet entdecken, dem kraeftigen Jet genau diametral gegenueber. Dieser Materiestrahl verlor sich aber nach kurzer Distanz in der Helligkeit der Koma. Aehnliche Beobachtungen habe ich schon oefter bei unseren amerikanischen Kollegen gelesen. Das gute Seeing verlockte schliesslich noch zur Marsbeobachtung, und dabei war bis 300x drin. Gutes Seeing hatte ich schon oefter bei Mars, nur wenn er grad ein fades Gesicht zeigt... Diesmal nicht so. Extrem viel Detail sichtbar, und eine wunzikleine Polkappe, nur ein weisses Tipferl. Der Mond musste schliesslich auch noch ins Rohr, gruen gefiltert, und bei 240x mit etwas zurueckgenommener Vergroesserung. Die leichte "Duenung" des Seeings haette bei 300x zur Seekrankheit gereicht. Zuletzt moechte ich noch erwaehnen, dass meine ersten Hale-Bopp Fotos gar nicht so uebel geworden sind, eine Teleaufnahe zeigt schoen den geteilten Plasmaschweif, wie wir ihn auch visuell beobachtet haben. Wenn ich die vielen Fingertapser, die sich schon am ersten Tag auf den Fotos gehaeuft haben, noch wegpolieren kann, gibt's demnaechst die zwei schoensten Exemplare hier zu sehen. Howdii