7.4.2000 - Polarlicht über Österreich

 

Polarlicht über Wien

 

Aufnahmedaten


In der Nacht vom 6. auf den 7. April 2000 fiel mir beim Hinausschauen aus dem Fenster meiner Wohnung in Wien Floridsdorf um 1:30 MESZ ein sonderbares rotes Leuchten auf, das fast 1/3 des Himmels überdeckte. Die Wolkendecke, die am späten Abend von Südwesten her hereingezogen ist (und so eine Beobachtungsnacht verhindet hatte), war zu diesem Zeitpunkt bereits aufgerissen und nur mehr ein paar vereinzelten Haufenwolken zierten den Himmel. Die Lichterscheinung war diffus, von Farbe, Intensität und Intensitätsverlauf ungefähr wie wenn man eine schwache LED-Taschenlampe aus 1m Entfernung gegen eine Wand richtet. Ein diffuses Intensitätsmaximum war in der Erscheinung auszumachen, das sich in ca. 30 Höhe langsam vom NW nach N bewegt hat, um dann dort zu verblassen und vom NW wieder neu zu beginnen. Eine vereinzelte Haufenwolke ist vor der Leuchterscheinung vorübergezogen, und zwar im Vordergrund, und die Wolke war in keiner Weise davon beleuchtet.

Fasziniert von der Lichterscheinung holte ich meinen Fotoapparat. Leider war zu diesem Zeitpunkt (2 Uhr) die Erscheinung schon viel schwächer als eine halbe Stunde vorher, trotzdem habe ich dann vom Fenster aus mehrere minutenlang belichtete Fotos mit dem Weitwinkelobjektiv gemacht. Das Maximum befand sich zu dieser Zeit ungefähr in der Cassiopeia. Um 2:15 ist das Leuchten dann schließlich ganz verblaßt.

Am nächsten Tag fanden sich zahlreiche Beobachtungberichte der Erscheinung in der Newsgroup de.sci.astronomie. Es handelte sich um eine spektakuläre Nordlichterscheinung, die in ganz Deutschland und Österreich gesehen werden konnte, sofern der Himmel klar war! Eine Beobachter im Südburgenland (Mario Unger) meldete um 2:15 Uhr eine ähnlich blutrote Färbung des Himmels wie ich, teilweise war die Erscheinung so hell, daß man trotz klarem Himmel keine Sterne mehr sehen konnte. Vorher waren die Färbung des Himmels teilweise ein grelles rot bis rosa, teilweise ein zartes grün, und längliche senkrechte weiße Strahlen waren ebenfalls zu sehen.

Auch in den USA war die Aurora zu sehen, und zwar etwa im gleichen Zeitraum (0h-2h UT). Dort wurde sie sogar in Florida (30 N!) gesichtet. Die vorherrschende Farbe war ebenfalls rot-orange bei ständig wechselnden Formen und Gestalten. (Berichte aus der Newsgroup sci.astro.amateur.)

Die starke Aurora in der Nacht wurde durch einen geomagnetischen Sturm angekündigt, die Sonnenwindgeschwindigkeit stieg um 16 Uhr UT gestern (6.4.) um 200 km/h an bei gleichzeitigem, Ansteigen der Röntgenemission. Derartige Weltraumwetterberichte und Vorhersageversuche finden sich übrigens im Web bei SpaceWeather.com und NOAA: Today's Space Weather.

Mein Beobachtungspartner Wolgang Howurek machte mich darauf aufmerksam, daß ein extrem intensives, den ganzen Himmel rot überdeckendes Polarlicht im Frühjahr 1938 in den frühen Abendstunden in Österreich und wahrscheinlich auf der ganzen Nordhemisphäre zu sehen war und sogar die Feuerwehr zum Ausrücken veranlaßt hat. Diese Nordlichterscheinung wurde damals von abergläubischen Menschen als Ankündigung des Krieges gedeutet. Dennoch dürften Polarlichtbeobachtungen in Österreich eher zu den Raritäten zählen, man hat wohl nur zu den Maxima der Sonnenaktivität Chancen darauf, in unseren Breiten derartige Erscheinungen zu sehen.

DI Mag. Walter Koprolin


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