Spechtlexpedition ins Glocknergebiet

Die Idee zu einem derartigen Unterfangen kam schon im August von meinem Spechtlkollegen Mag. Walter Koprolin. Wie's im Leben aber so ist, braucht man dazu Zeit und schönes Wetter. Letzteres sollte sich für Ende September einstellen, so wurde die Sache konkret ins Auge gefaßt.

Am 26. 9. 1997 war's dann soweit. Walter machte sich bereits am Vormittag auf die Reise nach Kärnten. Da logischerweise der große Dob mitmußte, und ich am Vorabend erst spät von der Arbeit heimkam, hatte ich noch meine Siebensachen einzupacken, und kam erst zu Mittag von daheim weg.

Am späten Nachmittag trafen wir an der Glocknerstraße wie vereinbart zusammen.

Heiligenblut am späten Nachmittag, dahinter der Großglockner

Walter hatte inzwischen Quartier ausgekundschaftet, und so ging's gleich hinauf zum Wallackhaus. Wir nahmen unser Zimmer "in Besitz", und fuhren sofort danach das Stückl rauf zum Hochtor, um eine Stellplatz für die Nacht zu suchen. Am Hochtorparkplatz war es recht windig, deshalb einigten wir uns auf den Parkplatz bei Kehre 18 in 2460m Höhe. Diese Stelle schien windgeschützt. Die Wolkenschleier, die nachmittag den Himmel verunzierten, wurden auch schon weniger, also sahen wir zuversichtlich der Nacht entgegen. Wir stärkten uns noch im Wallackhaus, und bei einbrechender Dämmerung starteten wir ins nächtliche Abenteuer.

Venus kurz vor dem Untergang neben dem Wallackhaus in der späten Abenddämmerung

Wir bewunderten die für uns Flachländer herrlich klare Gebirgsluft, die prächtigen Dämmerungsfarben, und die Venus war ein richtiger Knaller. Während wir mit dem Ausladen und Aufbau unserer Geräte beschäftigt waren, zeichnete sich bereits ein toller Nachthimmel ab. Ich schuftete grad mit meinem Dob herum, als plötzlich vom Hochtor runter ein Geländehobel kam, der neben uns hielt, und der Herr am Steuer wollte wissen, was wir denn da machten. "Für eine Sternbeobachtung aufbauen", war meine Antwort, worauf er meinte, ob wir eine Genehmigung hätten. Ist in Kärnten der Himmel schon gebührenpflichtig? Letztlich hab ich ihm erklärt, daß wir Maut bezahlt haben, wie alle, die die Hochalpenstraße befahren, worauf er uns in Ruhe ließ und wieder verschwand. Ein ungutes Gefühl blieb zurück, ob der Kerl nicht mit Verstärkung wiederkommen würde. Es ist halt Nachtfahrverbot und Campingverbot an der Glocknerstraße, was weiß ich, was sich der gute Mann unter einer Sternbeobachtung vorstellte, und vielleicht hat er meine Dobkiste - die Stangen waren noch nicht eingesetzt - gar für ein Klo gehalten :-)

Ich nehm's vorweg, es blieben uns weitere Scherereien erspart, jedoch war trotz Nachtfahrverbot ungut viel Verkehr auf der Glocknerstraße, im Schnitt kam alle halbe Stunden ein Fahrzeug vorbei... Unser Standplatz war zudem doch nicht so windgeschützt, wie wir angenommen hatten, teilweise kamen vom Hochtor recht heftige Windstöße herunter, dann war es phasenweise wieder komplett ruhig. Wenigstens war es nicht kalt, etwa 5 Grad, und die Luft war trocken, kein Tau. Was uns wunderte, war der unerwartet helle Südhorizont. Man sah zwar Sterne bis weit runter, doch hätten wir uns den Alpenhimmel dunkler vorgestellt. Diesen Effekt beobachteten auch die Teilnehmer des ITT, das zur selben Zeit auf der Emberger Alm stattfand. Der Wind war auf alle Fälle für Walter ein Problem, er kam nicht so zum Fotografieren, wie er das vorgehabt hätte. Die visuellen Beobachtungen mit dem 18" Dob waren sehr erfolgreich (detaillierte Beschreibungen im zweiten Teil dieses Berichts), so wurde gespechtelt, bis der längst aufgegangene Mond, der für uns aber noch durch die Berge verdeckt war, den Himmel doch beträchtlich aufhellte. Um vier Uhr früh hatten wir schließlich unsere Ausrüstung zusammengepackt, ließen unsre Autos die 160 Höhenmeter bis zum Wallackhaus hinunterrollen, schlichen hinauf in unser Zimmer und krochen in die Federn.

Besonders gut haben wir nicht gerade geschlafen - kein Wunder, überdreht wie wir waren - und besonders viel auch nicht. Dennoch waren wir nicht die Letzten beim Frühstück. Jetzt galt es den Tag zu meistern, um für die nächste Nacht wieder fit zu sein. An Schlaf dachte weder Walter noch ich, das Wetter war einfach zu schön. So ging's hinüber zur Franz Josefs Höhe.

Zwei Astronomen auf der Franz Josefs Höhe über der Pasterze

Wir sahen uns ein bissl um, beobachteten einige Murmeltiere, und wanderten dann den Gamsgrubenweg rauf bis zum Wasserfallwinkel. Mit Walter's 15x80 Bino sahen wir den Bergsteigern zu, die wie die Ameisen zum Glockner strömten. Einige "Verrückte" fanden wir sogar in der Pallavicini-Rinne, und das am späten Vormittag!

Großglockner, Glocknerwand und Glocknerkees bei Kaiserwetter

Ein köstlich anzusehendes Theater gab's oben beim Wasserfallwinkel, wo die Bergwanderer über den Gletscher von der Oberwalder Hütte runterkommen. Wir hatten schon die ganze Zeit die "Schleifspuren" gesehen, und uns gefragt, ob die da wohl mit Schiern runterfahren. Das Geheimnis klärte sich - wir sahen ein Pärchen, die rutschten einfach mit den Bergschuhen runter. Die Sache gewann an Dramatik, als sie sich dem Ende des Gletschers näherten. "Er" konnte grad noch rechtzeitig "abschwingen", wenn auch etwas wackelig. Seine Begleiterin kam auf einmal in Rückenlage, und wups, saß sie schon am Hosenboden, rodelte den Hang hinunter, und platsch, rein ins kniehohe, eiskalte Gletscherwasser! Na, ihr hättet sehen sollen, wie schnell die Lady wieder heraussen war :-) In dieser Situation wollten wir nicht weiter stören, deshalb zogen wir uns diskret zurück...

Am Retourweg kehrten wir auf der Hoffmannshütte ein. Wir stärkten uns, und wanderten anschließend wieder hinunter zum Freiwandeck-Parkplatz. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir im Wallackhaus, versuchten noch ein bissl zu schlafen, was aber keinem von uns so recht gelang.

Bei Einbruch der Dämmerung starteten wir in die nächste Beobachtungsnacht. Da der Wind wiederum ziemlich stark war, beschlossen wir direkt beim Wallackhaus (2300m Seehöhe) aufzubauen. Wir fanden an der Südseite des Hauses Deckung vor Wind und Licht, auch Autos von der Straße konnten hier nicht wirklich stören. Während wir unsre Ausrüstung aufbauten, machten wir Bekanntschaft mit einem Prachtexemplar von Fuchs, der gar nicht scheu war, und bis auf etwa zwei Meter herankam. Der Fuchs ist quasi "Haustier" - wie wir erfuhren, kommt dieser Kerl im Winter jeden Tag "auf Besuch".

Während wir schon beobachteten, schaute ein Gast des Wallackhauses zu uns raus. Ein einfacher Arbeiter, der aber recht interessiert an unserer Sterndlguckerei war, selbst scheinbar aber öfter anderswo "Sterne" sieht :-) Auch diesmal war er schon reichlich mit Bier abgefüllt... Trotz seiner Trinkneigung möchte ich ihm hoch anrechnen, daß er ein Gefühl und einen Sinn für die Schönheit der Natur hat, und auch nicht "blind" für den Nachthimmel ist, wie viele andere Zeitgenossen...

Ich stellte ihm den Doppelhaufen im Perseus ein, und meinte, da sind zwei Sternhaufen zu sehen, _er_ würde vielleicht auch vier sehen :-) Na gut, er kletterte auf die Leiter, in einer Hand die Bierdose, und berichtete, er sehe "ein paar Lichter" :-) Der Walter und ich, wir hatten schon unser Theater mit diesem Typ. Plötzlich "fuchselte" es, diese Viecher stinken ja gehörig. Ich fragte Walter, ob er das auch riecht, meinte der Typ auf der Leiter, tschuldigung, er hätt grad "einen fahren lassen" :-) Nun, ich machte ihn höflich drauf aufmerksam, daß sowas nicht einmal er zusammenbringen würde, hat er gemeint, aja, da riechts "nach Raubtier". :-) Daß uns der Fuchs nicht womöglich ins Auto klettert, meines ist immer sperrangelweit offen beim Beobachten, machte ich mich mit der Taschenlampe auf die Suche nach dem vierbeinigen Freund, konnte ihn aber nirgends sehen, und schließlich war der Geruch auch wieder weg. Der Rest der Beobachtung verlief ruhig, wir zeigten unserem biertrinkenden Interessenten noch M31, die "Andromeeeeda", wie er sagte :-) und schließlich schlief er uns, glaub ich, beim Cirrusnebel gar auf der Leiter ein, weil er auf einmal so ruhig wurde, und sich verdächtig lang nicht mehr rührte :-) Schnell munter wurde er allerdings, als ich ihm Saturn zeigte. Trotz miserablen Seeings haute es den guten Mann fast nieder: "Den siaxt, mitn Ring, owa wia!" Bei Jupiter war das Seeing katastrophal, sodaß das Planetenscheibchen nur ein hin- und herfetzendes, unförmiges Ding war. Unser Gast mußte aber trotzdem reingucken, und hat dann gefragt, warum das Bild so wackelt. "Bildstörung", haben wir verschmitzt lächelnd geantwortet, und er hat nur gemeint: Aa? Gibts des beim Fernrohr a, so wia beim Fernseher? Wir: Jo freili... :-) Jedenfalls hatte er damit genug, und wir waren wieder allein.

Der Schlafmangel ging an uns schließlich nicht spurlos vorüber, wir merkten wohl die Müdigkeit, deshalb packten wir schon um 2 Uhr früh zusammen. Diesmal war's ganz bequem, wir brauchten nur die Autos absperren, und aufs Zimmer gehen.

Am Sonntag ging's nach dem Frühstück wieder heimwärts. Wir brachen Richtung Norden auf, genossen das schöne Wetter und das herrliche, unvergleichliche Bergpanorama bei mehreren Stops - inklusive Rundblick von der Edelweiß-Spitze. Am Abend waren wir dann hundemüde, aber zufrieden, wieder zu Hause.

Was der Fuchs in der letzten Nacht gemacht hat, haben wir jedenfalls doch noch rausgefunden - die Motorhaube von Walter's Auto war verziert mit dreckigen Pfotenabdrücken. Scheinbar hat sich Meister Reineke den Bauch auf der Motorhaube gewärmt :-)

Nun aber zu den Beobachtungen.


Die erste Nacht begannen wir - wie könnt's beim Howdii anders sein - mit M27. Feinste Strukturen, bei 105x der Zentralstern sichtbar, überhaupt, der Hantelnebel mit 10 Sterndln übersprenkelt. Dann mit OIII Filter, auch interessant, mir gefällt M27 aber fast ohne Filter besser.

Sh2-90: Got ya! Diesen Burschen hab ich endlich erwischt. Bei meinem ersten Versuch mit dem 18" war ich nicht an der falschen Stelle, der Himmel war damals auf der Ebenwaldhöhe einfach nicht gut genug. Und diesmal konnte ich auch erst nach genauer Kontrolle der Position den Nebel indirekt erkennen, vor allem die scharf begrenzte, konvexe Westseite war für ein paar Augenblicke, in denen der Blickpunkt des Auges exakt paßte, auszumachen. Der Eindruck war jedenfalls so "gewaltig", daß Walter beim schnellen Blick ins Okular meinte, da ist gar nix, und erst nach einiger Zeit ein "naja, kannst recht haben" von sich gab. Vergrößerung war 105x, beobachtet wurde mit UHC Filter.

Unser nächste Opfer, Sh2-101, war wesentlich leichter. Zumindest der hellere Südost-Teil dieses kronenförmigen Nebelgebildes war recht gut zu erkennen, der Rest eher zu erahnen. Die zwei dunklen "Rüssel", die auf Fotos zu sehen sind, haben wir nicht ausnehmen können. Vergrößerung und Filter wie bei Sh2-90.

Kurze Anmerkung: Die Katalogbezeichnung Sh2 steht für Sharpless, das sind vorwiegend sehr lichtschwache Gasnebel, die teilweise nur mit großer Öffnung visuell beobachtbar sind, manche davon sind nur mehr fotografisch zu erfassen.

Nun widmeten wir uns wieder etwas einfacheren Dingen: M8 (Lagunen Nebel) stand am Programm. Ich wollte die Hourglass-Region sehen, und beobachtete ohne Filter, Walter wollte dafür wieder mehr vom Nebel sehen, deshalb kam auch der UHC Filter wieder zum Einsatz. Vergrößerung ebenfalls 105x. Herrlich anzusehen, Walter meinte nur, he, hast schon wieder heimlich ein Dia eingeschoben? :-)

Der Trifid Nebel (M20) hielt eine kleine Überraschung bereit. Nicht nur, daß bei 105x die dunklen "Rüssel" sehr deutlich zu sehen waren, gab es ohne Filter Farbeindrücke zu bewundern: Der Reflexionsnebel war deutlich bläulich, der Emissionsteil pastellfarben "pink" zu sehen. Äußerst reizvoll.

Einen wahrhaft prächtigen Anblick bot uns M17, der Omeganebel, dessen hellste Partien einem schwimmenden Schwan ähneln (105x, UHC). Was da an Strukturen im "Schwan" zu erkennen war, beschäftigte jeden von uns eine Weile am Okular. Nebenbei war natürlich die Omega-Gestalt des gesamten Komplexes sichtbar.

M16, der "Starqueen-Nebel" verlangte schon eine etwas höhere Vergrößerung, um die "Starqueen" auf ihrem "Thron" sichtbar werden zu lassen. 150x stellte sich als optimal heraus.

Nächster Kandidat war NGC7293, der Helix-Nebel. Die "Knoten" an der Nord- und Südseite, wo sich die zwei Ringe überschneiden, hatten wir schon mehrmals gesehen, auch die Fortsätze des westseitig offenen Ringes kennen wir schon, bei 150x knackten wir nun auch den "Doppelring" an der Ostseite. War nicht ganz einfach, aber doch recht sicher.

Der planetarische Nebel NGC246 im Cetus war bei 150x fesch, mehr geben auch Fotos nicht her. NGC246 ist übrigens auch für kleinere Geräte (ab 6") ein dankbares Beobachtungsobjekt.

Die Galaxie NGC247 zeigte sich bei 105x als blasser, langgezogener Nebelfleck mit hellerem Zentrum.

Weit besser präsentierte sich NGC253, die Sculptor-Galaxie. Bei 90x kam die Z-Form der Spiralarme optimal raus, bei 105x dafür die Staubstrukturen. Für höhere Vergrößerung gab es durch den horizontnah aufgehellten Himmel zu wenig Kontrast.

Genug am Boden herumgekrochen, wieder rauf auf die Leiter, so ist halt das Beobachten mit einem großen Dob...

M31, der "Andromedanebel", ist im 18" eine Sache für sich. Da gäb's genug zu stöbern, daß mehrere Nächte nicht reichen. Wir holten uns halt einen "schnellen" Blick, und was dabei zu sehen war, ist nicht ohne: Nordwestlich des Kerns die zwei Staubbänder, auch außerhalb noch "Nebelsaum", die Sternwolke NGC206 ganz deutlich, der südliche Spiralarm knickt in mehreren Sternwolken ab, dazwischen Dunkelstellen sichtbar. "Lichtsaum" auch weit südöstlich des Zentrums, etliche Sternwolken im nördlichen Spiralarm, und im Zentrum drin ein ganz kleiner, heller Kern. Bei Wechsel zwischen direkter und indirekter Betrachtung entsteht ein räumlicher Eindruck, die Scheibe mit dem "Buckel" und dem hellen Kern mittendrin wirken irgendwie plastisch (Vergrößerung von 90x bis 150x). Selbstverständlich waren auch die Begleitgalaxien M32 und NGC205 im Bild, wobei vor allem letztere ein durchaus eindrucksvolles Objekt ist.

Und was zeigt M33 im 18"? Wir spechtelten um die Wette, wer mehr von den Spiralarmen entdeckt, also auf drei Arme sind wir gekommen, und ansatzweise war auch ein vierter zu sehen. Dann kamen der Reihe nach die in der Uranometria verzeichneten HII-Regionen dran. NGC604 ist dabei sicher am leichtesten, geht auch ohne weiteres in einem 6", nicht allzu schwer ist auch NGC588. Etwas suchen mußten wir nach NGC592 und NGC595, entdeckten aber weitere Knoten südlich und östlich des Kerns, die vor allem bei Beobachtung mit OIII oder H-Beta Filter evident waren. Vergrößerung 105x, 150x. Das war einmal die erste nähere Erkundung an M33, wir werden hier noch etliche High-Power Experimente durchführen.

Was natürlich auf Howdii's Spechtlplan nicht fehlen darf, sind die prominenten HII-Regionen im Sternbild Schwan: Allein der Nordamerikanebel (NGC7000) faszinierte schon, wir wurden auf Strukturen aufmerksam, die wir vorher noch nie entdeckt hatten, wie z.B. die dunklen Einschlüsse, die vom Norden her in den Nebel ragen. Und erst der Pelikan-Nebel (IC5067)! So strukturreich hatten wir dieses Objekt visuell nicht erwartet. Deutlich war der Kopf, das Auge, der Schnabel zu erkennen, und auch der Körper zeigte Helligkeitsunterschiede. Die Nebelflecken von IC5068 waren da nur eine nette Zugabe...

Des weiteren schlachteten wir den Gamma Cygni Nebelkomplex (IC1318)aus. Wunderbar deutlich waren die Teile d und e ("Butterfly") zu erkennen, schön war auch die etwa dreieckige Form des Teiles b zu sehen, und gar nicht schwierig der südliche Teil Sh2-108. Wir verwendeten dazu wiederum 105-fache Vergrößerung und UHC bzw. H-Beta Filter.

Wenn das Rohr schon einmal auf dieses Himmelsareal ausgerichtet ist, darf natürlich NGC6888, der Crescent Nebel, nicht fehlen, der prächtig zu sehen war, und so ganz beiläufig flutschte auch M29 ins Okular.

Keinesfalls auslassen darf man bei so einer Gelegenheit natürlich den Cirrus Nebel. Wir können aber mit Fug und Recht sagen, wir haben den gesamten "Cygnus Loop" gesehen. Zuerst delektierten wir uns an den tollen Strukturen des "Feuervogels" (NGC6960) und des östlich davon gelegenen Bogens (NGC6992-95). Dann nahmen wir den dazwischen liegenden Teil ins Visier, und waren erstaunt über die verschlungenen Filamente, die sichtbar waren. Walter entdeckte ein für uns neues Nebelfleckerl, und ab jetzt ging's Schlag auf Schlag: wir haben letztlich alle in der Uranometria eingezeichneten Nebelteile des Cygnus Loop gesehen. Starke Ausbeute... Wieder verwendeten wir unsere "Universalvergrößerung" 105x und UHC Filter.

Die beiden Reflexionsnebel IC59 und IC63 um den Stern Gamma Cas waren unser nächstes Ziel. Und viel leichter als erwartet, trotz des hellen Sterns mit im Bildfeld.

Auch NGC281 entlockte uns Ausrufe des Entzückens. Wohl haben wir dieses Objekt schon öfter gesehen, das hier schlug aber alle bisherigen Eindrücke: der Nebel mit dem dunklen Einschnitt stand da wie auf einem Foto.

So nebenbei wurden die Pleiaden (M45) eingestellt. Und natürlich ging wieder die Diskussion los, ob außer dem Merope Nebel sonst noch Nebel um die hellen Sterne sichtbar sind. Zumindest um den Stern 20 Tau (Maia) wirkte der deutlich blaue "Lichthof" asymmetrisch, und auch sonst fiel auf, daß manche der Sterne trotz etwa gleicher Helligkeit von einem blauen Lichtsaum umgeben sind, andere wieder nicht.

Der Crabnebel M1 im Stier zeigte die bekannte S-Form, die feinen, von Fotos bekannten Filamente konnten wir auch bei 200x oder 300x nicht erkennen. Naja, wirklich gerechnet hatten wir nicht damit, aber neugierig waren wir allemal.

Und kaum war der Orion halbwegs über dem Horizont aufgetaucht, wollten wir's schon genau wissen, und trotz des recht aufgehellten Himmels war unser Ergebnis nicht schlecht: Bei 50x mit H-Beta Filter Flammen-Nebel (NGC2024), der Stern Alnitak (Zeta Ori), der Nebelstrip IC434, und der Pferdekopfnebel (B33) im Gesichtsfeld! Der Pferdekopfnebel kam bei 75x mit H-Beta am besten raus.

Klar *mußten* wir auch einen Blick auf M42, den großen Orion-Nebel, werfen, wow, leider war aber auch hier der Himmel zu hell. Genauso mußten wir beim Rosetten-Nebel (NGC2237) einsehen, daß eine genußvolle Beobachtung durch den aufgehellten Himmel nicht möglich war.

So nahmen wir denn trotz bereits spürbarer Müdigkeit unsere letzten Objekte im höher gelegenen Fuhrmann in Angriff. NGC1931 gab kaum mehr her, als was ich schon von meinem kleinen 5.7" kenne, IC405 war als nettes "kipflförmiges" Nebelgebilde sichtbar, und beim Flaming Star Nebel (IC410) wurden wir nicht recht klug, ziemlich undefiniert. Der Mond war mittlerweile längst aufgegangen, nur von unserem Standplatz aus noch durch die Berge verdeckt.

Walter begnügte sich während der Nacht fotografisch - wegen des teilweise heftigen Windes - mit Normalobjektivaufnahmen von der Milchstraße, von denen er auch noch etliche wegen vorbeifahrender Autos abbrechen mußte.

Das Sternbild Cassiopeia im 50mm Normalobjektiv, 30 Minuten belichtet

Das Sternbild Fuhrmann im 50mm Normalobjektiv, 31 Minuten belichtet

Wenn Walter nicht gerade durch meinen 18" guckte, beschäftigte er sich mit visueller Beobachtung durch sein 8" Schmidt-Cassegrain.

So zeigte er mir NGC6772, einen planetarischen Nebel im Adler, der fotografisch nur 14 mag erreicht. Ich hab zuerst gemeint, ich schau ins Schlüsselloch zur Hölle, so finster war's im Okular. Erst langsam sind ein paar Photonen in mein Auge getröpfelt, und da war dieses schwache Scheibchen. Wie ich geguckt habe, war ein OIII Filter drin, als besser erwies sich dann der UHC Filter bei 76x.

An M71 probierte Walter verschiedene Vergrößerungen, den besten Gesamteindruck erzielte er bei 150x, bei 100x traten ein paar Sterne aus dem nebeligen Hintergrund heraus, bei 206x erschien dafür der ganze Haufen in Einzelsterne aufgelöst.

NGC6905, einen ringförmigen planetarischen Nebel, beschreibt Walter als hell uns sehr schön. Das Objekt ist von drei Sternen eingerahmt, und war am besten bei 206x mit UHC Filter zu sehen.

Die Balkenspirale NGC7479 im Pegasus zeigte in Walters 8" den Balken, und indirekt schwach die Spiralarme. Beste Vergrößerung war 76x, und die Bedingungen hätten nicht schlechter sein dürfen für diese Beobachtung.

Weiters observierte Walter noch NGC7448, eine Sc-Spirale, und NGC1156, eine irreguläre Galaxie, die aber visuell im 8" unspektakulär waren.


Die zweite Nacht begannen wir ausnahmsweise einmal mit M11 statt M27 :-) Nach einigen Wiederholungsbeobachtungen (M27, Cygnus Loop, M45, M31, M33) stellten wir locker den Doppelhaufen h+X im Perseus ein, bevor wir uns in neue Abenteuer stürzten.

Eine spezielle Rechnung hatte ich noch offen: die "Nebulosity" um den offenen Haufen NGC6823, die den Namen NGC6820 trägt. Naja, sehr sehenswert... Mit viel Mühe konnte ich die hellsten Partien gerade noch erkennen, äußerst matt (50x, UHC).

In der Folge machten wir uns an dem "Running Dog" Nebelkomplex zu schaffen. Der Kopf, bestehend aus IC1795 und NGC896 war einfach zu sehen, mitsamt dem dunklen Einschnitt, der die zwei Nebel voneinander trennt, und quasi das offene Maul des Hundes darstellt. Leicht sichtbar war auch der "nebelige" Haufen Mel 15 der mitten in einem großen, unregelmäßigen Oval liegt. Von diesem Nebelring waren die hellsten Teile problemlos erkennbar. Insgesamt weit mehr, als wir erhofft hatten. Bei dieser Beobachtung arbeiteten wir mit 50-facher Vergrößerung und UHC Filter.

Wenn man der Verlängerung der Linie vom "Kopf" des Hundes zum Haufen Mel 15 folgt, stößt man auf einen weiteren großen Nebelring, IC1848. Dieses Gebilde erschien uns etwas schwieriger als der "Running Dog", die helleren nördlichen Teile waren aber doch einigermaßen zu erkennen, nach Süden ist der Ring offen.

Während ich noch mit den Gasnebeln beschäftigt war, hackte Walter ein paar Galaxien in seinem 8", und wollte NGC7479 unbedingt im 18" sehen. Mein Erinnerungsvermögen läßt hier aber ein bissl aus, ich glaub, mich an den Balken und zumindest einen deutlich sichtbaren Spiralarm erinnern zu können. Auf Fotos ist NGC7479 eine schöne Balkenspirale, der Balken und die zwei prominenten Arme waren im 18" auch ohne weiteres zu erkennen, meint Walter, durch den hellen Hintergrund (die Galaxie stand noch recht tief) sah aber die Galaxie im 18" genauso aus wie in seinem 8" Schmidt-Cassegrain, nur halt etwas heller.

Eines von Walters Objekten im 8" war in dieser Nacht die lichtschwache Balkenspirale NGC6907, die aber bei 76x nur indirekt als "Fleck" ohne Detail sichtbar war.

Etwas mehr Aufmerksamkeit erweckte dafür das kleine, runde Nebelfleckerl, das ich im 18" unweit von NGC7479 fand. Laut Uranometria handelt es sich dabei um den Kugelhaufen Pal 13, dessen hellste Sterne grad so um die 17 mag liegen... Na, da ist wohl auch ein 18" aufgeschmissen, keine Chance, ein paar Einzelsterne rauszuspechtln, die Palomar Cluster sind halt von anderer Sorte... :-)

Überhaupt keine Erinnerungen verbinde ich mit der Galaxie NGC7448, sie steht aber auf meiner Beobachtungsliste. Naja, die Müdigkeit war zu dieser Zeit schon stark spürbar. Walter, Galaxienspezialist, meint dazu: NGC7448 ist eine irreguläre Galaxie, sah aber im 18" völlig unspektakulär aus: Ein elliptischer Fleck ohne erkennbare Struktur. Auch hier war der helle Hintergrund recht störend.

Der Gasnebel NGC2174 im Orion blieb dafür eher im Gedächtnis hängen, war sehr leicht zu sehen.

Als Abschluß gab's noch einen Blick auf M52, den Bubble-Nebel (NGC7635) und NGC7538 in unmittelbarer Nachbarschaft.

Damit hatten wir unser Pulver verschossen. Walter hatte nebenbei IC1396 mit einem 205-er Tele abgelichtet, und dann im Primärfokus seines 8" M33 auf Film gebannt, und konnte nach 90 Minuten am Nachführokular seine Augen auch kaum mehr offenhalten.


Insgesamt waren wir jedenfalls recht zufrieden mit den Ergebnissen dieser zwei Nächte. Wenn wir unsre Eindrücke nochmals kurz zusammenfassen: Den Himmel kann man sich nicht aussuchen, auch nicht auf 2400 Meter. Prinzipiell waren wir aber über all dem Dunst, der die horizontnahe Himmelsaufhellung verursachte und die Transparenz des Himmels war toll, auch wenn wir - wie gesagt - einen dunkleren Himmel erwartet hätten. Das Seeing war in beiden Nächten unbrauchbar für Planetenbeobachtung, das dürfte wohl dort eher die Regel sein, so wie die Gegend aussieht. Schließlich sind wir für Deep Sky Beobachtungen gekommen, und dafür war das Seeing ausreichend. Das Wallackhaus ist als Astronomen-Unterkunft gut geeignet, man kann problemlos mitten in der Nacht rein oder raus, und wenn man erst um 10 Uhr zum Frühstück erscheint, so spielt das keine Rolle. Einen brauchbaren Spechtlplatz findet man direkt beim Haus, bequemer geht's fast nicht mehr. Und der Aufenthalt in dieser einzigartigen Bergregion ist sowieso ein unvergeßliches Erlebnis. So gesehen sind wir einer Wiederholung dieser Aktion nicht abgeneigt...

Howdii


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