XIII. Astroexpedition ins Glocknergebiet

15.-18. September 2012

Glockner hinter Steinmanderl
Großglockner hinter einem Steinmanderl

Dieses Jahr war meine Astrotour auf die Glocknerstraße fast schon "geplant", ich habe mir die Tage rund um das September-Neumond-Wochenende schon lange vorher frei genommen. Sonst plane ich gar nicht und fahre einfach auf's Geradewohl, wenn das Wetter passt... Leider lässt sich das Wetter nicht vorreserviern. Und das machte mir Sorgen: Nach wochenlangem spätsommerlichem Hochdruckwetter zog justament in den Tagen vor dem geplantem Astro-Wochenende eine Kaltfront durch das Land, die neben einem Temperatursturz Neuschnee im Gebirge brachte. Na ob da noch eine Chance für meine Astrotour blieb? Einen überraschenden Hoffnungsschimmer bot die neue Webcam auf der Edelweißspitze: Am Freitagabend zeigte sie einen brillanten Sonnenuntergang bei klarem Himmel! Allerdings war auch viel Neuschnee zu sehen, vor der Edelweißhütte hatte sogar jemand einen Schneemann gebaut.

Die Wetterprognosen klangen weiterhin unsicher, aber immerhin sagten sie übereinstimmend zunehmenden Hochdruckeinfluss voraus. Also rief ich kurz entschlossen in der Edelweißhütte an: Tja, Pech gehabt, kein Zimmer mehr frei! Ich war wohl nicht der einzige Aspirant auf den erwarteten klaren Himmel... Also dann, Anruf im Wallackhaus: Ja, Zimmer sind noch frei. Puh, Glück gehabt. Aber kein Mittagsbetrieb mehr im Wallackhaus im September. Na macht auch nix, dann ist es wenigstens ruhiger im Haus - zum Ausschlafen... ;-) So dachte ich jedenfalls.

Den nächsten Vormittag verbrachte ich Großteils damit, die umfangreiche Ausrüstung im Auto zu verstauen. Was kommt mit, was bleibt da? Immer diese Entscheidungen, ich hasse das! Am Einfachsten ist es doch, einfach alles ins Auto zu stopfen, dann erspart man sich die Qual der Wahl... Also rein mit den 4 Teleskopen, 2 Montierungen, 6 Kameras und hunderten von Zubehör-Teilen! Auf die Wetterprognose schaute ich besser nicht. Was, Wolken und Regen? Ach was, kann nicht sein, das ignorieren wir doch mal!

Das ungute Gefühl bezüglich des Wetters verstärkte sich während der Fahrt durch Oberösterreich und Salzburg. Regenschauer bei der Anreise? Das hatte ich noch nie. Oder waren das nur die angekündigten Wolken im Nordstau? Wie auch immer, ich ließ es mir nicht verdrießen und hielt Kurs auf die Berge. Fusch an der Glocknerstraße war voller alter Traktoren: Was ist denn da los? Aha, die 11. Oldtimer-Traktor-WM! Nur gut dass ich den Burschen nicht in freier Wildbahn - äh, will sagen, auf der Straße - begegnet bin, sonst hätte ich entweder hinten bleiben oder alle einzeln überholen müssen...

Trekkerdetail 3 Traktor-WM Trekkerdetail 1 Lanz_Bulldog Trekkerdetail 2
Trekkerfahrer 2 Trekkerfahrer 1 Trekkerfahrer 3
Die Oldtimer-Traktor-WM und die Trekker-Fahrer

Die Auffahrt auf die Glocknerstraße - diesmal gratis, da ich im Wallackhaus angemeldet war - erfüllte mich auch nicht gerade mit Hoffnung. Wolken, wohin man schaut. Irgendwie fuhr sich mein Auto zäh in den Kurven, das ging doch schon mal besser. Ist wohl etwas überladen, vielleicht hätte ich doch nicht wahllos alles Astrozeugs ins Auto werfen sollen?

Die "Hexenküche" machte ihrem Namen alle Ehre: Wolken, Nebel, Wind, Schneeflecken... Immerhin kein Regen, obwohl alles nass war. Höher oben lag noch mehr Schnee, vielleicht 20cm tief, neben der Straße durch die Schneeräumung noch höher aufgetürmt. Doch dann, ein Hoffnungsschimmer: Blauer Himmel hinterm Alpenhauptkamm? Rasch durch durch's Hochtor-Tunnel, ein, zwei Kehren hinunter - und ich stand (neben einer Schneefräse) im Sonnenschein! Hurra, das wird vielleicht doch noch was!

Hohe Dock in Wolken Hexenkueche Schneehoehe Lichtblick
Hohe Dock in Wolken, in der Hexenküche, Schneehöhe neben der Straße und ein Lichtblick

In die Sonne
Hurra, blauer Himmel!

Bei der Ankunft an der Südseite des Wallackhauses fand ich ein paar Autos vor, die mir irgendwie bekannt vorkamen. Tatsache: Drinnen im Haus traf ich Günther und Marion Petz, Martin Helm, Matthias Juchert und noch ein paar andere Amateure, alles wohlbekannte Glocknerstraßen-Astro-Veteranen. Die erzählten mir, dass in der Nacht zuvor nach einer klaren Dämmerung (die ich in der neuen Panorama- Kamera gesehen hatte) doch noch Wolken durchzogen. Erst lange nach Mitternacht wurde es klar. Na dann, puh, nichts versäumt!

Abendstimmung_1 Abendstimmung_2 Abendstimmung_3
Abendstimmung beim Wallackhaus, West- und Südhimmel

Für die bevorstehende Nacht sah mal alles Bestens aus: Zunehmend mehr klarer Himmel, auch die Wolken über dem Hauptkamm waren in Auflösung begriffen. Allerdings blies von Hochtor steifer Nordwind herunter, den war ich aber gewohnt. So ist es nun mal im Spätsommer und Herbst dort oben beim Wallackhaus: Entweder Fallwind von Alpenhauptkamm herunter oder - wenn der Wind mal auslässt - hohe Luftfeuchtigkeit. Ich kenne den Platz ja schon seit vielen Jahren. Das andere Manko des Wallackhauses: Durch die Fenster - vor allem durch die großen südseitigen Fenster der Gaststube - entkommt viel Licht, das zum Beobachtungsplatz an der Südseite hin fällt. Licht- und Winddeckung gibt es eigentlich nur durch das kleine vorgelagerte "Bierradies" (das ist die Aprés Ski-Hütte), an dem einige visuelle Beobachter ihre Dobs platziert hatten. Der Platz dort ist aber beschränkt. Immerhin wurde das Licht der Gaststube kurz nach 21 Uhr abgedreht. Licht aus diversen Zimmer- und Gangfenstern fällt auch danach zum Beobachtungsplatz, die Nachtbeleuchtung der Gänge wird überhaupt nicht abgedreht.

Am (durch den geschmolzenen Schnee teilweise etwas matschigen) Beobachtungsplatz waren mehrere Dobs vertreten - sowohl Markengeräte als auch Eigenbau - bis 20" Öffnung, mit und ohne Nachführung. Günter Petz und ich waren hingegen fotografisch im Einsatz. Wegen des Windes kamen bei mir die kürzeren Brennweiten zum Einsatz, will heißen: 4.9" JSO Wright-Newton und 4.1" TMB APO im Doppelsetup! Damit wollte ich die Nebel von Himmel holen! Natürlich nicht den "echten" Nebel aus Wasserdampf, deshalb stoppelte ich in weiser Voraussicht überall Taukappen drauf, man kennt ja die Gegend und ihre Wetterbedingungen schon ein wenig... Nur das 18mm Objektiv blieb ohne Taukappe, denn das war schon seit der Dämmerung im Einsatz.

Voriges Jahr habe ich damit - angespornt durch Vorbilder im Web - begonnen, dieses Jahr war ich mit verbesserter Technik unterwegs: Es geht um Zeitrafferaufnahmen des Nachthimmels, auf denen man die Bewegung der Sterne sieht, die aus vielen hundert DSLR-Einzelaufnahmen zusammengesetzt werden. Diesmal habe ich vorab "trainiert" um die richtige Kombination aus Brennweite, Blende, Einzelbild-Belichtungszeit, ISO-Empfindlichkeit und Intervall für meine Kamera zu finden. Die Resultate der ersten Nacht findet man hier:

Glockner 2012 - 1st Night, Evening Sky Glockner 2012 - 1st Night, Morning Sky
Zeitrafferaufnahmen der ersten Nacht, 1. Nachthälfte nach Süden und 2. Nachthälfte nach Osten.
Gegen Ende der ersten Aufnahmeserie beschlug das Objektiv zunehmend.

Einige Gäste aus dem Haus gesellten sich zu uns, Martin Helm hat mit seinem 16" Martini-Dobson regelrechte Deep-Sky Touren veranstaltet. Auch ich warf den einen oder anderen Blick durch sein Rohr, wann immer es meine Fotos gerade zuließen. Schöne visuelle Eindrücke sammelte ich auch mit diversen anderen Dobs. Gut erinnern kann ich mich an den Cirrus-Nebel im 20" Lowrider mit Lomo-Spiegel und mit Nachführung - whow! Da überkommt sogar mich, einen gestandenen Astrofotografen, ein wenig das Dob-Fieber ;-)

Noch vor Mitternacht schlief der Wind ein und es wurde wie erwartet feucht. Das ungeschützte 18mm Objektiv der Zeitraffer-Kamera beschlug leider zunehmend, die anderen Optiken blieben dank Tauschutzkappen weitgehend frei. Die Fotoserie musste ich vorzeitig beenden und das Objektiv (im Haus) abtauen, damit es für den Osthimmel-Film (bis zur Morgendämmerung) wieder einsatzbereit war.

Die Aufnahmen dieser Nacht: IC 1284 nahe der Kleinen Sagittarius Sternwolke und Sharpless 129 im Cepheus, allesamt recht akzeptabel. Am Wright-Newton war ein monochromes CCD mit Hα Schmalband-Filter im Einsatz, am APO ein Farb-CCD ohne Filter. Nebenbei lief auch eine DSLR mit 70mm Objektiv für größere Bildfelder mit.

IC1284 in Ha IC1284 Milkyway in Sagittarius Sh2-129 in Ha Sh2-129
Deepsky-Fotos der 1. Nacht:
IC1284 Region, im Hα Schmalband-Filter und als HαRGB Farb-Komposit;
Milchstraße im Schützen, Teleaufnahme, kombiniert mit einer Aufnahme von 2013;
Sh2-129 im Cepheus, im Hα Schmalband-Filter und als HαRGB Farb-Komposit.

Der Himmel war nicht perfekt, leichter Dunst war da, sehr gestört hat das aber nicht. Eine Himmelshelligkeit von 21.3 mag/arcsec2 habe ich im Zenitraum gemessen. Insgesamt eine feine Nacht bis zur Morgendämmerung, die allerdings wenig spektakulär verlief. Der Zodiakallichtkegel vor der Morgendämmerung war zu sehen und ist auch am Zeitraffer-Film drauf, ich kenne das aber noch besser vom gleichen Standort. Jupiter und Venus zeigten einen leichten Hof.

Die Nacht endete für mich um 5:30. Die Instrumente baute ich nicht ab, sondern verhüllte sie nur mit einer Decke.

Grosser_Friedrichkopf_Morgensonne
Erste Sonnenstrahlen am Großen Friedrichskopf, 3134 m - die höchsten Gipfel werden zuerst beleuchtet

Beobachtungsplatz Wallackhaus
Beobachtungsplatz an der Südseite des Wallackhauses, zwei Teleskope sind "eingewickelt".

Lange ausschlafen durfte ich am nächsten Morgen nicht, Frühstück gibt es im Wallackhaus nämlich nur bis 9 Uhr. Für diesen Tag hatte ich andererseits ein Programm vor: In Heiligenblut fand das Glocknerlamm-Fest statt, das wollte ich mir anschauen und nebenbei durch den Ort wandern. Die Fahrt hinunter wollte ich aber nicht mit dem Auto durchführen: Diesmal sollte die Gondelbahn als Verkehrsmittel dienen! Eine erste Bergbahn fährt vom Fallbichl, der mit einem kurzen Fußmarsch vom Wallackhaus erreichbar war, zunächst hinauf zum Schareck (2602m), von dort aus geht die Fahrt mit einer anderen Gondelbahn über eine Mittelstation abwärts direkt in den Ort Heiligenblut. Bevor es jedoch hinunterging, sah ich mich am Schareck ein wenig um, von Gipfel aus hat man einen großartigen Fernblick auf den Großglockner und andere 3000er der Glockner-, Goldberg- und Schobergruppe.

Gondelbahn Schareck Schareck
In der Gondelbahn, Blick zum Schareck

Panorama Schareck
Panoramablick beim Gipfelkreuz auf Schober- und Glocknergruppe

Glocknerstrasse_mit_Schnee Walter am Gipfel Steinburg Hocharn Lienzer_Dolomiten
Am Schareck: Rückblick zur Glocknerstraße mit Schnee, der Autor beim Gipfelkreuz, eine kleine Steinburg, Blick zum Hocharn, Lienzer Dolomiten in größerer Entfernung

In Heiligenblut angekommen marschierte ich schnurstracks ins große Festzelt. Daran führt auch gar kein Weg vorbei: Das Festzelt blockiert nämlich den ganzen Hauptplatz... Ob da wohl Absicht dahinter steht? Jedenfalls genoss ich hier für eine Weile Kärntner Brauchtum, Bier und Gemütlichkeit ;-) Danach besichtigte ich den schönen Ort und die markante gotische Pfarrkirche.

Heiligenblut
Heiligenblut, fast schon eine Postkartenansicht

Glocknerlammfest 4 Glocknerlammfest 5 Glocknerlammfest 1 Glocknerlammfest 8 Glocknerlammfest 2 Glocknerlammfest 3 Glocknerlammfest 6 Glocknerlammfest 7
Impressionen vom Glocknerlammfest

Pfarrkirche_Heilgenblut_Glockner 1 Pfarrkirche_Heilgenblut_Glockner 2 Pfarrkirche_Heiligenblut_Innenraum
Die gotische Pfarrkirche von Heiligenblut, im Hintergrund der Großglockner

WM_Traktor_mit_Wohnwagen 2 WM_Traktor_mit_Wohnwagen 1 WM_Traktor_mit_Wohnwagen 3
Begegnung am Rückweg: So nächtigt man also bei der Oldtimer-Traktor-WM...

Abends war die Wettersituation ausnahmsweise einmal eindeutig: Eine klare Nacht stand bevor. Den ganzen Tag schon war der Himmel wolkenfrei gewesen, richtiges Kaiserwetter. Viele der Astro-Kollegen entschlossen sich, diese Nacht auf der Edelweißspitze zu verbringen, mehrere Bayrische Spechtler mit Riesen-Dobs hatten sich dort angekündigt. Die Edelweißspitze liegt auf der Salzburger Seite der Glocknerstraße und rund 200m höher als das Wallackhaus. Nach Aussage mancher Kollegen ist diese Höhendifferenz merkbar in der Himmelsqualität, ich habe da aber so meine Zweifel. Unterschiedlich ist freilich das lokale Mikroklima: Auf der Edelweißspitze steht man auf einem asphaltierten Parkplatz, der sicherlich noch länger die Tageswärme speichert und abgibt als die Schotter-/Wiesenkombination beim Wallackhaus. Dafür gibt es auf der Edelweißspitze nicht die für das Wallackhaus so typischen Fallwinde aus Norden. Andererseits ist man auf der exponierten Spitze dem Wind aus jeder Richtung mehr ausgesetzt...

Sonnenuntergang mit Montierung
Kurz vor Sonnenuntergang: Das Stativ steht schon bereit für die Zeitrafferaufnahmen

Wie auch immer, ich entschloss mich, vor Ort zu bleiben, zumal ich meine Montierung nach der Vornacht gar nicht abgebaut, sondern einfach stehen gelassen hatte. Der Abend war windstill, die Nacht versprach feucht zu werden, daher sattelte ich den 9.5" Newton auf die Montierung. Dieser ist weniger tauanfällig als die vorne geschlossenen Tuben von APO und Wright-Newton, benötigt aber besseres Seeing, um die volle Auflösung bei 1.28 Meter Brennweite ausspielen zu können. Das war tief unten am Südhimmel, wo ich zunächst fotografierte, nicht gegeben, deshalb zeigt die Aufnahme von NGC 7293, dem Helix-Nebel, den ich in der ersten Nachthälfte fotografierte, eher dicke Sterne. Besser war das Seeing dann bei M33, der Triangulum-Galaxie (2. Nachthälfte).

NGC7293, Helix Nebel M33, Triangulum-Galaxie M16, M17 and M24
Deepsky-Fotos der 2. Nacht:
NGC 7293, der Helix-Nebel;
M33, die Triangulum-Galaxie;
M16, M17 und M24, eine Übersichtsaufnahme mit 70mm Brennweite.

Um M33 maß ich 21.45 mag/arcsec2 mit dem SQM-L. Wie mir am nächsten Morgen Beobachter von der Edelweißspitze mitteilten, wurde dort der gleiche Wert gemessen. Na also, wie ich schon mal sagte: Kein echter Unterschied in der Himmelhelligkeit.

Martin Helm versorgte uns auch in dieser Nacht mit visuellen Spechtlerlebnissen im Martini-Dob. Wir haben uns bemüht, den Zentralstern im Ringnebel M57 mit einem Nagler Zoom herauszukitzeln - leider vergeblich, das gab das Seeing dann doch nicht her. M33 war im 16" Dob beeindruckend - noch selten habe ich die Spiralarme so gut erkennen können. Feiner Himmel hier! Leider machte Martin Schluss, als ich mich gerade im Haus aufwärmte. Danach hatte ich den Platz vor dem Haus für mich alleine, nur Günthers Aufnahmen liefen noch automatisiert...

Für die Zeitrafferaufnahme der 1. Nachthälfte schraubt ich die Kamera mit Objektiv auf die GP-DX Montierung, die ich beinahe horizontal nachführen ließ, so dass die Kamera der Milchstraße ab der Dämmerung am Horizont entlang "nachfährt". Hier sieht man auch das bewegte Nebelmeer unten im Mölltal, zum Glück stieg der Nebel nicht höher hinauf. Für die Aufnahme der 2. Nachthälfte ließ ich die Kamera dann über den Zenitraum schwenken, und zwar gegen die Erddrehung. So kam meine gute alte GP-DX also auch noch zum Einsatz...

Glockner 2012 - 2nd Night, Evening Sky Glockner 2012 - 2nd Night, Morning Sky
Zeitrafferaufnahmen der zweiten Nacht, 1. Nachthälfte nach Süden und 2. Nachthälfte im Zenitraum, Kamera auf GP-DX bewegt

Der Montag präsentierte sich nicht mehr so freundlich. Hohe dünne Wolken überzogen den Himmel, die Sonne blinzelte nur dazwischen hin und wieder durch. Na ob da noch eine klare Nacht zu erwarten sein wird? Ich ließ mich jedenfalls nicht entmutigen und machte einen Ausflug hinüber zur Franz-Josefs-Höhe.

Flaggenparade
Flaggenparade auf der Franz-Josefs-Höhe

Dort angekommen, erschrak ich wieder einmal über den Zustand der Pasterze, auf der es in diesem Sommer wieder einmal zu einer überdurchschnittlich großen Gletscherschmelze gekommen ist. Laut Bericht der ZAMG hat die Pasterze im Bereich der Gletscherzunge in den letzten 12 Monaten rund neun Meter an Eisdicke verloren, und selbst im Nährgebiet oberhalb des Hufeisenbruches sollen es bis zu zwei Meter an Eisdicke sein. Das war deutlich zu sehen, auch auf den Fotos, wenn man sie mit meinen Aufnahmen von August 2011 vergleicht...

Panorama_Pasterze Gletschermuehle
Panoramaaufnahme der Pasterze im September 2012, eine Gletschermühle

Die Murmeltiere, die in Höhlen knapp unterhalb des Parkplatzes wohnen, boten dieses Jahr eine große Show, so viele auf einmal habe ich noch selten dort gesehen. Alle sahen sehr wohlgenährt aus, die haben sich schon einen dicken Winterpelz angefressen. Dazu dürften auch die (ungesunden) Nahrungsmittel beitragen, die ihnen mache Touristen zuwerfen...

Murmeltier 1 Murmeltier 2 Murmeltier 3 Murmeltier 4 Murmeltier 5
Murmeltiere auf der Franz-Josefs-Höhe

Ein Stück oberhalb des Parkhauses findet man das Swarovski-Observatorium in Form eines Glasprismas. Im obersten Stockwerk sind ein paar Swarovski-Spektive aufgestellt, deren Abbildungsleistung konnte mich aber nicht überzeugen, jede Menge Farbquerfehler waren an den kontrastreichen Gletscher-Felsenkanten zu sehen. Vielleicht liegt es auch an dem Fenstergläsern, durch die man hindurchschauen muss...

Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte Im Swarovski Kristall Aussichtsplattform Swarovski-Kristall
In der Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte

Glocknerpanorama_mit_Wolken Glockner 112mm Glockner 400mm
Ausblick zum Großglockner mit zunehmender Brennweite, Schleierwolken am Himmel

Gleich neben dem Glasprisma ist eine Statue unseres guten alten Kaisers aufgestellt, der die nach ihm benannte Kaiser-Franz-Josefs-Höhe im Jahre 1856 besucht hat. In den Felsen ganz in der Nähe der Statue wohnt ein Murmeltier, das beinahe jeden Scheu vor Menschen abgelegt hat, es lässt sich bereitwillig fotografieren und filmen.

Kaiserstatue 2 Murmeltouristen Rabengang
Kaiserstatue, ein gar nicht menschenscheues Murmeltier und ein Rabe beim "Spaziergang"

Am Rückweg zum Wallackhaus machte ich noch beim Wasserfall oberhalb des Nassfeldes halt. Dieser Wasserfall führte diesmal viel Wasser - wahrscheinlich aufgrund der Schneefälle in den Vortagen. Man muss schon die ausgetretenen Wege verlassen und ein kleines Stück aufwärts wandern, um dem unteren Wasserfall nahe zu kommen. Als angenehmer Kontrast zur etwas überlaufenen Franz-Josefs-Höhe war ich dort alleine mit der Natur. Gleich unterhalb des Wasserfalls blühte der Wiesenenzian besonders schön.

Freiwandfall Sinewelleck Freiwandfall 4 Freiwandfall 1 Freiwandfall 3 Freiwandfall 2 Freiwandfall 5 Wiese vor Freiwandfall
Freiwand-Wasserfall oberhalb des Nassfeldes, hier habe ich mich ein wenig mit langen und kurzen Belichtungen gespielt

Enzian 2 Enzian 1 Enzian 3 Witwenblume
Kranzenziane und eine Witwenblume nahe dem Wasserfall

Nahe beim Wallackhaus traf ich dann noch auf eine Schafherde mit einem Lamm. Die Herde war aufmersam, aber gar nicht scheu, und ließ sich bereitwillig von mir fotografieren. Das Leitschaf (mit Glocke) beäugte mich aber dann doch ein bischen argwöhnisch, als ich dem Lamperl zu nahe kam...

Lamm 1 Lamm 2 Leitschaf Glocknerschaf Schaf_in_Wiese
Schaf_im_Gegenlicht Vier_Schafe Einsames_Schaf Schwarzes_Schaf
Begegnung am Rückweg: Schafherde beim Wallackhaus

Am Abend sah das Wetter immer noch nicht besser aus, überall Wolkenschleier. Daher gaben wir Astronomen die Nacht schon mehr oder weniger auf. Ein großes Bier noch, dann raus und abbauen, so war jedenfalls der allgemeine Konsens.

Abendstimmung mit Schleierwolken
Abendhimmel mit trüber Aussicht

Doch was war das? Nach dem Bier sah man wesentlich mehr Sterne als vor dem Bier. Woran das wohl liegt? ;-) Die anderen bauten trotzdem ab, ich gab die Hoffnung nicht auf, und wurde belohnt: Der Himmel wurde gegen 22:00 klar, die letzten Wolken verzogen sich und einer 3. Astrofotografie-Nacht stand nichts mehr im Wege. Auch diesmal ließ ich eine Zeitraffer-Aufnahmeserie laufen, vom Südwesthimmel, auf der man den Abzug der Wolken gut sieht. In der zweiten Nachthälfte stand dann der Nordwesthimmel am Programm.

Glockner 2012 - 3rd Night, Evening Sky Glockner 2012 - 3rd Night, Evening Sky
Zeitrafferaufnahmen der dritten Nacht, 1. Nachthälfte nach Südwesten und 2. Nachhälfte nach Nordwesten.
In der ersten Nachthäfte sieht man gut den Abzug der Schleierwolken, im der zweiten ist rechts unten ein Teil des Wallackhauses zu sehen.

Da der Newton nun mal schon da stand (ich habe ihn tagsüber stehen lassen), habe ich ihn gleich noch einmal zum Fotografieren benutzt. Aufgenommen habe ich in dieser Nacht M17 bis zum Untergang des Nebels - das Seeing dort unten war diesmal gar nicht so schlecht. Anschließend stand van den Bergh 152 / Ced 201 am Programm, ein eher selten fotografierter Reflexions- und Dunkelnebel im Cepheus. Für alle Aufnahmen nutze ich das Farb-CCD ohne Filter.

M17, Omega-Nebel vdB 152
Deepsky-Fotos der 3. Nacht:
M17, Schwanen- oder Omeganebel;
van den Bergh 152

Es war nach Auflösung der Restwolken eine feine Nacht, 21.4 mag/arcsec2 maß ich wieder mit dem SQM-L im Zenitraum. Um am nächsten Tag halbwegs fit für die Heimfahrt zu sein, legte ich mich immer wieder stundenweise schlafen, während die Aufnahmen liefen. Visuell Mitbeobachten konnte ich diesmal nicht: Alle anderen hatten schon abgebaut.

Petzeck_Morgensonne
Morgensonne am Petzeck, 3283 m

Am nächsten Morgen hieß es leider schon Abschied nehmen von der Glocknerstraße. Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich von den anderen Astronomen und machte mich auf die Heimreise. Pausen an malerischen Plätzen entlang der Straße gönnte ich mir schon noch, z.B. an der Fuscherlacke, am Fuschertörl und beim Haus "Alpine Naturschau", eigentlich ein steingemauertes altes Baulager, in dem jetzt eine Ausstellung und ein Cafe untergebracht sind. Die Kristall-Ausstellung fand mein besonderes Interesse. Danach dann ging es über Salzburg heim nach Wien, wo ich am Nachmittag ankam.

Goldberggruppe ueber Fuscherlacke Panorama Fuscherlacke Steg ueber Fuscherlacke
An der Fuscherlacke, im Hintergrund die Goldberggruppe

Glockner_und_Sinewelleck Glockner_Sinewelleck_Fuscherkarkopf
Blick auf Großlockner, Sinewelleck und Fuscherkarkopf vom Fuschertörl aus

Holzkreuz_Piffkar Verschneidung Kunstwerk_Piffkar
Kunstwerke im Piffkar

Eisbaendiger_und_Joergen
Eisbändiger und Jörgen stehen bereits für den nächsten Schnee

Schiefe_Laerche Baum mit toter Spitze Hohe Dock eingerahmt
Abschied von der Glocknerstrasse: Ausblicke an der Baumgrenze, Hohe Dock eingerahmt

Blumenhaeuschen
In Fusch: Ein Blumenhäuschen

Zusammenfassung? Kann ich mir doch fast schon ersparen, immerhin ist das schon meine 13. Astroexpedition ins Glocknergebiet, und ich habe alles schon mal geschrieben, oder? ;-) Naja, nicht ganz, einiges ist schon noch erwähnenswert, vor allem Infos zur Unterkunft: Im Wallackhaus wohnt es sich sehr komfortabel, das ist ein richtiges Berghotel. Wer 2 Nächte oder länger bleibt, braucht keine Maut für die Glocknerstraße zu zahlen (der Gutschein wird bei Anmeldung per email zugeschickt). Als Zusatz-Bonus erhält man auch noch die Kärnten Nationalpark Card gratis für die Dauer des Aufenthaltes, da sind u.a. die Bergbahnen Heiligenblut inkludiert, und vieles anderes mehr.

Astronomen stehen meistens an der Südseite des Hauses, dort kann man vor dem typischen Fallwind aus nördlicher Richtung einigermaßen in Deckung gehen. Je dichter man sich an die Vorbauten des Hauses "ankuschelt", umso besser geht das. Vor Scheinwerfer-Licht von der Straße (Nachtfahrer, Mautpreller, Astronomen, die von der Edelweißspitze zurückkommen, und dergleichen mehr) ist man dort recht gut geschützt. Die Wirtsfamilie war so freundlich, uns dort einen kostenlosen Stromanschluß zur Verfügung zu stellen, ein wahrer Segen für die stromhungrigen Geräte der modernen Astrofotografie. Der Beobachtungsplatz südlich des Wallackhauses hat allerdings auch seine Nachteile: Man wird nie ganz von Licht verschont, das aus dem Haus kommt. Zwei Fenster der Gaststube sind nach Süden ausgerichtet, verfügen über keine Vorhänge oder Rollbalken und "beleuchten" den Beobachtungsplatz doch sehr, bis der Gastbetrieb vorbei ist. Gastzimmer mit Fenstern nach Süden und die Gangbeleuchtung sorgen ebenfalls für unerwünschte Beleuchtung. Das (schwache) Nachtlicht der Gänge leuchtet überhaupt die ganze Nacht hindurch, Martin Helm hat das fotografisch dokumentiert, man folge dem Link ganz unten am Ende des Berichts. Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist: Nach Ende des Gastbetriebes hält sich die lokale Lichtverschmutzung doch sehr in Grenzen, ab 22:00 konnten wir in der Regel relativ ungestört beobachten und fotografieren.

Ein weiterer Nachteil des Wallackhauses für Astronomen: Frühstücksbuffet gibt es nur von 7-9 Uhr, wer nicht aufsteht, bekommt dann keines mehr. Nur fürs Frühstück aufzustehen und dann wieder ins Bett gehen kommt auch nicht so gut, denn danach werden die Zimmer (lautstark) gereinigt... Man kann aber mit der Wirtin ausmachen, daß das eigene Zimmer davon verschont wird.

Auf der Edelweißspitze war ich dieses Jahr nicht. Welcher Platz nun der Bessere ist, kann nicht so einfach gesagt werden: Die Edelweißspitze ist der höchste Punkt der Glocknerstraße und zieht als solcher diverse "Nachtschwärmer" an, die dann mit viel Licht daherkommen. Zu den lokalen mikroklimatischen Unterschieden habe ich ja weiter oben schon meine Bemerkungen geschrieben.

Schön war's wieder dieses Jahr! Und ein Riesen-Wetterglück: Gleich drei klare Nächte in Folge, das ist selten. Ich komme gerne wieder!

Walter

Wallackhaus Wallackhaus_vor_Schobergruppe
Das Wallackhaus fotografiert vom Hochtor, dahinter die Schobergruppe

Link: Der Bericht von Martin Helm über dieses Ereignis: 5. Glockner-Astroexpedition


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