Kometennotiz C/2014 Q2 Lovejoy (6. 1. 2015 - 8. 2. 2015, Mistelbach)

Der Komet C/2014 Q2 Lovejoy sollte laut Prognosen wieder einmal eine bessere Show abliefern. Kometen sind in dieser Hinsicht recht unkalkulierbar. Hoch gelobte floppen oft, andere wieder entwickeln sich überraschend spektakulär. Was würde dieser Komet zeigen?  Zum Jahresbeginn trat der Komet von Süden her kommend in unseren Sichtbereich am Abendhimmel. Es dauerte freilich einige Tage, bis der abnehmende Mond eine Beobachtung nicht beeinträchtigen würde.

Meine erste Sichtung des Kometen war am 6. Jänner 2015. Der Mond war gerade aufgegangen, stand tief am Osthorizont. Für mehr als einen Blick mit dem Feldstecher aus dem Fenster raus wäre keine Aufwand gerechtfertigt gewesen. Im 7x50 Fujinon war der Komet leichte Beute. Ein deutlich sichtbares, recht helles, diffuses Bemmerl. Der Komet stand zu dieser Zeit knapp höher als 20° über dem Horizont. Später an diesem Abend war natürlich mehr störendes Mondlicht, dazu noch dünne Wolken. Somit konnte ich den Kometen gerade noch auffinden. Mehr war nicht mehr zu wollen.

Am 9. Jänner erwischte ich eine größere Wolkenlücke. Noch mondloser Himmel, und der Komet stand schon deutlich höher am Himmel, unterhalb des "V" der Hyaden im Sternbild Stier. Für den Aufbau eines Teleskops hätte es nicht gereicht, daher wiederum nur eine Sichtung im 7x50 Feldstecher. Der Komet war leicht zu finden und erschien mir grünlich. Beim leichten Schwenken des Fernglases mit indirektem Blick konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, zwei Schweife zu sehen. Der nach Osten zu gerichtete Gasschweif war deutlicher zu sehen, aber da war im etwa rechten Winkel Richtung Norden noch was vage zu erkennen, der Staubschweif?

Endlich stabilere Bedingungen am 11. Jänner. Ganz frei von Wolken war auch diese Nacht nicht. Immerhin konnte ich den 102/1100 Refaktor auf meiner iOptron ieq45 aufbauen. Zudem hatte ich einen Gast, Leo, der meine Beobachtungen bestätigte. Also was war zu sehen? Wir hatten das 22m Panoptic Okular im Auszug, also 50-fache Vergrößerung. Auch im Okular erschien der Kopf des Kometen grünlich. Nach Osten zu konnten wir einen in zahlreichen Strahlen breit auffächernden Gasschweif erkennen. Und ja, da war im etwa 90° Winkel doch ein Ansatz von Staubschweif auszunehmen! Ein Kontrollblick im 7x50 Glas: Auch da war der Staubschweif wahrnehmbar, deutlicher, und länger als im Teleskop. Der Gasschweif sowieso. Also bei meiner erste Beobachtung am 9. Jänner war mein Eindruck nicht falsch. Freisichtig versuchte ich auch mein Glück, und ja, da war ein nebeliges, schwaches Fleckerl zu erkennen!

Am 15. Jänner war Andi bei mir, wir wollten die sich ankündigende klare Nacht nützen, um den Kometen zu fotografieren, nebenbei auch zu beobachten. Wir hatten den 102/700 Triplet APO auf der ieq45 Montierung aufgebaut. Der Komet stand zu dieser Zeit unter den Pleiaden, hart an der Sternbildgrenze Stier/Widder. Irgendwie habe ich bei meiner Montierug - offenbar vom letzten Einsatz resultierend - die Polsucherausrichtung vergeigt. Das war auch gleich ein Problem, als wir den Kometen von Aldebaren (Alignmentstern) aus anfuhren - er war nicht im Bildausschnitt der Kamera. Gefunden haben wir ihn etwas stark in Deklination abweichend. Demnach war die Poljustierung halt mehr schlecht als recht, das zeigt sich auch an den etwas "schräg" zueinander verlaufenden Strichspuren. Wir knipsten zwei Serien mit 10x 1 Minute und 10x 2 Minuten bei ISO 800 mit der Canon 1000D. Geguided wurde auf einen Stern. Beim Kometenkopf war mir die Helligkeitsverteilung zu flach.

Leider war der Himmel doch nicht das, was er in der Dämmerung versprach. Letztlich sind immer wieder dünne Wolken durchgezogen, sie waren mit freiem Auge kaum erkennbar. Der Autoguider hat es aber sehr wohl bemerkt. Speziell die zweite Aufnahmeserie war stark von den Wolkenschleiern betroffen, sie trug fast nur zu höherer Hintergrundhelligkeit bei. Dennoch habe ich beide Serien zu einem Komposit "verwurstet", insgesamt kam der Komet so besser heraus.Man sieht schon an den ungleichmäßig dicken Strichspuren, dass die Bedingungen wechselhaft waren.

Komet C 2014 Q2 Lovejoy. 10x 1 Min + 10x 2 Min bei ISO 800, Canon 1000D, 102/700 Tripelt Refraktor auf iOpton ieq45

Frage: Wo ist auf all den Fotos der Staubschweif, den wir visuell erkennen konnten? Nirgendwo gefunden, auch bei den vielen Fotos im Web nicht. Auf meinen Bild deucht mir, dass aus dem Kern raus nach links unten ein hellerer Bereich raus wächst, die Koma ist dort meines Erachtens ein bisschen asymmetrisch "ausgebeult". Das war auch unser Eindruck, als wir die frisch gewonnen Fotos im Kamera Display untersuchten. Visuell war der Staubschweif aber erkennbar. Die Koma ist visuell weniger "groß", das mag es sein, warum das Auge was sehen konnte, was die Fotografie nicht zeigen kann. Machmal ist es so, daß das Auge, so unvollkommen es ist, der Fotografie überlegen ist.

Einen Unterschied bez. Staubschweif gab es ja auch visuell im 102/1100 Refraktor gegenüber dem 7x50 Glas. Sollte aber klar sein, bei ersterem halten wir bei einer Austrittspupille von 2mm, bei letzterem von 7mm. Wenn auch meine Augenpupille sicher keine 7mm mehr auf geht, mehr als 2mm aber allemal :-) Damit habe ich mit dem Fernglas einfach mehr Licht fürs Auge. Soweit alles klar.

Am 7. Februar war endlich wieder dunkler Himmel vor Mondaufgang zu haben. Kalt war es, etliche Minusgrade, und windig. Mehr als einen Blick mit dem 7x50 Glas wollte ich nicht. Der Komet stand zu dieser Zeit bereits im Sternbild Andromeda, unweit des Sterns Gamma. Immer noch ist der Komet deutlich im Feldstecher sichtbar. Die Erscheinunag war für mich farblos, und ohne Schweife - einfach ein diffuses Bemmerl, knapp neben einem schwachen Stern. 

8. Februar: Nicht ganz so klar, aber windiger, deswegen nicht gemütlicher als am Vortag. Aber doch besserer Himmel. Im 7x50 Feldstecher: Komet mit dünnem Gasschweif Richtung Osten sichtbar. Der kurze Staubschweif, mit dem Gasschweif einen V-Winkel bildend, war für mich vage. Leo hat unabhängig von mir in Schrick beobachtet, und konnte den kurzen Staubschweif bestätigen. Freisichtig konnte ich den Kometen noch erhaschen, aber schwierig. Ganz vorbei ist die Show noch nicht. Ein bissl was bleibt uns hoffentlich noch für die kommende Neumondperiode.

Howdii


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