Pease 1 und GJJC1 (?) im 6" Refraktor und 8" SC

Beobachtungen vom 5., 11. Aug. und 7. Sept. (Altenmarkt i. T.) und 5. Sept. 2013 (Hegerberg)

Die "Grenzgängerei" in der visuellen Beobachtung ist ein eigenartiger "Sport", kann aber süchtig machen. Es ist die Suche nach der Grenze des Machbaren, was mich treibt. Das Ausreizen von Optiken. Nach einschlägigen Erfahrungen mit dem 102/1100 Achromaten wollte ich auf gleiche Ebene mit dem 6" f/8 Bresser Achromat kommen. Das ist eine ganz schöne Ansage, aber ohne es probiert zu haben, weiß man es eben nicht.

Bevor man sich an Pease 1 (Planetarischer Nebel im Kugelsternhaufen M15) oder gar GJJC1 (Planetarischer Nebel im Kugelsternhaufen M22) "vergreift", sollte man schon "kleinere Brötchen gebacken" haben. Zum Beispiel den Zentralstern im Ringnebel M57. Das ist durchaus eine Challenge. Der Zentralstern des Hantelnebels M27 hingegen nicht, der geht bald einmal, praktisch in jeder brauchbaren Beobachtungsnacht, und für einen Sechszöller schon gar kein Problem. Also, den Zentralstern im M57 habe ich mit dem 6" f/8 Bresser Refraktor schon geschafft, und wie! Hingehämmert! Aber klar, dass sich diese Beobachtung auch nicht so ganz nach Belieben wiederholen lässt. Da muss schon ziemlich viel zusammenpassen: dunkler Himmel, gute Transparenz, gutes Seeing, gute Optik, Beobachter in guter Verfassung, und der berühmte "Moment" ist gefragt, wo man die Stelle mit indirektem Blick goldrichtig trifft.

Anlässlich meiner Beobachtungsnacht am 5. August bei Altenmarkt i. T. nahm ich unter anderen Objekten auch den Kugelsternhaufen M15 ins Visier. Ob der Pease 1 im Sechszöller geht? Ich erfreute mich erst mal längere Zeit am Anblick des Kugelhaufens, doch bei 200x war da nicht einmal das "Trapez" auszumachen, das man aber als Orientierungshilfe unbedingt braucht. Also rauf mit der Vergrößerung. Bei 400x war das schon besser. Ich konnte nach einiger Suche indirekt das Trapez finden. Dann war zack-zack aber klar, wo ich suchen musste, und schon hatte ich diesen "Zapfen" aus Sternen lokalisiert, der da aus dem dichten Kerngebiet des M15 herausragt. Nun ja, aber was fange ich mit dem unaufgelösten "Brei" da eigentlich an? Ich fackelte nicht lange, schraubte den UHC Filter ein, und  - das Bild bei 400x war zu dunkel. Ich musste auf 320x runter gehen, um durch den UHC Filter den Kern des Kugelhaufens und vor allem den "Lichtzapfen" noch lokalisieren konnte. Und was ist jetzt? Ich nahm das Ende dieses Lichtzapfens indirekt ins Visier, und da stach ein sternförmiges Objekt mehrmals hervor, einmal so frech, dass ich perplex war. Was kann denn das anderes sein als Pease 1, der da so durch den Nebelfilter heraussticht? Aber gut, mir war klar, das ist noch nicht voll "gegessen", das war ja fast zu einfach. Ich würde gern noch näher dran gehen, versuchen die Sache besser aufzulösen. Vor allem unter einem besseren Himmel. Und da ist ja noch so ein Kandidat: GJJC1 im Kugelhaufen M22. Ob der geht? Überhaupt bei uns, wo M22 ja nicht sehr hoch steht? Nach der M15 Geschichte habe ich "Blut geleckt", könnte man sagen...

Die Suche nach GJJC1 (11. August 2013, Altenmarkt i. T. / 5. September Hegerberg / 7. September Altenmarkt i. T.)

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mir den GJJC1 (IRAS 18333-2357, auch PK 009-07.1) vorknöpfen würde. Was erwartet einen visuellen Beobachter bei diesem Objekt eigentlich? Im Prinzip ein "stellares" Objekt mit 15 mag. Als Nebel zeigen den GJJC1 übrigens auch Fotos mit Amateurteleskopen nicht. Da muss schon eine gute Auflösung her, und dann bleibt es bei einem stellarem Objekt. .Ein stellares Objekt mit 15 mag klingt nicht gar so herausfordernd. Wäre es auch nicht wirklich, wenn M22 in unseren Breiten nicht so tief stehen würde. Die Kulminationshöhe ist nicht einmal 20°. Das erschwert die Sache freilich, deutlich sogar. Und ganz klar ist es die berühmte Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen.

Bestens vorbereitet, mit Aufsuchkarten, sogar spiegelverkehrt für die Refraktorbeobachtung gedruckt, starete ich am frühen Abend des 11. August von daheim Richtung Altenmarkt i. T. Es war ein heißer Tag, kein Wölkchen zu sehen. Doch in der Dämmerung waren da auf einmal welche. Ich dachte, na, das wird sich bald auflösen, aber nein. Es wurden noch mehr. Etwas missmutig stand ich am Beobachtungsplatz und schaute gegen Süden, wo die Wolken genau vor meinem Zielgebiet vorbei zogen. Ob das was wird? Na gut, man steht auch nicht unter Erfolgszwang, also was soll's. Eine nette Beobachtungsnacht kann immer noch draus werden, auch ohne M22. Also baute ich den Grant ab, dafür das Teleskop auf. Es war ja noch sehr hell. Und schwül. Gelsen gab es auch, oder ist dort nur eine zu Hause? Der Summton kam mir von meiner letzten Beobachtung hier bekannt vor, und wenn mich so ein Blutsauger belästigt hat, war es immer diese eine Gelse.

Ich fuhr mit dem Teleskop schon M22 an, da war der Himmel noch ziemlich hell und M22 lugte nur ab und zu durch die Wolken. Bis es richtig dunkel wurde, riss der Wolkennachschub zum Glück ab, die Wolken zogen nach Osten ab. Also konnte ich loslegen. Schließlich sollte man ja das Objekt möglichst hoch am Himmel nehmen. M22 stand knapp östlich des Meridians. Ich würde die Montierung umschlagen müssen, das war klar, aber zum Anspechteln, sich mal mit dem Objekt näher vertraut machen, dafür sollte es reichen. Irgendwann nahm die Montierung keine Steuerbefehle mehr an. Komisch, was hat's da? Ui, da hängt das Gegengewicht schon höher als das Teleskop! Wieso hat das Zeug nicht am Meridian mit Pieps gestoppt? Ah, fix, der Akku war nicht voll geladen, ich hätt' gemeint, für 3x Goto und sonst nur Tracking wird's noch reichen. Mitnichten. Unterspannung, und Elektronik spinnt. Also erst mal die Spannungsversorgung aufs Auto umstecken, und dann ist es bei der iOptron ieq45 ungefähr der Super-GAU wenn das Zeug irgendwo irgendwie abgeschaltet wird. Ich habe es zumindest geschafft, die Homeposition ohne zu großes Unheil anzurichten zu erreichen. Dann nochmal das Alignment ausführen, und wieder auf M22. Nun musste ich mich aber neu orientieren, weil im Okular alles ca. 180 Grad gedreht ist. Die erste Zeit glaubte ich aus Erinnerung, vom Studium der Aufsuchkarten, die Orientierung zu finden, ohne Erfolg. Der Zwischenfall mit der Montierung und meine Blödheit (eigentlich zweimal meine Blödheit) hat viel Zeit gekostet. Mit der Karte in der Hand konnte ich mich dann aber doch recht sicher und in nicht allzulanger Zeit hin arbeiten, wo der GJJC1 sich "versteckt". Ich muss sagen, eigentlich lässt sich M22 mit dem 6" Refraktor recht gut auflösen, man muss zwar alles indirekt "zusammenklauben", aber es ist halbwegs kommod sich an die Stelle heranzuarbeiten. Das war nicht das große Problem.

   

Hier die GJJC1 Aufsuchkarten von www.blackskies.org
Im linken Bild ist als Einstiegspunkt der "Ref Star FC1" verzeichnet, zum "Star V8" muss man hin, um in der unmittelbaren Nähe des GJJC1 zu sein. Das rechte Bild zeigt die Position des GJJC1 relativ zum "V8" Stern.

So, ich zeige hier mal anhand der von mir verwendeten Aufsuchkarte, wie ich zu der Stelle hin gefunden habe. Meine Aufsuchkarte ist einem DSLR Amateurbild entlehnt. Leider finde ich das Original im Web nicht mehr, ich habe es auch nicht gespeichert, sonder nur als Aufsuchkarte ausgedruckt. Keine Ahnung wer diesen M22 mit welchem Teleskop abgelichtet hat... Ich arbeite daher mit einem Scan meiner Aufsuchkarte. Auf dieser war der Kugelhaufen aber "aufgeblasen" gedruckt, damit man mit schwachem Rotlicht auch noch was sehen kann.

Alsdann, gehen wir es an. Wer die Himmelsrichtungen im Okular kennt, kann ja schon mal an der Westseite von M22 anfangen. Da gilt es die richtigen zwei Sterne zu lokalisieren. Der westliche der beiden Sterne ist der oben in der Karte als "Ref FC1" Stern bezeichnet. Als Absicherung, dass es die richtigen zwei sind, führen diese zu einem auffälligen Sternmuster.

Diese zwei Stene (rechte Ellipse) und das Sternmuster zu dem sie zeigen, ich sage "Mini-Orion" dazu (große Ellipse), muss man finden

Dieses nun gefundene Sternmuster dient gleich als weiterer Wegweisen. Wo die beiden vorhin erwähnten Sterne hinzeigen, dieses Pärchen nimmt man, folgt der Richtung nach Südost, kommt zu einem weiteren Pärchen in gleicher Orientierung. Das ergibt eine schöne Linie.

Von diesem Stern Pärchen oben in der Linie weiter zu dem unteren Pärchen, das fast in der gleichen Orientierung liegt

Nun muss man einen kleinen Schritt nach Nordost zurück und geht in einem rechten Winkel nach Nordost, findet wieder zwei Sterne, die eine Linie bilden, der östlichere der beiden ist bereits der "V8" Stern.

Ein kleines Stück zurück und im rechten Winkel abbiegen. Dann landet man direkt beim "V8" Stern

So, da wären wir nun in unmittelbarer Nähe. Beim "V8" Stern. Jetzt gilt es, sich den GJJC1 zu "holen". Als Vorübung und zur Orientierung habe ich allerdings mal dieses Pärchen nahe beim "V8" Stern erspäht. Das war gar nicht so schwierig. Also, dann wird das andere Pärchen doch auch kein großes Problem sein, oder?

Dieses Pärchen beim "V8" Stern war bald geknackt

Nun, das östlich davon stehende Pärchen, fast gleich in Helligkeit und Orientierung wär's, der südliche Punkt davon ist der GJJC1. Für mein Auge war das aber ein bissl im Nirgendwo, nichts wo ich mich als Referenz "anhalten" könnte. Einfach schon zu weit weg vom "V8" Stern. Ich habe wohl einige Zeit versucht, so in der Gegend "herumzufischen", erfolglos. Man hätte ja meinen sollen, dass das östlichere Pärchen nicht schwieriger wäre als das westliche Pärchen. Nichts, da kommt nichts. Nein, so wird das nichts. Wertvolle Zeit ist schon verronnen. M22 geht längst immer tiefer runter...

Ich betrachtete meine Aufsuchkarte nochmal genauer, und kam dann auf einen anderen Stern, der nordöstlich von dem "begehrten" Pärchen steht, und näher, dass man den als Referenz nehmen kann. Also nochmal dran, neuer Versuch.

Der neue Referenz Stern, um auf den GJJC1 zu gehen

Wieder nichts, in mehreren Versuchen, immer war ich minutenlang am Okular. Auch mit UHC Filter habe ich experimentiert. Nichts. Lang, lang, nichts. Ich nahm nochmal einen kräftigen Schluck aus meiner Wasserflasche, blickte durch den Sucher: ui, der M22 steht jetzt schon arg tief. Die Handsteuerung der Montierung zeigte eine Höhe von 11° über dem Horizont. Na ob das noch was wird heute? Aber gut, einmal geht noch. Noch einmal drauf, ohne UHC Filter. Ich klemmte mich wieder ans Okular, es braucht ja sowieso bei dem dunklen Feld, immerhin bei 320-facher Vergrößerung, bis sich das Auge adaptiert, dass man für schwache Lichtreize bereit ist. Wiederum minutenlang nichts. Ich war geistig schon quasi am Abschalten, und in dem Moment entspannte sich wohl der Krampf, das Auge geht in den "Narrenkastlblick" Zustand über. Da poppt auf einmal ein Sternpärchen auf, zwei bleiche dickliche Scheibchen, beileibe keine stellare Empfindung. Ich ließ es einfach passieren. Nach knapp einer Sekunde verblasste dieses Bild wieder. Eine minimale Augenbewegung reicht ja. Ich stand auf, schüttelte mich wie ein nasser Hund. Was war das? Ein Griff zu meiner Aufsuchkarte: ich checkte nochmal die Position. Ja, Orientierung und Distanz passt, das war dieses Pärchen! Und der südlichere Bemmel ist irgendwie dicker erschienen! Kann das der GJJC1 gewesen sein? Egal wie, in diesem Augenblick kam mir ein Schrei, ein "Urschrei" aus, den die unten in Altenmarkt wohl noch gehört haben müssen...

Dieses Pärchen war's!

Und da, wo der Pfeil hin zeigt, ist GJJC1, fast da.

Genau genommen pickt GJJC1 knapp südlich an dem südlichen Stern des Pörchens dran. Für Amateurteleskope aber auch nur ein stellares Objekt
Anm: Dies ist eine weitere Aufsuchkarte von www.blackskies.org. Der Mittelpunkt der Ellipse ist kein realer Stern. Schauen wir uns das noch genauer an...

Hier ein OIII Bild von dieser Gegend in M22. Man sieht eine stellare Komponente des Nebels, die gut auf OIII anspricht, die heller ist als der südliche Stern des Pärchens. Der Nebel selbst kommt hier fast nicht zur Geltung. Quelle: Planetary Nebula Sampler

Dieses Bild zeigt dieselbe Gegend, nur ist hier vom OIII Bild ein "normales" Bild abgezogen worden, dadurch sind die Sterne "schwarze Löcher". Nun konnte der Nebel des GJJC1 deutlicher herausgearbeitet werden, aber es gibt da eine stellare Komponente, die auf OIII anspricht. Und das wird es wohl sein, was man mit normalen Amateurteleskopen sehen kann.
Quelle: Planetary Nebula Sampler

Wie auch immer, allein wenn ich nur den Stern gesichtet hätte, war das schon ein Hammer, die Beugungsscheibchen der Sterne waren ja vom Seeing zu dickeren Knödeln "zerrührt". Die Beobachtung eines Sterns entspricht daher sowieso einem flächigen Objekt. Nehmen wir 1 mag Verlust durch die Extinktion an, vielleicht war es sogar mehr, dann käme ich umgerechnet auf Zenitraum Sterne knapp jenseits von 16 mag raus. Das mit einem Sechszöller? Ist der Kerl jetzt ganz übergeschnappt oder was? Naja, genau genommen bin ich nun mit dem Sechszöller erst so weit wie ich den langen 102/1100 Achromaten schon in den Wahnsinn getrieben kabe. Und da geht noch was, da müsst noch was gehen, aber die Luft wird immer dünner. Ich bewege mich von der Wahrscheinlichkeit her schon unter 5%, dass man so etwas überhaupt sehen kann.

Nochmal, langsam, zum Mitschreiben: Für so eine Extrembeobachtung muss schon alles zusammenpassen. Ich hatte das Glück einer trockenen Nacht, es hat wochenlang nichts geregnet, da war keine Feuchtigkeit in der Luft. Nur so war es mir möglich, dass ich den von der Kulmination dem Untergang zustrebenden M22 noch so "zerlegen" konnte. Dort unten ist der Himmel für Weinviertler Verhältnisse auch relativ dunkel, das ist auch schon deutlich westlich der Wiener Lichtglocke, die kann dort nicht mehr stören. Die Optik muss passen, ich muss als Beobachter auch meine Teil leisten, und ganz klar braucht's auch Glück dazu. Das hat dieses mal lange, sehr lange auf sich warten lassen, und es war fast schon ein magischer Moment. Garantie auf diesen berühmten Moment gibt es keine. Die Beobachtung ist am letzten Drücker gelungen, knapp bevor ich aufgegeben hätte.

Was ich da wollte, war schon ziemlich verrückt. Man frage auch nicht, wie ich am nächsten Morgen ausgesehen habe. Tiefe Ringe um die Augen, als wenn ich die ganze Nacht durchgezecht hätte. Die Frage nach der Himmelsqualität in dieser Nacht kann ich leider nicht beantworten. Es muss schon eine der Ausnahmenächte gewesen sein, die es im heurigen Spätsommer gab. Ich war aber so fokussiert auf meine Beobachtung, dass die ganze Welt rundherum versunken ist. Einzig diese Gelse hat mich manchmal wieder an mein irdisches Dasein erinnert. Die Beobachtung selbst, das war für die Verhältnisse schon am Anschlag. Und es ist klar, dass sich so eine Beobachtung nicht nach Belieben wiederholen lässt. Da muss schon wirklich alles zusammenpassen. Auch das mit den Gelsen. Der "Narrenkastlblick", übrigens, hat nicht zum ersten mal zum Erfolg geführt. Manchmal ist man einfach zu verkrampft, kaum lässt man los, entspannt sich das Auge, und just dann "klingelt" es.

Die Frage, die zu stellen ist: War es jetzt nur der Stern oder war da doch der GJJC1, diese stellare Komponente, mit dabei? Das "dickere Bemmerl" in dem Sternpärchen lässt mich gedanklich nicht los. Das muss ich mir freilich noch genauer anschauen. Ganz klar, mit diesem Objekt bin ich noch nicht fertig. Ich war knapp dran, vielleicht sogar "dabei", aber der endgültige Schritt zur sicheren Bestätigung wird nochmals hart, das steht fest.

Den Versuch einer Nachbeobachtung hätte es am 5. September gegeben, wo ich die Ebenwaldhöhe als Beobachtungsort auserkoren habe. Bei der Ankunft ein paar Restwolken, sieht so aus, das wird sich bald auflösen. Nein, im Gegenteil, in der Abendthermik bildeten sich weitere Wolken, es wurden immer mehr statt weniger. Bald war der Himmel ziemlich bedeckt, und im Südosten dräute eine massive Wolkenbank, die immer höher stieg. Die Montierung war zwar schon aufgestellt und nivelliert, aber auch schnell wieder verladen. Ich verließ den Ort des Grauens, und war schon drauf und dran, wieder ins Weinviertel zurück zu fahren, wenigstens für eine normale Beobachtungsnacht. Aber mein erstes Ziel war mal der Hegerberg. Dort hin bin ich schon etliche Male ausgewichen, wenn auf der Ebenwaldhöhe Wolken waren. Auch dieses mal war es so, der Hegerberg war die beste Alternative in dieser Gegend. In der Nachbetrachtung, gemessen am IR Satbild, sogar das Beste was ich überhaupt machen hätte können. Tief im Süden sah man zwar noch diese Wolken, aber der Himmel über mir war wenigstens ok.

Egal wie, nach Aufbau des 6" Refraktors drauf auf M22. Einen Versuch ist es wert. Ich saß da, raufte mit meiner Aufsuchkarte im lebhaften Nordwind, hatte aber bald den richtigen Zipfel gefunden, wo ich an M22 anpacken müsste. Mich wunderte nur, dass die Sterne immer schwächer wurden. Wolken? Nein, das Teleskop visierte just einen nahe stehenden A-Mast an, exakt oben beim Querholz. Maximale Obstruktion. Da war es bald wirklich finster im Okular. Ich musste warten, bis M22 den Masten passiert hatte. Dann nahm ich die Spur wieder auf. Das Bild erschien nun wieder ok, doch nach ein paar Minuten war neuerlich nichts mehr zu sehen. Die Wolken im Süden stiegen höher. Aus.

Egal wie, die Nacht am Hegerberg habe ich noch für die Pease 1 Nachbeobachtung genützt, siehe weiter unten. Ich wäre wirklich etwas verhärmt gewesen, wenn die lange Autofahrt komplett für die Katz' gewesen wäre. Ein Teleskop stundenlang im Auto durch die Gegend kutschieren, ohne Beobachtungsmöglichkeit, gehört für mich zu den sinnlosesten Tätigkeiten überhaupt.

Mein Beobachtungsplatz am Hegerberg. Das Teleskop stand in dem Wegansatz neben der Straße. Ja, dort liegen wirklich Silage Ballen.
Der Schatten des A-Mastes ist deutlich erkennbar.

Unverhofft ergab sich eine weitere Beobachtungsgelegenheit. Eigentlich war der Abend schon reserviert, aber nach einer Absage hatte ich am 7. September eine klare Nacht vor mir, die ich noch nützen wollte. Ich hatte keine Lust auf eine lange Autofahrt, wollte dennoch den bestmöglichen Himmel, also führte mich mein Weg nach Altenmarkt i. T. Es war neuerlich eine Traumnacht, wie es im Weinviertel kaum besser geht. Dieses mal habe ich die Himmelsqualität gemessen. Sage und schreibe 21,25 mag/arcsec2 im Zenitraum! Trocken, leicht windig, tolle Milchstraße, bis tief runter in den Süden sichtbar, und sogar gelsenfreie Luft. Es wurde rasch kühler, ich griff bald zu einer wärmeren Weste. Ich hatte dieses mal ein Meade ACF 8" f/10 SC Teleskop dabei. Einfach so, mal gucken. Ich hatte keinen Erfolgsdruck für irgendwas, aber lassen konnte ich es auch nicht, M22 ins Visier zu nehmen. Nun ja, ein Achtzöller ist ein Achtzöller, deutlich mehr Licht als im 6" Refraktor. Die Orientierung hatte ich bei 200x schnell, und binnen einer halben Minute war ich beim "V8" Stern.

Nun steigerte ich die Vergrößerung auf 333x. Fokussieren war schwierig, die Sterne waren dicke, weiche Patzen. Naja, ein typisches λ/4 SC halt, kämpft mit der fallenden Temperatur, und so tief unten war das Seeing auch nicht grad berauschend gut, wie ich bei Testbeobachtungen an anderen Objekten gesehen habe. Da waren die Sterne bei niedriger Vergrößerung schon merklich dicker als im Zenitraum. Das Fokussieren war sehr mühsam. Einerlei, ich habe mich dran geklemmt, um den GJJC1 vielleicht zu erwischen. Immer wieder hat da was aufgeblitzt. Die ganze Umgebung meines speziellen Referenzsternes habe ich dabei kennengelernt ;-) Ich wartete halt auf den berühmten Moment, der sich einstellt oder auch nicht. Vielleicht nach 20 Minuten, wo ich immer wieder probiert habe, mit Pausen dazwischen, ca. um 21:30 Uhr MESZ war es soweit: das Sternpärchen poppte auf! M22 stand zu dieser Zeit noch 16° hoch. Ich muss aber dazu sagen, im 6" Refrakor war die Definition der Sterne besser, obwohl auch dicklich durch das Seeing. Was zu sehen war: im 8" SC, waren zwei gleich dicke Tupfen, sehr weich. Da war kein Unterschied dran. Also GJJC1? Wohl nicht.

Altenmarkt: Das Meade 8" ACF SC hat bereits M22 im Visier. Wir warten auf die Dunkelheit der Nacht

Was bei weiteren Versuchen, den GJJC1 zu erwischen, zu tun ist: den südlichen Stern des Pärchens noch genauer ins Visier nehmen, entweder "auflösen" wird wohl nicht drin sein, wenigstens länglich sehen, und es müsste dort ein Ansprechen auf Nebelfilter zu erhaschen sein, dass man ganz sicher von einer erfolgreichen Sichtung sprechen kann. Mit 6" Öffnung wird das eng. Vielleicht klappts mit einem guten Achtzöller in einer solchen Ausnahmenacht.

Pease 1 Beobachtung (5. September, Hegergberg / 7. September, Altenmarkt i.T.)

Die ersten Erfahrungen bei der Suche nach Pease 1 und erfolgreiche Beobachtungen des Objekts habe ich ja schon hinter mir. Vor einigen Jahren gelang mir die Sichtung in zwei verschiedenen Nächten mit meinem 8" f/6 Maksutov-Newton, und ich konnte auch eine Beobachtung mit meinem 18" Dob durchführen. Also so neu ist das alles nicht für mich.

Was erwartet einen visuellen Beobachter? Ein stellares Objekt von 15,5 mag, das aber gut auf Nebelfilter anspricht. Die Suche ist einfach, wenn man weiß wo man hin muss, dann hat man die Position eigentlich zack-zack. Ich zeige mal wie ich da hin komme.

Der Weg vom Trapez zum "Lichtzapfen", an dessen äußeren Ende Pease 1 sitzt (Extrapfeil)

Zuerst muss man dieses rechts eingekreiste Trapez lokalisieren. Es ist schon im dichteren Sterngewurle versteckt. Man folge der einen kurzen Seite des Trapezes. Es gibt ein paar hellere Sterne, die auf dieser Linie liegen, somit ist diese Richtung nicht allzu schwer zu finden. Dann biegt man im etwas spitzeren als 90° Winkel ab Richtung Kern, und schon hat man den "Lichtzapfen" lokalisiert, der da aus dem Kern herausragt.

Anmerkung: So schön aufgelöst wie hier abgebildet schaut das im Sechszöller, auch im Achtzöller, nicht aus. Aufsuchkarten haben den Zweck, dass man mit schwachem Rotlicht auch noch was sieht. Deswegen drucke ich sie vergrößert aus. Auch hier handelt es sich um einen Scan meiner Aufsuchkarte.

Mit der obigen Bildbeschreibung sollte man schon zurecht kommen. Nachfolgend nochmal der Kugelhaufen M15, aber nun ohne meinem Gekrakel, mit nur einem Pfeil, der die Position des Objekts Pease 1 markiert.

Hier nochmal deutlich: der Pfeil zeigt die Position von Pease 1

Zurück zu der Nacht vom 5. September am Hegerberg. Das Seeing war gut, nur war es leider mehr windig als mit lieb war. Die Milchstraße war prächtig zu sehen, es war ein 6,2 mag Himmel (SQML Wert 21,20 mag/arcsec2). M13, M31 sowieso, sogar M33 waren freischtig locker ausnehmbar. Also ein durchaus feiner Himmel. Der Wind war wirklich lästig, erst aus Nord, später auf Ost drehend. Dafür war es realtiv mild, deutlich wärmer als es auf der Ebenwaldhöhe, und auch wichtig: es blieb trocken, keine Tauprobleme.

Aus meiner Laune heraus, wo ich am 5. August mit dem 6" Bresser Refraktor den Pease 1 angespitzt habe, hatte ich ja noch eine Rechnung offen. Das wollte ich genauer sehen. Also los, drauf mit Hurra. Wiederum erschien 320x als die ideale Vergrößerung. Vorerst ohne Filter. Zur Orientierung. Dann wollte ich sehen, ob sich da was auflösen lässt, an diesem "Zapfen". 400x war schon besser, aber noch nicht genug. Also Vollgas, 600x. Jetzt konnte ich zumindest diesen Zapfen in zwei Sterngruppen auflösen. Das war schon mehr nach meinem Geschmack. Mit UHC Filter musste ich aber wieder auf 320x runter, um den Zapfen noch zu erhaschen. Also da ist beim Sechszöller wirklich schon wenig Licht vorhanden. Der Wind war sicher nicht zuträglich, rüttelte immer wieder mehr oder weniger heftig am Teleskop, und bei dem Gewackel geht dann gar nichts. Eine Stunde ist schnell um bei diesen Spielereien. Um ganz sicher zu gehen konsultierte ich auch meine Aufsuchkarte immer wieder, ein Geraufe mit dem Zettel im Wind...

Dann noch "Pieps", die Montierung hat die Meridianlage erreicht. Umschwenken, und neu anfangen, wieder die richtige Orientierung suchen. Mittlerweile hatte der Wind auf Ost gedreht, das Teleskop stand nun ziemlich im Windschatten des Autos, die Heckklappe war offen. Ich saß nun mit dem Rücken zum Wind und damit konnte mir der Wind auch nicht mehr blöd ins Auge fahren. Gedeihlichere Bedinungen. Ich tastet mich wieder bei 320x mit UHC Filter heran, konnte insgesamt 6x am Ende des "Zapfens" ein stellares Objekt aufblinken sehen. Letztlich versuchte ich doch noch bei 400x mit UHC Filter, und das ist gerade noch im Bereich des Möglichen gewesen. Nach einigem Herumschielen konnte ich den Pease 1 erwischen, deutlicher, ein paar Mal, und dann kam noch der berühmte Moment, wo der Blick goldrichtig landet. Da war der Lichtzapfen, und leicht asymmetrisch am Ende sitzend, stach Pease 1 heraus. Also jetzt glaub ich es auch. Das war perfekt für einen Sechzöller!

Der 6" Bresser Refraktor am Hegerberg. Hier schaut sich das Teleskop gerade M57 an ;-)

Natürlich habe ich in der besagten Nacht am 7. September bei Altenmarkt i. T. auch Pease 1 im 8" Meade SC probiert. Ja freilich hab ich ihn geschafft, aber mit UHC Filter war nur bei 200x was möglich. Bei höherer Vergrößerung - hm, ja, solang der M15 östlich des Meridians stand, ja, da bin ich sogar ohne Filter bis 666x drauf geknallt, und habe nicht nur den Lichtzapfen in die zwei Sterngruppen auflösen können, Pease 1 war sogar indirekt da, er steht ein bissl asymmetrisch zur "Achse" des Lichtzapfens, der ja in zwei Sterngruppen auflösbar war.

Nach dem erforderlichen Umschlagen des Teleskops auf die Ostseite, M15 hatte den Meridian überschritten, war Schluss mit der Tollerei. Der Optik war keine Definition mehr zu entlocken. Mit hoher Vergrößerung war nichts mehr zu wollen. Ich breite lieber den Mantel des Schweigens über diese Sache. Fällt unter Pleiten, Pech und Pannen. Mir grauste regelrecht ob dieser Abbildung, ich packte meine Siebensachen zusammen und rauschte ab.

Schlusswort: Für heuer lasse ich diesen beiden Objekten, den Pease 1 und GJJC1, in Ruhe. Ich hab ja auch andere Sachen zu tun. Ob das Wetter nächstes Jahr passt, dass ich wieder dran herumkletzeln kann, steht sowieso in den Sternen. Solche Ausnahmenächte, in denen ich vom Weinviertel aus derartig schwierige Objekte mit wenig Öffnung (kleines Teleskop ist ja speziell bei dem Prügel von Bresser Refraktor nicht wirklich angebracht) knacken kann, sind manchmal, wie heuer, fast zu Hauf zu haben, aber es kann sein, dass es in den nächsten 10 Jahren keine solche Nacht mehr gibt...

Howdii


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