Beobachtungen mit dem Bresser AR 152L/1200 Refraktor

Bericht vom 2. 8. 2013 (Steyersberger Schwaig) und 5. 8. 2013 (Altenmarkt i. T.)

Nach den ersten Testbeobachtungen fand ich Gefallen an der Optik des "langen" Bresser Sechszoll Achromaten, und wollte damit unter gutem Himmel die Leistungsfähigkeit der Optik sehen. Die Erste Ausfahrt nach dem "First Light" führte mich am 2. August 2013 auf die Steyersberger Schwaig. Es war ein heißer Tag mit 33 "Krügel" im Schatten. Da ich schon deutlich vor Sonnenaufgang von daheim aufbrach, war im Auto die Klimaanlage natürlich in Betrieb. Im Weinviertel gab es den ganzen Tag über strahlend blauen Himmel. Jedoch auf der Fahrt sah ich vor mir im Süden eine dünnen Dunstschleier, mit einer scharfen Kante nach Norden zu. Ich dachte mir nur, nu, was soll das? Bin ich da am falschen Dampfer? Wäre es nicht besser hier im Weinviertel zu bleiben? Beim Näherkommen sah es so aus, als ob die Spitzen der weniger hohen Berge, oder besser "Hügel", schon aus dieser Dunstschicht herausragen würden. Was das war, keine Ahnung. Die Sat Bilder haben nichts gezeigt, vor meiner Abfahrt habe ich extra noch alle möglichen Quellen im Internet konsultiert. Fakt war, es gab im Steinfeld etliche Waldbrände tu dieser Zeit, und das könnte unter Umständen eine Erklärung sein. Ich hoffte auf der Schwaig über diesem Dunst zu stehen, somit fuhr ich weiter. Bei der Auffahrt auf die Schwaig wurde es sukzessive kühler. Oben traf ich leichten Wind an, die Temperatur lag knapp unter 20° C. Richtig angenehm.

Die Schwaig ist mir als Ort mit manchmal lästigem Wind bekannt. Daher wählte ich meinen Standplatz auf dem Absatz über dem Parkplatz, dicht am Wald. Hier war es auszuhalten, nur fallweise war eine leichte Böe spürbar. Im Laufe der Nacht sollte der Wind sogar nachlassen. Noch in der helleren Dämmerung wurde der Refraktor aufgebaut, bis es dunkel genug war, dass man die ersten Blicke durch das Teleskop werfen konnte, war schon mehr als eine halbe Stunde vergangen. Die Fahrt im klimatisierten Auto und diese Zeit bis zum Beobachtungsbeginn war offenbar voll ausreichend zum Austemperieren, die Optik zeigte von Anfang feine Sterne. M13 war das erste Beobachtungsobjekt, eh schon so gut wie bei mir daheim, obwohl es noch nicht wirklich dunkel war.

Der Bresser 152/1200 Refraktor, anlässlich meiner Beobachtung auf der Steyersberger Schwaig. Als Montierung diente die iOptron ieq45.

Nach und nach wurde es dann wirklich Nacht, und da zeigte sich auch die Auswirkung dieses Dunstfeldes, was ich bei der Anfahrt gesehen hatte. Von Osten her war der Himmel ungewöhnlich hell, das reichte schon bis gegen den Zenitbereich. Also normal ist die Himmelsaufhellung von Osten her nicht so arg. Jenseits des Meridians war der Himmel dann ok, so wie ich es kenne und erwartet hätte. Wie sich die Milchstraße da rüber gedreht hat, war sie reich strukturiert zu sehen. Aber auch der Südhorizont war ein wenig heller als normal, dadurch verlor die Milchstraße gegen den Landschaftshorizont zu an Kontrast. Sicher nicht die beste Nacht, die ich je auf der Schwaig erlebt habe, aber das Seeing war gut, und es blieb trocken, keine Tau Probleme. Meine SQML Messung im Zenitraum, leicht westlich der Milchstraße ergab 21,25 mag/arcsec2, was etwa 6,2 mag entspricht, und auch mit dem visuellen Eindruck so passt.

Beobachtungen vom 2. August:

M8: Bei 45x, UHC Filter, war der Lagunennebel respektabel zu sehen. Allerdings tief am Landschaftshorizont, die Nadelbäume verstellten teilweise schon die Sicht.

M20: Bei 80x mit UHC Filter war die Dreiteilung deutlich zu sehen, ohne Filter schwieriger, aber doch, dafür kam nun ein Hauch des Reflexionsnebels hervor.

Die nächsten Objekte waren die offenen Sternhaufen M21, M25 und M18, die Kugelhaufen M28 und M22. Speziell M28 bot einen kuriosen Anblick, genau zwischen den Spitzen zweier Nadelbäume. Wenn die Bäume aber so kontrastreich gegen den Himmel abgebildet werden, dann ist klarerweise der Horizont doch recht aufgehellt. Dadurch litten sicher auch die Beobachtungen von M8 und M20. M22 ist noch eine Bemerkung wert, dieser Kugelhaufen war bei 80x schön aufgelöst zu sehen.

Weiter oben, bei M16 (Adler Nebel) war der Nebel (mit UHC) in seiner Form gut sichtbar, bei 80x aber auch irgend etwas Dunkles drin, mehr Details konnte ich nicht erkennen. Der Nebel war auch ohne Nebelfilter noch relativ gut erkennbar. Aber sicher, das habe ich mit 5,7" Öffnung besser in Erinnerung. Die Himmelsqualität macht einfach viel aus.

M17 (Omega Nebula) war recht respektabel zu sehen (80x mit UHC), aber auch hier kann ich mich an bessere Sichtungen erinnern.

M71 war sehr schön sichtbar, hier war die Himmelsqualität schon ok. Bei 80x wirklich ein nettes Objekt.

M27, der Hantelnebel, war einfach toll. Bei 55x schon die Ohren, ohne Filter. Bei 80x blinzelte der Zentralstern als feine Spitze hervor. Mit OIII Filter bei 120x war der Himmel im Okular dann pechschwarz, man musste schon einige Zeit am Okular weiter dunkeladaptieren, um in den vollen Genuss zu kommen.

Insgesamt gleicht die Beschreibung sowohl von den Objekten her als auch von der Himmelsqualitä fast der meiner Beobachtung im September des Vorjahres, damals mit dem Tele Optik Nerius, ebenfalls ein Sechzoll Refraktor (152/900), auf der Ebenwaldhöhe. Nur dass der südliche Himmelsteil heute vielleicht einen Deut besser war als damals. Die Schwaig liegt auch gut 300 Meter höher als die Ebenwaldhöhe.

NGC 6905, als "Blue Flash Nebula" bekannt, war bei 80x fein zu sehen. Nebelfilter bringt bei diesem Planetarischen Nebel nicht viel.

NGC 6781, ebenfalls ein Planetarischer Nebel, war auch schön zu sehen, als ein einseitig offener Ring mit etwas aufgehelltem Zentrum.

Weiter ging es mit NGC 6888, dem "Crescent Nebel". Hier war natürlich der UHC Filter mehr als hilfreich. Bei 80x war die "C"-Form schön zu sehen, auch das "Stricherl", das das "C" zum "Є" macht, war zu erkennen. Gut, das hätte ich auch so erwartet. Da oben im Zenitraum war der Himmel schon ok.

M13 und M92 waren bei 160x prächtig, M13 kein Vergleich mit der ersten Sichtung in der späten Dämmerung. Das entlockt einem schon ein leichtes "Whoa!".

An M57 machte ich mir auch erst mit 160-facher Vergrößerung zu schaffen. In der Umgebung gibt es etliche photometrierte "Teststerne", an denen man sich ein bisschen "wetzen" kann. Bei 15,3 mag war ich bald. Etwas erstaunt war ich, als mir immer wieder ein 15,6 mag und ein 15,7 mag Stern entgegenblitzten. Fix, da muss doch der M57 Zentralstern drin sein! Ich versuchte es, viermal war es als wenn da was wäre, aber zu vage. Man kann sich leicht täuschen, gerade beim M57 Zentralstern gibt es so einen Effekt, dass man meinen könnte, man hat ihn gesehen, ist aber einem "Beobachtungs Artefakt" aufgesessen. Nachdem es nichts wurde mit der Sichtung, machte ich kurz Pause, um dem Auge etwas Erholung zu gönnen. Diese Zeit nutzte ich auch, um einen Schluck zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Und als ich mich wieder zum Teleskop begab, hatte ich das 6 mm Zeiss Abbe in der Hand. Fortan war ich also bei 200x unterwegs. Und ich "klemmte" mich wieder dran, um den Zentralstern zu erhaschen. Ein paar Minuten nichts, dann auf einmal: "Haaaah!" - sprach der akustische Detektor deutlich an... Also das war geil! Wie ausgestanzt ist der Ringnebel da gestanden, und drin das Beugungsscheibchen des Zentralsterns, ganz deutlich, und für etwas mehr als eine halbe Sekunde konnte ich dieses Bild halten! Erstens ist die Sichtung des M57 Zentralsterns in einem Sechszöller sowieso schon rekordverdächtig, zweitens war es irgendwie meine schönste Sichtung. Ich war schwer beeindruckt.

Der Cirrus Nebel (NCG 6960, NGC 6992/95) war bei 45x bzw. 60x mit dem UHC Filter einen Pracht! Sowohl der Hexenbesen (Witch's Broom Nebula), als auch der östlich davon gelegene Bogen, die "Knochenhand" waren großartig. Freilich war auch "Pickering's Triangular Wisp" kein Problem. Also unter gutem Himmel ist dieser Sechszöller schon eine Wucht im Deepsky Bereich!

Dass nach so einem Höhepunkt irgendwie die Luft draußen ist, sollte klar sein. Als "Abspann" nahm noch ein paar Objekte im östlichen Zenitraum "mit", M31 mit den beiden Begleitern M32 und M110, M33 (nicht schlecht aber auch schon besser gesehen), und als Schlusspunkt noch den Doppelhaufen, h und Χ im Perseus.

Beobachtungen vom 5. August:

Diese Nacht zog es mich nicht so weit, ich wollte aber den besten Himmel in annehmbarer Entfernung, deswegen fuhr ich auf die "Lehmg'stett'n" oberhalb von Altenmarkt i. T. Es war wieder ein heißer Sommertag. Auch der frühe Abend war noch sehr schwül, es wurde erst später in der Nacht angenehmer. Zum Glück gab es eine leichte Brise, die unter diesen Umständen sogar angenehm war. Erst relativ spät griff ich zur Weste, speziell als der Wind, der vorübergehend eingeschlafen war, wieder merklich auffrischte. Gelsen schwirrten nur direkt beim Auto herum, im Windschatten der geöffneten Heckklappe war es offenbar interessant. Und nur dort wurde ich belästigt, wenn ich Okularkoffer kramte. Beim Teleskop im Wind war offenbar und zu meinem Glück "Flugverbot" für die Blutsauger. Die Himmelsqualität konnte ich mit dem SQML zu 20,20 mag/arcsec2 bestimmen, kein schlechter Wert für diesen Beobachtungsort. Zu späterer Stunde wurde der Himmel stumpfer. Es war aber nicht feucht. Später, nach meiner Heimkehr habe ich nochmals das IR Satbild konsultiert, und da waren dünne Schleier zu sehen, die drüber gezogen sind. Astronomie ist halt ein Freiluftsport, und man muss nehmen was man "serviert" bekommt.

Anfang August wartet man auch noch ziemlich lange, bis die Dämmerung der Nacht weicht. Irgendwie versucht man die Wartezeit zu überbrücken. Ich begann tief am Südhimmel, hier war es schon halbwegs dunkel. Mein Streifzug führte mich zu M6, M7, M4, M80, M10, M12, M14, M27 und NGC 6781.

Mittlerweile war es so dunkel geworden, wie es hierzulande im Weinviertel nur dunkel werden kann. Schon ein Unterschied zur Schwaig... Damit konnte ich mich ernsthaften Beobachtungen widmen. Ich wollte sehen, was der Bresser 152/1200 im hohen Vergrößerungsbereich leistet. Deshalb habe ich mir just diese kleinen, fast stellaren Planetarische Nebel aufs Programm gesetzt, die ich im September vorigen Jahres mit dem Tele Optik Nerius beobachtet hatte. Ich hatte noch meine alten Aufsuchkarten dabei, da ich aus Erfahrung wusste, dass es sich ohnehin um recht helle Objekte handelt, ging ich dieses Mal einfach mittels Blinken mit dem UHC Filter auf die Suche, und wurde so auch sehr schnell fündig.

NGC 6741 (Phantom Streak Nebula) war bei hoher Vergrößerung (300x) deutlich länglich und somit flächig zu sehen. An einer Kante dieses Nebelstreifens hat irgendwas "stellar" aufgeblinkt. Es ist dies aber nur ein hellerer Knoten im Nebel, kein Stern.

Auch NGC 6790 und NGC 6879 konnte ich bei 300x flächig sehen, als winzige Scheibchen, die sich sehr wohl von den sauber definierten Stern-Beugungsscheibchen unterschieden.

Einzig IC 4997 blieb stellar. Da war einfach nichts anderes rauszuholen. Dafür braucht es schon andere Teleskope, z.B. das HST. Dann gibt dieser Nebel doch noch seine Form preis.

Fazit: Der Bresser 152/1200 hat sich mehr als tapfer geschlagen. Auch im hohen Vergrößerungsbereich liefert dieser Refraktor eine saubere Abbildung, was es mir ermöglichte, an Sachen näher heranzukommen, mehr zu sehen, als vor etwa einem Jahr mit dem Tele Optik Nerius. Das mag schon mal an der längeren Brennweite liegen, es ist sicher ein Unterschied, ob mein 4 mm Zeiss Abbe 225x oder 300x erzielt. Generell finde ich 1200 mm Brennweite angenehm für die Beobachtung. Die Okulare liefern damit eine höhere Vergrößerung als bei 900 mm, was dem Sehen meist förderlich ist. Freilich muss das Seeing auch mitspielen, wenn man so an der Grenze zum Beugungsscheibchen herumkletzelt. Aber da blieb der Nerius selbst bei gutem Seeing ein bissl diffus, der Bresser hat sich hier keine Blöße gegeben. Das was ich gesehen habe bei diesen beiden Beobachtungen, ist wirklich eine tolle Performance, für den Preis sensationell! Farbfehler hin oder her, der kann einem auch bei der Deepsky Beobachtung mal in die Quere kommen, ich habe bei meinen Objekten nie irgendwas davon gesehen. Jedes Fernrohr hat seinen Himmel, und was für einen Himmel dieser Refraktor hat!

Howdii


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