Kometennotiz C/2013 R1 Lovejoy (27. 11. 2013, Mistelbach)

Wolkenprognosen hatten eine klare Nacht angekündigt. Es war eine "Kometensession" geplant, mit Beobachtung und Fotografie. Ja, der Komet C/2012 S1 ISON ist momentan "weg", zu nahe bei der Sonne für eine Beobachtung, aber den "Lovejoy" wollte ich kriegen. Tagsüber, am 26. November, war bei Schneeflockentanz nicht an klaren Himmel zu denken. Gegen Mitternacht bekam die Hochnebeldecke da und dort Risse. Während ich mit "Canis Major" auf "Nachtstreife" ging, war der Himmel auf einmal fast klar, bis ich wieder heim kam, hatte sich die Nebeldecke bis auf ein paar kleine Risse und Lücken allerdings wieder geschlossen. Das Satellitenbild versprach auch keine wesentliche Besserung. Dennoch, der Wecker war einmal auf 4 Uhr programmiert.

Ich war sofort wach, und durch die Jalousie blinzelte es hell herein - ah, der Mond ist zu sehen! Blick aus dem Fenster, nun ja, Sirius schaut hell aus, es dürfte klar sein. Schnell den Computer in Betrieb genommen: Na, so rosig schaut's nicht aus. Wo soll man hin, es ist nur ein kleines Fleckerl frei, gerade hier, vielleicht auch südlich von Mistelbach, der Nebel kann jederzeit wieder dicht machen. Also krabbelte ich vorerst wieder ins Bett. Die Kometen ziehen auch ohne meinen "Beistand" ihre Bahnen. ;-)

Allein mit dem neuerlich Einschlafen wollte es nicht klappen. Daher kletterte ich um 5 Uhr nochmal aus dem Bett. Mond immer noch da? Ja. Na gut, mal rein in die Klamotten, Feldstecher geschnappt und raus vor die Haustür. Wirklich, klarer Himmel, unglaublich! Ich visierte mit dem 7x50 Glas die Deichsel des Großen Wagens entlang Richtung Arktur, und da war er auch schon, der Komet C/2130 R1 Lovejoy, ein deutlich auszunehmendes diffuses Fleckerl.

Jetzt muss doch schnell ein Fernrohr her. In der Garage steht fertig aufgebaut der Skywatcher 150/750 Refraktor. Also Tor auf, und das Trumm mit samt und sonders raus geschleppt . Zwischen Stiege, Gartenmäuerl und Auto ist ein bissl Platz für "Schmalspurastronomie", und mehr hatte ich nicht vor. Flugs war der Komet im 8x50 Sucher anvisiert, der erste Blick durch mein 22mm Panoptic Okular (V=34x): Aahhh! Nicht übel der Bursche! Auffallend war die deutlich grünlich, türkise Färbung. Ich hatte ja keine wirklich tolle Beobachtungsumgebung, straßenseitig, umzingelt von Straßenlaternen. Vor direktem Mondlicht war ich allerdings sicher, der Mond war von meinem Beobachtungsplatz aus gar nicht zu sehen.

Der Komet zeigte einen etwas dicklichen, nicht wirklich sternförmiger "Kern, eine rund erscheinende Koma und ein Schweifansatz, wo ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass da ein "Strahl" drin ist, eine deutliche Kontrastgrenze. Ich steigerte die Vergrößerung auf 75x. Die Koma erschien nun freilich größer, der Schweifansatz war noch zu erkennen. Die Farbe war "draußen", sprich, nun war die Helligkeit im Teleskop so weit gesunken, dass kein Farbsehen mehr getriggert wurde. Nochmal drauf mit 125x, jetzt war nur mehr die Koma zu sehen, und deutlich, dass der "Kern" in dickeres Bemmerl ist, aber dennoch recht gut definiert.

Mein Beobachtungsstand, etwas beengt, auch der Himmelsausschnitt zwischen Zierfichte und Hauswand/-dach.

Meine Skepsis bezüglich "Ausrücken" war durchaus berechtigt. Erstens hellte der abnehmende Sichelmond den Himmel noch genug auf, zweitens bildeten sich schon während meiner Beobachtung erneut Hochnebelfetzen und flugs war der Himmel fast wieder zu, im Handumdrehen auch gleich wieder klar, bis auf einige hartnäckigere Nebelflecken im Zenitraum. Mein Zielgebiet bliebt vorerst wie durch ein Wunder frei. Jedoch war dann auf einmal der Himmel wieder komplett frei, dafür so ein lästiger Nebelstreifen genau vor meinem Zielgebiet. Ich packet mal das Teleskop weg, hatte dann doch wieder freien Blick auf dieses Himmelsgebiet. Ich nahm noch einmal das 7x50 Glas in die Hand, um die Position des Kometen genauer abzuchecken, und mit dem freisichtigen Himmelsanblick zu vergleichen. Also wenn ich die Hand schützend vor die Augen hielt, um keine Blendung durch die hell von der Straßenlampe angestrahlte Hausmauer zu haben, konnte ich an der betreffenden Stelle schwach, aber doch, ein kleines Fleckerl entdecken. Der Komet C/2013 R1 Lovejoy ist durchaus einen Blick wert!

Nachträglich habe ich nochmals das Sat Bild angeschaut, und man hat gesehen, dass meine Skepsis sehr sehr berechtigt war. Da sind Gebiete erst klar geworden, und wupps, war der Nebel wieder drüber. So ist es halt im Spätherbst, vor allem in Gebieten die unter der Hochnebelgrenze liegen.

Howdii


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