Beobachtungsbericht vom 26. 8. 2016 (Ratten, Steiermark)

Nach meinen Beobachtungen mit dem Vixen VMC 260L war es an der Zeit, es an den Besitzer wieder zu retournieren. Dazu habe ich ihn an seinem steirischen Standort aufgesucht, und wir wollten auch gleich Deepsky beobachten damit. Geplant wäre diese Sache schon länger gewesen, doch das lokale Wetter dort hat uns davon abgehalten. Ein großräumiges Hoch hat uns nun Sicherheit vor Wolken beschert, jedoch gab es flachen Dunst über der Landschaft, das habe ich schon bei meiner Anreise bemerkt. Ich kam um etwa 18:45 Uhr an, die Bergkuppen waren noch in der Sonne, wir hatten aber sowieso viel zu schwätzen und ich wollte mal sehen, wo ich für die Beobachtung aufbauen sollte. Es geht um einen freien Blick auf den Polarstern zwecks Poljustierung.

Das Anwesen liegt zwar gut 40 Meter über der Feistritz, der Fluss ist aber nahe, man hört das Rauschen, und auf der Wiese neben der Feistritz hat sich letztlich flacher Nebel ausgebildet. Es war windstill, aber sehr feucht, sicher trägt die Nähe des Wassers was dazu bei.

Die Zeit vergeht, gerade wenn man so viel zu reden hat, und irgendwann war der Polarstern sichtbar. Aber nun fix, Poljustierung, Gegengewichte drauf, Teleskop drauf, natürlich den VMC, balancieren, Poljustierung nachstellen und das Stern Alignment. Es kann losgehen. Bis Mondaufgang waren ein paar Stunden Zeit, die wollten wir nützen, ich wollte vor allem dem Eigner des VMC einige nette Objekte zeigen.

Der Vixen VMC 260L wird für die Beobachtung vorbereitet, als Montierung ist die iOptron ieq45

Die Milchstraße überkopf kam langsam raus, und wurde immer deutlicher sichtbar, und war letztlich schön strukturiert zu sehen. Die Zenitqualität des Himmels war durchaus in Ordnung, und auch wenn es etwas dunstig war, so ist dort der Südhimmel immer noch viel dunkler es als hier im Weinviertel jemals sein kann.

Letztlich habe ich später in der Nacht zum SQM-L gegriffen, 21,45 mag/arcsec2 ist wirklich kein schlechter Wert, und deckte sich mit meinem Eindruck: gut und gern 6,2 mag, etwa so wie ich den Zenithimmel auch auf der Steyersberger Schwaig üblicherweise sehe.

In der zu Ende gehenden Dämmerung begannen wir mit M71 und M27. M71 zeigte bei 111x eine beachtliche Sternzahl. M27 war wunderschön, ohne Nebelfilter, mit Ohren, etlichen Sternen - inklusive Zentralstern - im Nebel, und auch erkennbaren Strukturen. Muss sagen, so habe ich M27 im VMC vorher nicht gesehen. Was ein besserer Himmel ausmacht...

NGC 6804 war schon etwas anspruchsvollere Kost. Bei 200x mit UHC Filter waren Strukturen zu sehen. Von meinen früheren Beobachtungen hatte ich da nur ein Scheibchen in Erinnerung.

NGC 7006 ist ein sehr anspruchsvoller Kugelsternhaufen, dennoch, dank der großen Öffnung konnten wir ihn relativ gut auflösen, bei 300x.

NGC 6934, ebenfalls ein Kugelsternhaufen, aber freundlicher für den Beobachter, war bei 300x gut aufgelöst und bot einen netten Anblick.

NGC 6905, der "Blue Flash" Nebel zeigte bei 300x Strukturen, die ich vorher auch noch nicht mit dem VMC gesehen hatte.

NGC 6891, ein kleiner, aber heller Planetarischer Nebel im Delphin, entpuppte sich als Vertreter der "Blinking Planetary". Beim direkten Hingucken der Zentralstern, bei indirektem Blick Stern mit Nebelhülle /(300x).

NGC 7293, der Helixnebel, war bei 111x mit UHC Filter andeutungsweise als Doppelhelix zu erkennen. Freilich, tief stehende Objekte fielen schon dem Dunst zum Opfer.

NGC 404, die Galaxie "Mirarch's Ghost", bot zusammen mit dem tiefgelben Stern β Andromedae einen netten Anblick (111x). Der Stern flimmerte anfangs relativ stark. Ich dachte erst Seeing, aber das war es nicht. Auch im VMC, trotz offenen Tubus, bildet sich eine gewisse Luftschichtung aus. Die ganze Zeit über war der Tubus auf den Südhimmel gerichtet, ein wenig rauf und runter, hin und her, jetzt aber komplettes Umschwenken auf den Osthimmel - es brauchte ein Weilchen bis sich die Luft im Tubus wieder beruhigte, dann hatten wir wieder ein schönes Bild. Eines ist hier anzumerken: die Luft kommt im offenen VMC Tubus etwas schneller wieder zu Ruhe als in einem geschlossenen Tubus (SC, Mak) dieser Größe.

M33 stand noch recht tief, das geht sicher besser, bot dennoch einen netten Anblick mit viel Strukturen (111x). Bei näherer Betrachtung offenbarte sich mir diese Galaxie recht gut. Also das könnte schon ein Fest werden, wenn M33 im Zenitraum steht.

M31 war nett, andeutungsweise Staubstrukturen, wohl auch dem Dunst geschuldet. Ich würde bei gutem Himmel mehr erwarten.


Mein Kunde hat auch einen Bresser 152/750 Vierlinser Achromat, den ich gerne gesehen hätte, besser gesagt, wo ich gerne durch geguckt hätte. Für die Tak Montierung des Kunden war im Moment aber kein schwereres Gegengewicht aufzutreiben, so nahm ich den VMC von meiner Montierung runter, rüstete um auf den 2" Sattel und nahm den Sechszoll Refraktor auf die iOptron.

M33 war mein erstes Ziel. Nun, wir hatten freilich niedrige Vergrößerung drin, dafür ist dieser Refraktor wie geschaffen, mit scharfer Sternabbildung. Aber ja, man sah was, sicher gut für einen Sechstzöller unter diesen Umständen, dennoch war diese Galaxie für mich im VMC interessanter. No na, möchte man sagen.

Nicht viel anders war es bei M31, der Andromeda Galaxie.

Dafür war der Refraktor bei NGC 1502 und Kemble's Cascade in seinem Element. Da war die niedrige Vergrößerung sehr hilfreich, dennoch sprengt diese Sternenkette das Gesichtsfeld, sie ist etwa dreimal so lang.

Den Abschluss unserer Beobachtung bildete der Doppelhaufen h+χ Persei, ein schöner Anblick, durchaus.

Da ich für den nächsten Abend eine Session im Weinviertel hatte, war es nun mit Mondaufgang Zeit, abzubauen. Ich wollte eigentlich gleich fahren, doch sind wir noch ein bissl zusammen gesessen und haben geplaudert, wodurch mir die Zeit etwas davon gelaufen ist. Letztlich bin ich viel später weg gekommen wie geplant, und daheim war ich grad bei Beginn der Morgendämmerung. Aber was soll's. Ich habe die Beobachtungen im VMC unter diesem Himmel durchaus "gefeiert", so manches Objekt, das ich damit schon gesehen hatte, gab etwas Preis, was mir vorher entgangen war - man sieht daran, was ein besserer Himmel ausmacht.

Howdii

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