Venusbeobachtungen: Sichelspitzen als Lichtring und vermutetes "Ashen Light" - 25./30. 5. 2004 (Mistelbach)

Am 25. Mai 2004 gab es strahlend blauen Himmel. Wenn man die Sonne mit dem Daumen abdeckte, konnte man direkt daneben locker und ohne Blendung hingucken, und sah ebenfalls schön blauen Himmel. Das animierte mich, nach Venus Ausschau zu halten. Es war etwa 10:30 MESZ, als ich mich mit dem 7x50 Fernglas bewaffnet in den Schatten eines Strauches stellte. Die Sonne war durch das Blattwerk noch zu sehen als Orientierungspunkt, andererseits wusste ich, wenn ich beim Schwenken des Fernglases den Strauch ins Blickfeld kriege, heißt es aufpassen, weil die Sonne nicht mehr weit ist. Nun, nach einigem Daumen mal Pi peilen hatte ich die Venus im Blickfeld. Die Sichelgestalt war deutlich zu erkennen. Ich versuchte anschließend, Venus auch mit freiem Auge zu sehen. Und wenn mich nicht irgendwas grob getäuscht hat, sollte ich Venus blickweise zwei bis dreimal erspechtelt haben. Leider hatte ich nicht viel Zeit dazu.

Am 30. 5. (Pfingstsonntag) stellte ich gegen 10 Uhr MESZ meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf, um die Venus im Teleskop zu beobachten. Der Himmel war diesmal weniger gut, also mehr blassblau, mehr Streulicht. Ich schaffte es nicht, die Venus mit dem 7x50 Glas zu erspähen. Also hieß es, mit dem Teleskop etwas "herumzurühren". Vorbeifliegende Pappelsamen narrten mich öfter, doch irgendwann war es so weit, und ich hatte Venus im Okular. Uiii, sehr schmale Sichel. Und wiederum waren die übergreifenden Sichelspitzen als vollständiger Lichtring zu sehen. Ich zückte die Digitalkamera (für den Einsatz der Webcam reichte meine verfügbare Zeit leider nicht aus) und knipste drauflos. Auf dem Kameramonitor konnte ich Venus nicht erkennen. Etwas enttäuscht legte ich die Kamera wieder weg, um visuell weiter zu beobachten.

Zu dieser Zeit kam gerade Armin Faltl zu mir. Auch er bewunderte die schmale Venussichel im Teleskop. Und bevor er noch den zarten Lichtring bemerkte, fiel ihm auf, dass auf der konkaven Sichelseite das Himmelsblau etwas heller schien. Das "Ashen Light" der Venus? Ich prüfte nach, und musste Armin recht geben, zumindest als vermutet würde ich die Sichtung des aschgrauen Lichtes bewerten, nach A.L.P.O. mit "S = suspected".

Bei der Besichtigung der Digitalkamerabilder auf dem Computer habe ich die Venus doch entdeckt. Spitzenbilder sind es zwar keine, aber aus drei Aufnahmen habe ich ein Bildchen gebastelt, das den Lichtring durch die übergreifenden Sichelspitzen besser zeigt als bei meinem ersten Versuch vor 10 Tagen. Das aschgraue Licht ist dafür ziemlich vage. Wenn man die Pixelhelligkeit auswertet (Bild in Grauwerte konvertiert), findet man an der Innenseite der Sichel wohl hellere Stellen, ob es allerdings durch Seeingfransen, oder einfach durch den sowieso unruhigen Hintergrund bedingt ist, lässt sich schwer sagen.

Die schmale Venussichel mit übergreifenden Sichelspitzen als Lichtring am 30. 5. 2004 um 10:31 MESZ

Am Abend des Pfingstsonntags beobachtete ich einen spektakulären Sonnenuntergang mit blutrot gefärbten Wolken. Einige Minuten nach Sonnenuntergang hatte ich die Venus mit dem 7x50 Glas zwischen Wolkenstreifen aufgespürt. Im Fernglas war die Sichelgestalt sehr schön zu erkennen. Bald hatte ich Venus auch mit freiem Auge erspäht. Zu dieser Zeit war es noch schwierig, Venus freisichtig aufzufinden, eine halbe Stunde später war Venus bereits leicht zu erkennen, obwohl schon etwas gerötet. Leider hatte ich die Digitalkamera nicht dabei, es hätte durchaus ein nettes Bild geben können.

#owdii


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