Beobachtungsbericht vom 23./24. 5. 2001, Falkenstein ==================================================== Wie schon in meinem Bericht vom 12. Mai dieses Jahres erwaehnt, gab es in diesem Monat eine Reihe von ausnehmend klaren Naechten. Aus beruflichen und privaten Gruenden konnte ich leider nicht alle davon nutzen. Am 23. jedenfalls wollte ich mir eine Beobachtung nicht entgehen lassen. Als Ziel waehlte ich seit laengerer Zeit wieder einmal Falkenstein im noerdlichen Weinviertel. Einerseits, um dort die Himmelsqualitaet im Rahmen der Aktion "Wieviele Sterne sehen wir noch" zu bewerten, und nicht zuletzt verbinde ich einige sehr schoene Erinnerungen mit diesem Ort - ich sollte auch diesmal nicht enttaeuscht werden. In der zu Ende gehenden Abenddaemmerung fand ich mich am Beobachtungsplatz mit meinem 8" f/6 Maksutov-Newton ein. Das Teleskop sollte noch waehrend der Daemmerung betriebsbereit aufgebaut sein, damit ich bei Beginn der Dunkelheit gleich mein Galaxienfest im Virgohaufen starten konnte - ich habe dort einiges nachzuholen, obwohl ich dieses Himmelsgebiet frueher schon oefter durchstreift habe. Leider wurde mir die Zeit zu knapp, und deswegen glitt die Beobachtung etwas ins Chaos ab. Wegen fehlender Aufzeichnungen wollte ich urspruenglich gar keinen Bericht schreiben, es sind jedoch ein paar Dinge sehr wohl bemerkenswert, deswegen gibt es doch diese Zeilen. Die Bedingungen waren beinahe traumhaft. Der lebhafte Suedostwind, der mich bei meiner Ankunft begruesste, schlief mehr und mehr ein, nur ab und zu frischte er noch ein wenig auf. Mit etwa 13 Grad war es zwar kuehl, aber nicht unangenehm. Der Sternenhimmel im Zenitraum war eine Pracht. Ich vergebe taxfrei 6 mag dafuer, sogar M13 konnte ich freisichtig erhaschen! Die Milchstrasse praesentierte sich eindrucksvoll strukturiert - auf der Ebenwaldhoehe kann es der Zenithimmel nur selten wirklich besser. Nur um die Horizont-Aufhellung kommt man im Weinviertel halt nicht herum. Der Suedhimmel ist weniger hoch aufgehellt als an unserem Platz bei Niederleis, wo die Lichtglocke von Wien bisweilen erst ab 45 Grad Hoehe einigermassen vernuenftig beobachten laesst. Dafuer gibt es bei Niederleis speziell im Suedosten noch einen Zipfel dunkleren Himmel. Hier, bei Falkenstein, reicht die Aufhellung nicht ganz so hoch hinauf, ist auch nicht so intensiv, aber immer noch stoerend. Und hier ist der Suedhimmel auf der ganzen Breite betroffen: dafuer sorgen die vereinten Lichter von Poysdorf, Mistelbach und Wien. Der Norden, der bei Niederleis relativ dunkel ist, ist hier vom relativ scharfen Licht der nahen Ortschaft Falkenstein gepraegt. Weitere "Stoerenfriede" gibt es im WNW, in dieser Richtung liegt Laa, im NO liegt Lundenburg und im NNO Nikolsburg. Ost- und Westhorizont sind einigermassen dunkel. Und der Zenitraum ist eindeutig besser als an unserem Platz bei Niederleis. Dafuer ist bei Niederleis der Nordwesthimmel dunkler als in Falkenstein. Es gilt also, je nach Beobachtungszweck den Platz zu waehlen. Was ich sehr missbilligend wahrgenommen habe, waren etliche "neue" Lampen, die von der nahen, oestlich gelegenene Ortschaft Poysbrunn direkt herstrahlten. Dort lief ein Festl, es drang Musik und typischer Festlaerm an mein Ohr, und ein paar Autos nahmen sogar einen speziellen Abschneider ueber die Felder dorthin, direkt bei mir vorbei, was mir auch nicht sehr gefiel. Der Rummel wurde ergaenzt durch Jaeger im nahen Wald. Ich hoerte von dort Stimmen, ab und zu Traktor- und Autolaerm, und etliche Male "Piff-Paff". Sterne haben sie gottlob keine heruntergeschossen :-) Von den hoehergelegenen Autostrassen rundum leuchteten fallweise Autoscheinwerfer herueber zu meinem Beobachtungsplatz, aber je spaeter der Abend, desto weniger ist mit solchen Stoerungen zu rechnen. Nun aber zu den Beobachtungen im Fernrohr. In der zu Ende gehenden Daemmerung holte ich testhalber M3, NGC5466 (Kugelhaufen 6 Grad oestlich von M3), M13, NGC6207 und M92 ins Okular. Alle Objekte waren bereits fein zu sehen, obwohl es noch nicht ganz dunkel war. Dann stuerzte ich mich auf den Virgohaufen. Ich begann meine Reise wieder bei Epsilon Virginis, und arbeitete mich vorwiegend westwaerts weiter, immer wieder mit Abstechern in noerdliche oder suedliche Richtung. An Vergroesserungen wechselte ich 120x und 240x, navigiert wurde gleich im Okular bei 120x. Mein erstes Opfer war NGC4762. Ein linsenfoermiges Objekt, de facto eine edge-on Spirale, huebsches Objekt, und mit 10.3 mag recht hell. In unmittelbarer Naehe befindet sich NGC4754, mit 10.6 mag etwas schwaecher, und von leicht ovaler Form. NGC4733 nahm ich als schwachen, runden Lichttupf wahr (11.8 mag). NGC4880 mit 11.4 mag ein sehr kleiner und aeusserst schwacher Lichttupf, mit sehr niedriger Flaechenhelligkeit. Dafuer hat mir NGC4866 sehr gut gefallen. Eine edge-on Galaxie, spindelfoermig im Okular. Bei 240x waren etliche Dunkel- strukturen erkennbar. In der Naehe ein Vordergrundstern - insgesamt ein netter Anblick. Weiter ging es mit M60 und seinem direkten Nachbarn NGC4647. Beide sind diffus, rund, mit hellerem Kern, nur dass M60 mit 8.8 mag deutlich heller ist, NGC4647 hat 11.3 mag. M59 mit 9.6 mag ist aehnlich wie M60 im Aussehen, also wenig spektakulaer. Auch die 11.2 mag Galaxie NGC4638 ist von dieser Sorte, wie NGC4660, NGC4608 und NGC4639, mehr oder weniger schwache Lichttupfen. Interssanter praesentierte sich wiederum NGC4710, ein linsenfoermiges Objekt, also eine edge-on Spirale. M58, aehnlich wie M60 oder M59, diente gerade mal als Markierungspunkt zur Orientierung. Als naechstes holte ich mir das Kontakt-Paar NGC4567 und NGC4568. Zwei linsenfoermige Objekte, die "am Kopf" zusammengewachsen erscheinen (auch Siamesische Zwillinge gennant). So, und ab nun glitt die Beobachtung endgueltig ins "Hudeln" ab. Zu viele Galaxien "prasselten" auf mich herein, und zu knapp war die Zeit. Ich konnte gerade noch folgende Objekte eindeutig identifizieren: NGC4564, NGC4550, M89, M90, M91 und M88 (huebsch!). Bei M84 und M86 stoppte ich wieder etwas, und holte mir ein paar "Nachbarn", die dort eine markante Konstellation von Objekten ergeben: NGC 4388 (linsenfoermig) und als kleiner Tupf NGC4387. Schnell huschte ich dann entlang von Markarians Galaxienkette wieder hinauf zu M88, dabei blieben von Markarians Galaxienkette gerade mal NGC4435, NGC4438, NGC4461 und NGC4477 haengen. Als naechsten Ausganspunkt waehlte ich M87, mittlerweile war aberdieses Himmelsgebiet schon zu nahe am aufgehellten Horizont, ich zappte grad noch ein bissl durch die Gegend, das was noch ins Okular flutschte duerften M99 und M100 gewesen sein - und aus. Puh. Etwas schwindelig von den vielen Galaxien goennte ich mir erst einmal ein paar Minuten Pause. Dann angelte ich die zwar schon recht tief stehende, aber in einem dunkleren "Eck" befindliche M104, und siehe, gar nicht so schlecht, bei 240x schoen sichtbar, mit Staubband. In der Folge klapperte ich ein paar Kugelhaufen ab: M5, M10, M12, M14 und NGC6366. Bei den letzten beiden hat ein 8" schon ganz schon zu tun, Einzelsterne zu zeigen. Beginnen die hellstn im M14 doch erst bei 14 mag und bei NGC6366 bei 13.6. Trotzdem ist letzterer das noch "haertere" Objekt. Als weitere Testbeobachtung kam M57 dran. Bei 480x gelang es dreimal, den Zentralstern aufblitzen zu sehen, und in der Umgebung von M57 konnte ich etliche schwache Einzelsterne weit schwaecher als 14 mag relativ leicht sehen - das waere auch einer Ebenwald-Beobachtung wuerdig. Und mein letztes Testobjekt, M101 war das eigentliche Highlight: Bei 54x konnte ich indirekt ansatzweise Spiralstruktur ausnehmen! Das haette meinem Spechtlfreund Walter sicher gefallen... Mars war das Uebliche Gezappel, seeingbedingt, mit starken Refraktionserscheinungen, kaum etwas Dunkles auszunehmen, und keine Chance, Aussehen und Position der dunklen Strukturen definieren zu koennen. Die Nacht haette sicher noch mehr parat gehabt, aber fuer mich war es Zeit, die Beobachtung zu beenden, es hat wenig Sinn eine Nacht bis zum letzten ausquetschen zu wollen, wenn die Muedigkeit sich bemerkbar macht und die Konzentration nachlaesst. So blieb es bei diesen durchaus schoenen Eindruecken, wenn ich auch schon um 2:00 den Beobachtungsplatz wieder verliess. Howdii