Venus am Tag: Sichelspitzen als Lichtring! Venus und Mond in der Dämmerung - 20. 5. 2004 (Mistelbach)

Die Bedeckung der Venus durch den Mond zur Mittagszeit des 21. Mai stand natürlich auf dem Beobachtungsprogramm. Zur Übung wollte ich daher am Vortag die Venus gegen die Mittagszeit aufsuchen. Die Bedingungen waren durchschnittlich. Zu Beginn war es noch wolkenlos, gegen 12 Uhr MESZ bildeten sich erste Wolken. Die Wolkenbildung verflachte am frühen Nachmittag allerdings wieder, um erst gegen Abend wieder aufzuleben. Der Himmel war aber alles andere als superblau und klar. Die durchschnittliche Weinviertler Himmelsqualität hatte sich eingefunden, mit blaugrauem Himmel, gegen die Sonne zu eher weißlich.

Meine ersten Versuche, gegen 11 Uhr MESZ, die Venus mit dem 7x50 Feldstecher aufzuspüren, scheiterten. Nach mehreren Anläufen wurde es mir dann zu bunt - ich baute meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf. Erst wurde das Teleskop (Öffnung verdeckt) anhand des Schattenwurfes gegen die Sonne gerichtet, dann per Differenzkoordinaten die Venus angefahren. Wirklich genau geht das natürlich nicht, wenn man die Montierung einfach so "hingestellt" hat. Aber nach ein wenig Herumrudern hatte ich die Venussichel im Okular (40-fache Vergrößerung). Ein Kontrollblick durch den Sucher zeigte die Venus nicht. Also kein Wunder, dass ich sie im 7x50 Feldstecher nicht sehen konnte.

Wenn man die Venus schon im Bild hat, dann schaut man doch etwas genauer hin. Durch Seeing und sicher auch Tubusseeing (die schwarze "Ofenröhre" meines Teleskops heizt sich in der Sonne rasch auf) zappelte die Venus ein wenig, aber dann und wann ergab sich doch ein scharfes Bild der Venussichel. Dabei beobachtete ich weit übergreifende Sichelspitzen, und konnte mich mehrfach des Eindrucks nicht erwehren, dass sogar ein geschlossener, zarter Lichtring zu sehen war. Täuschung oder wirklich? Nachdem dieser Effekt immer wieder erschien, stocherte ich noch mit höherer Vergrößerung (87x) nach: Und auch da gewann ich den Eindruck eines zarten, geschlossenen Lichtringes. Ich kann nur sagen, der Anblick war delikat. Mit der Digitalkamera war ich leider wenig erfolgreich. Selbst bei kurzer Belichtungszeit war das Bild meist vom Seeing zerzaust genug. Aber: Wenn ich auf meinem TFT Bildschirm aus dem richtigen Winkel hingucke, erkenne ich doch übergreifende Sichelspitzen und gaaanz vage den Lichtring (zumindest bruchstückhaft, oben drüber und rechts ein Stück hinunter)! Durch trickreiches Nachschärfen des Bildes ist dies sogar etwas leichter sichtbar geworden.

Die Venussichel: afokaler Digitalkamera-Schnappschuss

Um einen besseren Eindruck zu vermitteln, habe ich versucht, die Situation "zeichnerisch" nachzustellen. Also, untenstehendes Bild  ist kein Foto, sondern ein manipuliertes Webcambild (vom 16. 5.), mit dazukonstruiertem Lichtring. Das Ergebnis kommt dem visuellen Eindruck allerdings recht nahe.

In der Abenddämmerung rückte ich aus, um Venus und die "in Anmarsch" befindliche schmale Mondsichel zu beobachten. Als "Instrumentarium" schnappte ich nur den 7x50 Feldstecher, Digitalkamera und Fotostativ. Gegen 20:30 MESZ fuhr ich auf den östlich von Mistelbach gelegenen Schneiderberg. Zu dieser Zeit war die Venus im Fernglas leicht zu sehen, aber noch schwierig mit freiem Auge aufzufinden. Es sollte auch noch etliche Minuten dauern, bis ich die sehr schmale Mondsichel im Fernglas aufgespürt hatte. Erst gegen 21 Uhr MESZ konnte ich die Mondsichel auch freisichtig ausnehmen. Ich knipste etliche Fotos, von denen ich nachfolgend einige präsentieren möchte:

Venus und die schmale Mondsichel in der Abenddämmerung des 20. 5. 2005 (21:05 MESZ)

Hier besser im Detail mit vollem Tele... (21:11 MESZ)

Bilddaten: 1/10 Sekunde bei f/4, ISO 400 und 1/15 Sekunde bei f/4, ISO 400 (Telefoto). Leider endet der Bericht hiermit. Am 21. Mai zogen am Vormittag schon dicke Wolken auf, und gegen Mittag gab es bereits die ersten Regengüsse. Währen der Bedeckung gab es sogar ein kleines Sonnenfenster mit weniger Wolken, doch der Himmel war nicht sauber genug, dass ich wenigstens versuchen hätte können, den Mond einzufangen, und auf ein Wolkenloch zu Bedeckungsende zu hoffen. Allein, es wäre sowieso vergebliche Mühe gewesen, den bis zum Ende der Bedeckung war der Himmel schon wieder von dunklen Wolken überzogen. So gesehen war's leider nichts mit der Beobachtung der Venusbedeckung...

#owdii


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