Bericht einer "verfallenen" Beobachtung vom 18./19. 8. 2001, Altenmarkt i.T. ============================================================================ Schoenwetter, aber sehr dunstiger Himmel, egal, ich wollte wieder einmal meinen 18" f/4.4 Dob ausfuehren, und unternahm am 16. 8. einen Beobachtungsversuch bei Altenmarkt. Dort angekommen blies mir ein stuermischer Suedostwind um die Ohren, und ausserdem versuchte wohl ein Bauer der Tageshitze zu entkommen, indem er des Nachts ackerte, und dabei mit kraeftigen Scheinwerfern die Gegend "mitbeleuchtete". An eine ernsthafte Beobachtung war demnach nicht zu denken. Ich "knotzte" mich in den Windschatten des Autos, und versuchte zumindest die "Himmelsqualitaet" in dieser dunstigen Nacht etwas abzuschaetzen. Die Schildwolke war gerade noch sichtbar, darunter verschwand die Milchstrasse in einer nahezu undurchdringlichen Dunstsuppe. Sogar die obligate Lichtglocke von Wien wurde durch den Dunst verschluckt! Ueberkopf, der Zenitraum war halbwegs ok, immer noch gegen 5.5 mag, mit relativ schoen strukturierter Milchstrasse. Ohne den stuermischen Wind und die Stoerung durch Scheinwerferlicht haette ich wohl unverzagt im Zenitraum meine Beobachtungen begonnen. So aber zog ich unverrichteter Dinge wieder heimwaerts, und angesichts des stuermischen Windes versuchte ich auch nicht, einen anderen Platz anzusteuern. Am 18. 8. wagte ich den naechsten Versuch. Der Himmel praesentierte sich aehnlich dunstig, aber es sollte noch etwas schlechter werden. Jedenfalls bei Ankunft am Beobachtungsplatz Ruhe und Friede, nur ein leichter Lufthauch aus ONO, dafuer schwuel, und kaum hat man irgendeine Funsel aufgedreht, waren auch schon zahlreiche Insekten da, die sich dann z.B. auf der Sternkarte tummelten. Sehr hilfreich, wenn man dort lesen will, und es krabbelt dauernd etwas herum :-) Der Himmel war wie gesagt wiederum extrem dunstig. Bei Beginn der Beobachtung lag die Grenzgroesse im Zenitraum knapp ueber 5 mag. Die Milchstrasse war nur maessig gut zu sehen, und verschwand nach Sueden hin im noerdlichen Teil des Adlers, die Schildwolke war gar nicht auszunehmen. Und natuerlich war auch Wien "ausradiert", nach oben hin war der Himmel aber doch kraeftig aufgehellt. Im Laufe der Beobachtung sank die Grenzgroesse sogar unter 5 mag. Gegen 2 Uhr frueh wurde es etwas kuehler und feucht, damit besserte sich allerdings die Sicht im Zenitbereich ein wenig, und die Milchstrasse, die zwischendurch nur mehr matt geschimmert hatte, wies wieder einige Struktur auf. Als "verfallen" bezeichne ich diese Beobachtung deshalb, weil ich erst mehr als eine Woche spaeter dazu kam, meine Eindruecke, soweit noch vorhanden, zu notieren. Deshalb musste ich einiges zu rekonstruieren versuchen, und meine Angaben moegen daher nicht sehr exakt sein. Es war unter den nahezu "irregulaeren" Bedinungen auch nur schwer moeglich, den Schwierigkeitsgrad der Beobachtung abzuschaetzen. Die Leistung des 18" Dobs wurde jedenfalls auf die eines guten 8" bis 10" unter dunklem Himmel gedrueckt... Na schoen, ich sollte nicht allzuviel schimpfen, unter aehnlichen Sichtverhaeltnissen treibe ich mich manchmal doch daheim im Garten herum, und dann eventuell nur mit dem 4" APO... :-) Nochmals den Dob nur spazierenfuehren - es waere bereits das dritte Mal in diesem Jahr - wollte ich nicht, daher wurde aufgebaut und gespechtelt, was halt geht. Konkret habe ich die meisten Objekte vor etwa einem Jahr mit dem 8" Maksutov-Newton schon beobachtet, und ich wollte diese "Cepheus-Tour", die mir damals recht gut gefallen hat, wiederholen. Doch vor dem Durchstarten zuerst zu PK47+42.1 (Abell 39), den ich vor kurzer Zeit mit dem 8" MN aufgestoebert hatte. Die Suche nach diesem Planetarischen Nebel (13 mag, 170" Durchmesser) gestaltete sich etwas lausig, da mich ein aehnliches Sternviereck, das den Weg zum Nebel weist, narrte. Erst als ich mich wieder zurechgefunden hatte, konnte ich das Objekt mit UHC Filter bei 104x ausmachen. Ui, auch im 18" nur schwach, so dunstig war es hier in dieser Himmelsgegend. Besser war der runde Nebelfleck bei 85x mit OIII Filter zu sehen. Wie dieses Objekt bei gutem Himmel im 18" aussehen koennte, war nicht abzuschaetzen... Nun der "Tourstart" mit NGC6939 (offener Haufen) und NGC6946 (Galaxie), die nahe beinander am Firmament stehen. Der Haufen ist deshalb interessant, weil Sternketten einen rechten Winkel bilden, deswegen sage ich auch, das ist der "mit dem Winkelhaken konstruierte" Sternhaufen :-) Die Galaxie war nur als ovaler "Brei" auszunehmen, ein helleres Fleckerl konnte ich bei 104x mittendrin wahrnehmen. In dieser Zeit duerften die Bedingungen schon recht armselig gewesen sein, ich habe aber tapfer ins Okular geguckt, und nicht zum Himmel :-) Der interessante Reflexionsnebel NGC7023 war mein naechstes Ziel. Leider durch die miesen Bedingungen fast schlechter zu sehen als ich vom 8" in Erinnerung habe... (104x) Der Haufen NGC7160 ist ein recht markantes Sterngrueppchen, auch im 11x55 Sucher schon auffaellig. Im Teleskop beobachtete ich bei 104x. NGC7076 ist ein Planetarischer Nebel mit 13.2 mag und 57" Durchmesser. Bereits ohne Filter als diffuser Nebel um einen Stern zu erkennen (104x). Mit UHC Filter deutlicher, aber immer noch diffus nach aussen verlaufend. Der helle Stern ist etwas asymmetrisch zur Mitte, und es ist nicht der Zentralstern. Letzterer war nicht zu sehen. Die Sichtbarkeit des Nebels profitierte nochmals vom Einsatz eines OIII Filters. NGC7139 ist ebenfalls ein Planetarischer Nebel mit 13.2 mag und 78" Durchmesser. Bei 104x ohne Filter aber leichter und deutlicher erkennbar als NGC7006. Mit UHC und OIII war er jeweils noch besser zu sehen. NGC7142 ist ein durchaus interessanter und huebscher Haufen. Reich an Sternen (ab etwa 12 mag) und gut vom Hintergrund abgehoben (104x). NGC7129 ist ein Sternhaufen mit Reflexionsnebel. Ohne Filter, bei 104x, zeigte sich der Nebel relativ deutlich um ein kleine Grueppchen von Sternen. NGC7133, ein Reflexionsnebel, den ich damals mit dem 8" nur unter dunklem Himmel schwach erwischen konnte, zeigte sich auch diesmal nur sehr schuechtern. Eher vermutet als wirklich gesehen, deutlicher bei 230x als bei 104x (kein Filter). vdB143 - im 8" damals erst bei einer Nachbeobachtung und hoher Vergroesserung eindeutig zu erwischen, erwies sich auch im 18" - zumindest unter den gegebenen Bedingungen - als schwierig. Bei 104x kein Anzeichen, bei 230x vermutet, erst bei 380x ein asymmetrischer Lichthof um einen 8.3 mag Stern. vdB152 war dafuer wie schon damals, im 8", einfach zu sehen (104x), allerdings nix von der erhofften Struktur. Ueberhaupt, "nebelige" Objekte litten unter diesen Bedingungen mehr als Sterne. So, und damit war diese "Tour" beendet, und ich betrat "Neuland" auf meiner Spechtlliste. Cz43 ist ein sehr locker verstreuter Haufen hellerer Sterne, in unmittelbarer Nachbarschaft zu M52. Wenn man es nicht weiss, dass es ein Haufen sein soll, uebersieht man das Objekt fast, obwohl doch gut vom Hintergrund abgehoben. Abstecher zu NGC7635, dem "Bubble" Nebel. Bei 380x ohne Filter erinnerte mich der Eindruck an den im 8" auf der Ebenwaldhoehe, wo ebenfalls mit hoher Vergroesserung gearbeitet wurde. Der hellere Teil der "Blase" war zu sehen. NGC7538, ein alter Bekannter fuer mich, heller Nebel um zwei Sterne, war bei 104x ohne Filter deutlich zu sehen, kein Wunder, ist ja auch in kleinen Rohren ein lohnendes Objekt. Mrk50 "soll" ein Haufen sein. Zu finden ist eine halbkreisfoermige, markante Anordnung von 5 Sternen etwa gleicher Helligkeit (104x). NGC7510 ist ein auffaelliger und recht sternreicher Haufen. Ein Teil des laenglichen Haufens scheint abgesetzt, die Sterne dicht in Form eines Dreiecks gedraengt (104x). K19 ist ein Haufen aus ein paar reltiv locker verstreuten Sternen um die 10 mag, hebt sich halbwegs gut von der Umgebung ab (104x). IC1470 ist ein kleiner Emissionsnebel, der als deutlich nebeliger Fleck bei 104x (ohne Filter) zu sehen war. NGC7419 ist ein recht interessanter Haufen, ein paar hellere Sterne und viele schwaechere Sterne (104x). Hat mir recht gut gefallen. NGC7429 ist ein unauffaelliger Haufen aus ein paar verstreuten Sternen, weniger gut vom Hintergrund abgehoben (104x). K10 ist wiederum ein huebscher Haufen aus schwaecheren Sternen, reltativ dicht gedraengt (104x). Und mein letztes "Opfer": NGC7354, ein Planetarischer Nebel mit 12.2 mag und 20" Durchmesser, bei 104x und UHC gut und einfach sichtbar. Bei 230x, wenn ich noch alles richtig in Erinnerung habe, war ein dunkleres Zentrum zu erkennen - oder war das bei NGC7139 der Fall? Ich weiss es nicht mehr, sorry - verfallen... Ein letzter Blick auf den noch nicht allzu hoch stehenden Saturn bei 230x ergab sogar ein zeitweise brauchbares Bild. In der Tat, das Seeing war nicht gar so uebel in dieser Nacht, erst bei 380x ist die Sicht jeweils etwas "matschig" geworden. Damit liess ich es genug sein, zumal sich auch schon das "Sandmaennchen" meldete... #owdii