Beobachtungsbericht vom 14./15. 8. 2001, Ebenwald ================================================= Tagsueber gab es nur wenige Quellwolken, so deutete sich eine wolkenfreie Nacht an, allerdings typisch, wie es fuer den Osten Oesterreichs nach mehreren Tagen Schoenwetter ist, schon recht dunstig. Fuer die naechtlichen Beobachtung war also "Flucht nach oben" angesagt, um dem Dunst wenigstens einigermassen zu entkommen - die Ebenwaldhoehe war Walters und mein Ziel. Und nicht nur unseres, speziell am Vorabend des Mariae Himmelfahrt Tages kamen zahlreiche Sternfreunde, darunter viele Bekannte. Den Beobachtungsplatz erreichte ich bereits in der fruehen Daemmerung. Es "begruesste" mich ein unangenehm kraeftiger Suedostwind, der aber zum Glueck waehrend der Nacht ziemlich abflaute. Es war maessig warm und trocken. Der Nachthimmel praesentierte sich durch den Dunst doch einigermassen aufgehellt, selbst der auf Ebenwald so dunkle Suedhimmel war ungewoehnlich hell. Es reichte aber allemal fuer eine freisichtige Grenzgroesse von gut 6 mag - sogar M13 konnte ich freisichtig erspaehen. Das Seeing war weniger toll, sogar Mars, mit freiem Auge betrachtet, zuckte hin und wieder heftig... Es ist halt so, auch wenn der Himmel prinzipiell zu wuenschen liess, ist die Ebenwaldhoehe doch der Platz mit dem besten Himmel, den man relativ leicht erreichen kann. Und dann muss man halt auch mit den bekannten Unannehmlichkeiten, wie auf der Strasse mit voller Beleuchtung daherkommenden Autos, "leben". Ich war den Beobachtungsbedingungen gemaess mit meinem Programm relativ gut eingestellt: Der kleine 5.7" f/6 Maksutov-Newton sollte vorwiegend als RFT eingesetzt werden, um die Milchstrasse "entlangzusurfen", um all die schoenen und bekannten Gasnebel zu sehen, Erinnerungen wachzurufen und neue Eindruecke zu gewinnen. "Willkommen an Bord von Galaxy Tours, bitte anschnallen, wir starten in Kuerze!" Doch halt, auf einmal ein Raunen in der Menge, die ISS kam gerade strahlend hell aus dem Westen ueber den Baeumen daher. Ich loeste flugs die Klemmen an der Montierung, visierte die Raumstation an, und konnte sie tatsaechlich durch haendisches Mitziehen recht gut im Gesichtsfeld halten. Walter wollte sich diesen Anblick auch nicht entgehen lassen. Bei 32x war ein "verhatschtes T" zu erkennen, und irgendwas hing noch dran, war es das zur Zeit gerade angedockte Shuttle? So, nun waren wir aber wirklich startklar fuer unsere Reise, und los ging es mit M8, dem Lagunen-Nebel. Beste Anblicke ergaben sich bei 58x mit UHC-Filter. Der Zentrale Teil mit dem Dunkelband war erkennbar, auch die "Hourglass"-Region blieb nicht unentdeckt. Die hellsten Nebelgebiete gaben dem Gebilde einen eher rundes Aussehen, allerdings waren bei genauerer Inspektion auch schwaechere Nebelteile am oestlichen und westlichen "Ende" zu entdecken, mit denen wiederum die eher laengliche Form rauskam, die wir von tieferen Fotos her kennen, und wie sich M8 ja auch im Sucher zeigt, als laenglicher Nebelfleck. Die allerschwaechsten Auslaeufer, wie sie z.B. Walter mit seinem 4.1" f/6.2 APO kuerzlich fotografisch festgehalten hat, blieben unseren Blicken jedoch verborgen. Ein kleiner Ruck nach Norden, und wir waren bei M20, dem Trifidnebel. Wiederum bei 58x mit UHC-Filter die besten Eindruecke. Indirekt waren die drei dunklen "Ruessel" recht gut zu erkennen, und der Reflexionsnebel kaempfte sich noch schwach durch den Nebelfilter. Bei 32x ohne Filter war der Reflexionsnebel recht deutlich zu sehen, jedoch ein Farbeffekt (Unterschied zwischen Emissionsteil und Reflexionsteil) wollte sich nicht ergeben. Im "Flug" zu M24 sahen wir kurz den Haufen M21 vorbeiflitzen, und schon tauchte M24 im Blickfeld auf. Diese riesige Sternwolke durchmustert man am besten mit einem Weitwinkel Okular, ich waehlte dazu 32x. Eine Wucht, in dem Gewimmel findet man interessante Grueppchen von Sternen, "Ketten" und "Strassen", und irgendwo hat wer ein Stueck rausradiert - man ist regelrecht verbluefft, wenn man auf die Dunkelnebel Barnard 92 und Barnard 92 stoesst. Auch der offene Haufen NGC6603 blieb nicht unentdeckt, bei 32x ein recht auffaelliger "Nebelfleck". Bei 58x verschwand der "Nebelfleck" fast, ging im allgemeinen Gewimmel fast unter, wirkte dafuer aber, als ich ihn wieder "gefunden" hatte, etwas granuliert. Suedlich von M24 gibt es auch einiges zum "Herumkletzln": Die Reflexionsnebel NGC6589 und NGC6590 waren als "nebelige" Sterne zu entdecken, einer davon sogar recht deutlich, fragt mich aber jetzt nicht schnell, welcher von beiden das war... Und schliesslich entpuppte sich das Gebiet von IC1283/84 (32x ohne Filter) bei genauerer Betrachtung als relativ grosser Nebelfleck. Das Gebiet ist allerdings reich an schwachen Sternen, und es ist nicht so klar, ob diese dem Auge "Nebel" vortaeuschen, oder ob man tatsaechlichen Nebel sieht. Jedenfalls die Lage des Objekts wuerde laut Sternkarte exakt passen. Der Nebel zeigte sich jedenfalls sehr schwach und war eher durch einen Unterschied in der "Hintergrundhelligkeit" zu entdecken als sonst was. Die Gegend um M24 ist so "reich", dass man allein hier sich stundenlang vergnuegen koennte, aber wir hatten noch einiges vor... Wir naeherten uns einem weiteren Hoehepunkt, M17, dem "Schwan", "Omega" oder "Hufeisen"-Nebel. Wiederum erwies sich 58x mit UHC Filter als gute Kombination, um die schwaecheren Nebelteile, die das "Hufeisen" bilden, sichtbar zu machen. Die Strukturen im "Schwan" selbst kamen bei hoeherer Vergroesserung, bis zu 116x, ohne Filter, am Schoensten heraus. Naechste Station bei M16, dem Adler oder "Starqueen" Nebel. Bei 58x mit UHC ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen, aber das arme Viecherl hat keinen Kopf :-) Von Norden ragt ein auffaellig dreieckiger Dunkelnebel herein. Die "Starqueen" selbst ist wohl mit so kleiner Oeffnung nicht wirklich rauszukitzeln, jedoch in der Mitte des Nebels konnte ich indirekt eine dunkle "Kraxn" (undefiniert) erhaschen. M27, und "zwei Sternhaufen westlich davon", landet man beim Haufen NGC6823 und dem umgebenden Nebel NGC6820. Es handelt sich um einen recht grossen, aber sehr schwachen Nebelfleck. Ich versuchte bei 32x mit UHC, aber nichts davon, absolut kein Nebel zu entdecken. Nunja, an dem habe ich schon einmal mit dem kleinen 5.7" MN nichts ausrichten koennen... Bei Sh2-101 war wohl auch zu viel gewollt. Ich hab diesen Nebel vom 18" wohl heller in Erinnerung als er tatsaechlich ist. Demgemaess war auch nichts bis gar nichts davon zu bemerken. Hatte ich bei 32x mit UHC noch den Eindruck, da koennte ein asymmetrisches Nebelfleckerl von einem Stern weghaengen, war bei etwas hoeherer Vergroesserung rein gar nichts zu sehen - ich werte dies also als negativ. Nach diesen erfolglosen Versuchen wieder ein "Schaustueck" - der Cirrus-Nebelkomplex. Als "Test" versuchte ich bei 40x ohne Filter, und konnte wohl den "Feuervogel" und den grossen Bogen oestlich davon ausnehmen. Dann mit UHC, als wenn jemand das Licht angeknipst haette... Bei 32x ergab sich ein schoenes Uebersichtsbild mit dem "Feuervogel" im Westen, dem Bogen im Osten und dem dreieckigen Nebelfetzen in der Mitte. Bei 40x bester Gesamteindruck, und bei 58x die beste Detailerkennung. Oh, sicher habe ich den Cirrusnebel schon oft beobachtet, doch jedesmal wieder entdeckt man etwas, was vorher vielleicht noch nicht, oder nicht so deutlich aufgefallen war... Der Gamma-Cygni Nebelkomplex (IC1318) war unser naechster Halt. Hier wurde die Gegend mit 32x und UHC-Filter "abgesurft". Mir kamen die Nebelmassen etwas matt vor... Und dieser Eindruck wurde bestaetigt, als wir bei NGC6888, dem "Crescent" Nebel, anlangten: Den haben wir definitiv schon besser gesehen, mit dem kleinen 5.7" MN. Immerhin, die uns bekannten Nebelfetzen von IC1318 waren alle zu finden, nur mangelte etwas an "Struktur", die wir schon von frueheren Beobachtungen her kennen. Ein Indiz, dass diese Nacht nicht wirklich "top" war... Weiter ging es zum Nordamerika und Pelikan Nebel. Beide bei 32x schon ohne Filter aufzuspueren, wirkt der UHC-Filter wiederum "Wunder". Keine Frage, warum speziell der Pelikannebel frueher als schwieriges Objekt galt. Nun, mit Filter, konnten wir auch die Nebelflecken IC5068 sehen. IC5146, der Cocoon-Nebel war das naechste Ziel. Bei 32x bietet dieses Himmelsareal im 5.7" MN herrliche Anblicke. Ein riesiger, langer Dunkelnebel, in den man eine "Sternstrasse" hineinzubauen versucht hat, aber dann ist ihnen offensichtlich doch das Geld ausgegangen :-) Man kommt bei M39 vorbei, einem lockerem Haufen aus hellen Sternen, und schliesslich findet man am Ende des dunklen Nebelschlauches ein "Wattebaellchen" mit ein paar Sternen druebergesprenkelt, das ist der Cocoon-Nebel. Indirekt schwach, ohne Filter. Und wenn man diese Gegend abseits der Dunkelnebel "scannt", achte man auf den Himmelshintergrund: als wenn jemand feinsten Gries verstreut haette, so macht sich die Fuelle an schwachen Hintergrundsternen bemerkbar, ein wahrhaft beeindruckendes Erlebnis. Auch Walter war schwer begeistert. Um IC1396, den grossen Nebelfleck im Cepheus ins Visier zu nehmen, mussten wir etwas warten, der Tubus des Teleskops stand gerade ungluecklich an einem Stativhaxn an. Deshalb weiter zu NGC281, dem "Pacman"-Nebel. Bei 32x mit UHC nicht zu uebersehen, der schwaechere Teil allerdings erst bei genauerem Hinsehen, indirekt. Am doch sehr stark aufgehellten Nordosthimmel versuchten wir uns an NGC1499, dem "California" Nebel. Bei 32x mit H-Beta Filter mussten wir allerdings erfolglos aufgeben, der Hintergrund war einfach zu hell. Und nun nocheinmal zu IC1396, der sich suedlich des "Garnet-Star" My Cephei erstreckt. Bei 32x mit UHC-Filter konnten wir die noerdlichen Nebelteile, die ja auch die hellsten sind, doch einigermassen deutlich ausmachen, speziell wenn man in Ost-West Richtung ueber den Nebel "druberfaehrt", entdeckt man im Osten eine recht deutliche Nebelkante. Das Suedende des Nebels verlaeuft diffus im Sternengewimmel. Nachdem dieser Nebel generell schwierig zu Spechteln ist, nahm sich auch Walter einige Minuten Zeit, um meine Angaben nachzupruefen, kam letztlich aber zum gleichen Ergebnis. So, damit war unsere "galaktische Reise" auch schon wieder beendet. Waehrend ich meine Sachen einpackte, sahen wir eine hellen Vertreter der Kappa-Cygniden Richtung Perseus fliegen. Meingott, sind die langsam! Da moecht' man ja fast anschieben :-) Beim Heimfahren bot sich in der beginnenden Morgendaemmerung noch eine reizvolle Parade am Osthimmel: Saturn, die breite Sichel des abnehmenden Mondes, Jupiter und Venus, wie Perlen an einer Kette entlang der Ekliptik aufgefaedelt. Dazu Aldebaran, die Pleiaden, und tief im Suedosten der aufgehende Orion... #owdii