Mondnacht mit Deepsky Beobachtung (13. 8. 2016, Klement/Au)

Wolfgang Wiesinger hatte zu einer Beobachtungsnacht auf dem Sternwartengelände des Vereins geladen. Wir rechneten, noch ein paar Perseiden sehen zu können, jedoch nahmen wir auch Teleskope mit, sonst wäre es vielleicht schnell fad geworden. Wolfgang hatte seinen neuen APM 140mm SD Refraktor mit, ich meinen alten APM Vierzoll Triplet Refraktor. Durch den gucke ich eigentich etwas zu selten durch, also wieder mal ans Sternenlicht damit.

Ich traf etwa um 20:30 am Beobachtungsplatz ein, es war noch so hell, dass ich ohne Licht zufahren konnte. Mein zuerst anvisierter Stellplatz war zwar soweit ok, doch wollte ich das Auto anders positionieren, um mir nicht mit der offenen Heckklappe womöglich den Himmel zu verstellen. Dabei landete ich in einem Nest von Flugameisen. Binnen kürzester Zeit war mein Auto von diesen Viechern dicht überzogen. Ich flüchtete unvermittelt an einen anderen Platz, und versuchte die unliebsame Dekoration auf meinem Auto durch Blasen los zu werden. Irgendwie hat sich das Problem gelöst, aber selbst am nächsten Tag daheim hatte ich noch ein paar Ameisenleichen auf meinen Autodach.

Es war klar, der Mond würde uns fast die gesamte geplante Beobachtungszeit begleiten. Den Monduntergang wollte ich auf jeden Fall abwarten. Die Nacht begann mit leichtem Wind, und etlichen Schleierwolken. Es wurde erst mäßig feucht, nachdem der Wind eingeschlafen war, ziemlich heftig feucht. Erst gegen den Morgen zu kam wieder Wind auf, der sogar mehr und mehr auffrischte. Ein paar Schleierwolken gab es in der Dämmerung, und da und dort während der Nacht Nebelwolken. Es herbstelte bereits kräftig. Überraschenderweise war der Himmel aber trotz der Feuchte recht dunkel. Mondlicht und dennoch 5 mag im Kleinen Wagen, nicht übel. Ich kenne feuchte Nächte aus dem Weinviertel zur Genüge, da wird der Himmel meist matt. Nicht so dieses mal.

So gab es neben den Perseiden, die wir fallweise, so wir nicht grad ins Okular blickten, auch einiges an Deepsky Objekten zu sehen. Was man halt bei mondhellem Himmel machen kann. Stellare Objekte, und eher kleine Objekte mit hoher Flächenhelligkeit.

In der zu Ende gehenden Dämmerung nahm ich Mond, Mars und Saturn ins Visier. Die beiden Planeten stehen ja heuer sehr tief am Himmel, und hatten für diese Nacht auch schon längst ihren Kulminationspunkt überschritten. Dementsprechend erwartete ich mir nicht viel. 

Der Mond erschien in meinem Vierzoll APO bei 37x kalkweiß, und bei dieser Vergrößerung auch scharf, es gab kaum Seeingwallungen. Genauso war es im 140er Refraktor von Wolfgang zu sehen. Weiter interessierten wir uns nicht für den Mond, höchstens für den Zeitpunkt seines Untergangs am Westhorizont.

Mars zeigte schon bei relativ niedriger Vergrößerung ein starkes Beleuchtungsdefizit, sah eher nach Rugby Laberl aus. Rotes Ranftl oben, blaues unten, dennoch: die Polkappe stach hell heraus. Mit höherer Vergrößerung, bis 200x, war letztlich auch etwas "Dreck", ahem, Albedo Struktur, zu erkennen, Seeing Gezappel hin oder her. Ich habe meinen Vierzoll APO dann noch bis 320x getrieben, und konnte tatsächlich noch etwas mehr erkennen. Das Gesehene stimmt mit einer Calsky Simulation für einen Vierzöller bei vergleichbar großer Darstellung wie im Okular recht gut überein.

Auch an Saturn gab es diese refraktionsbedingten Farbränder. Sei es vom Tubus, der Atmosphäre, oder beidem. Freilich zauste das Seeing auch an Saturn, dennoch konnte ich selbst bei 320x noch scharf stellen, und die Cassini Teilung war klar erkennbar, detto das Wolkenband auf Saturn. Mehr geht unter diesen Umständen sowieso nicht. Ich nahm das 2,5mm Okular und ging damit zu Wolfgang, um es am 140mm Refraktor zu versuchen. Auch da gab es diese refraktionsbedingten Farbränder, sonst: selbes Bild wie in meinem Triplet APO. Also der 140er hat als Zweilinser keinen Blauhalo gezeigt, obwohl wir mit 392x unterwegs waren. Das heißt, die Farbkorrektur dieses SD Doublets ist schon sehr gut.

Der Doppelhaufen h+χ Persei, war in meinem 100er Triplet APO bei 37x ein Zuckerstück. Hier ist eine niedrige Vergrößerung durchaus von Vorteil. Die beiden Haufen sind schön von Himmel umrahmt, und erscheinen kompakt. Die Sterne waren gestochen scharf, und die rötlichen Sterne in und um die Haufen kamen sehr schön zur Geltung. Vor allem, in der Gegenrichtung zum Mond war der Himmel im Okular auch hübsch dunkel.

NGC 6543, der Katzenaugenebel, ist reich strukturiert. Um davon etwas in Teleskopen mit moderater Öffnung zu sehen, muss man die Teleskope regelrecht "würgen", d.h. in sehr hohe Vergrößerung treiben. Ich stand grad bei Wolfgang, so knöpften wir uns dieses Objekt in seinem 140er SD-Zweilinser vor. Wolfgang ging mal bis zu 245x, aber das ist noch zu wenig. Man sieht einen hellen, länglichen Knödel. Rein mit dem 2,5mm Okular, bei 392x. Wolfgang meinte erst, es sei größer, aber strukturlos. Nun klemmte ich mich ans Okular, suchte den perfekten Fokus und verbrachte einige Zeit am Okular, schon deswegen, um ein wenig an Dunkeladaption zulegen zu können. Hui, da war sehr wohl was zu sehen! Mir erschien es wie ein hellerer Außenrand des ovalen Nebels, dem ein kleinerer, hellerer ovaler Ring eingeschrieben ist, und mitten drin war der Zentralstern, nicht so schwierig zu sehen! Wolfgang nahm sich dann auch die nötige Geduld, und konnte meine Sichtung bestätigen. Fein fand ich, dass der Refraktor selbst bei dieser hohen Vergrößerung eine tolle Abbildungsleistung bot. Wolfgang ging nochmals mit einem OIII Filter drauf. Da waren diese Strukturen deutlicher zu sehen.

Als nächstes Objekt schlug ich M76 vor. Der Kleine Hantelnebel ist zwar etwas größer und relativ lichtschwach, doch wir wollten sehen, was geht. In meinem Vierzöller erschien dieser Nebel als "Korken" mit etwas Struktur. Sicher hätte ich noch etwas mit der Vergrößerung spielen können. Ich ging dann zu Wolfgang und wir sahen uns M76 in seinem 140er Refraktor an. Bei 122x war das, was ich im Vierzöller erkannte, deutlicher, und: die hellsten Teile, also die Ansätze der "Schmetterlingsflügel", konnten wir durchaus ausnehmen. Zwar etwas schwierig, aber doch. Nicht übel für die gegebenen Verhältnisse! Und das ohne Nebelfilter.

Blue Snowball Nebula, NGC 7662, zuerst im 140er Refraktor. Wir gingen wieder bis zu 392x drauf. Ohne Filter. Zu sehen war ein türkisblaues Scheibchen mit einem eingeschriebenen helleren ovalen Ring, das Zentrum erschien dünkler und drin der Zentralstern. Ich wanderte dann zurück zu meinem Teleskop, und stellte dieses Objekt ein. Bei 200x, ohne Filter, zeigte der Vierzöller ebenfalls das merkbar türkisblaue Scheibchen mit dieser ovalen Innenstruktur, auch der Zentralstern war eher leicht zu erhaschen. Ich war darob etwas perplex, Wolfgang, der den Blue Snowball auch in meinem Teleskop bewundert hat, ebenfalls.

Wolfgang stellte in seinem Teleskop ein kleines Zuckerl ein, den Sternhaufen NGC 1502. Dieser Haufen liegt an einem Ende der Kemble's Cascade, etwas seitlich davon. Es ist eine schöne Sternengruppe, in deren Zentrum ein optischer Doppelstern zu finden ist. Wenn ich die Vergrößerung einschätze, dann war wohl das 8mm Okular drin, 122x.

Wir nähern uns dem Monduntergang. Die klare Luft zeigte sich bei der Betrachtung des untergehenden Erdtrabanten. Er war tiefgelb gefärbt, mit einem Anflug an Orange. Meist sieht man den Mond so tief am Horizont tief orange bis rot. Nach Monduntergang wartete ich noch ein Weilchen, dann schnappte ich das SQM-L und hielt es in den Himmel. Nicht übel, 21.15 mag/arcsec2 wurden im Mittel angezeigt. Jaja, durchaus, ein 6 mag Zenithimmel! Schon eine der besten Nächte, die man so im Weinviertel haben kann! Hat sich ja auch bei unseren Beobachtungen gezeigt, dass der Mond zwar den Himmel aufgehellt hat, aber durch die extrem klare Luft war die Streuwirkung gering. Wir waren zu dieser schon fortgeschrittenen Stunde zwar alle schon etwas müde, doch ein paar Dinge sollten schon noch bewundert werden...

Wolfgang nahm nun den Cirrus Nebel ins Visier. Ich bekam grad die "Knochenhand", NGC 6992, ohne und mit OIII Filter zu sehen. Mit Filter natürlich eindrucksvoll, aber auch ohne Filter sichtbar. Muss aber sagen, mein Eindruck ohne Filter war in der besagten Oberleiserberg Nacht am 29. Juli mit dem 140er Refraktor etwas besser. Es mag sein, dass die Feuchte dieser Nacht hier am Sternwartengelände etwas gekostet hat. Die Nacht damals war trocken. Das kann einen kleinen, feinen, Unterschied ausmachen.

Etwas später versuchte ich mich am Cirrus Nebel auch im Vierzoll Refraktor. Ich hatte dazu das 27mm Panoptic Okular (30x) mit UHC Filter bestückt. Erst mal auf NGC 6960, den Westteil (the "Witch's Broom"). Der "Besenstiel", der hellere Teil um den Stern 52 Cygni, war relativ leicht zu sehen. Den in zwei Linien auffächernden Teil auf der anderen Seite des Sterns konnte ich erahnen, vor allem, wenn ich mit der Steuerung das Objekt im Feld etwas bewegte. Ich drückte dann einfach die Ost Taste auf der Steuerung um zum Ostteil des Cygnus Loop, der "Knochenhand", zu gelangen. Dieser Bogen war ohne große Probleme zu sehen, jedoch deutlicher, wenn ich das Objekt im Feld etwas bewegte. Man merkt hier doch, dass der 140er essentiell mehr Licht liefert als der Vierzöller. Sicher, ich hätte mit etwas höherer Vergrößerung spielen können, um mehr rauszuholen, aber ich war auch schon etwas angeknackst zu dieser späten Stunde. Irgendwann wird man müde, auch wenn ich mir zwischen durch ein Doserl Energy Drink einverleibt hatte...

M31, die Andromeda Galaxie, durfte ich bei Wolfgang in seinem 140er Refraktor bewundern. Allzu viel Zeit habe ich nicht am Okular zugebracht, aber mir dennoch einen Überblick verschafft, was zu sehen war. Später habe ich M31 auch in meinem Vierzöller angeschaut, bei 37x. Wolfgang hatte eine etwas höhere Vergrößerung gehabt. Also ja, ich konnte die Spiralarme genauso weit hinaus verfolgen wie im größeren Refraktor, M32 und NGC 205 waren auch in meinem kleinen Röhrl sehr gut sichtbar. Die "Sternwolke" NGC 206 war in beiden Instrumenten etwa gleich gut sichtbar. Das Zentrum transluzent, mit einem nahezu sternförmigen Kern. Für die Staubbänder hat es in keinem der beiden Refraktoren gereicht. Im 140er hätte ich wenigstens drauf gehofft, im Vierzöller weniger. Aber das dürfte uns die Feuchtigkeit der Nacht doch gekostet haben. Zumindest erinnere ich mich an div. Sichtungen mit meinem 145mm f/6 Maksutov-Newton, aber an Standorten wie z.B. Ebenwaldhöhe. Dort ist der Himmel in guten Nächten doch merklich besser als es hier im Weinviertel je sein kann.

M33, die Dreiecksgalaxie, war in dieser durchaus feinen Nacht freisichtig auszumachen. Nicht allzu schwierig. Im Vierzöller war sie auch nicht schlecht zu sehen, erstaunlich hell bei 37x. Ein durchaus feiner, sehenswerter Anblick. Ich hätte nun mit der Vergrößerung spielen können und noch mehr rausholen können, div. Knoten etc. aber nach der Abfahrt von Wolfgang war ich auch schon geistig eher am Zusammenpacken, und der nun aufkommende Wind gab mir quasi den Rest.

Wenigstens sind Teleskop, Montierung, wie Stativ etwas abgetrocknet, bis ich sie abbaute. Alles war ja pitschnass, und wenn ich nicht einen extra Akku und einen 12V Heizlüfter mit gehabt hätte, wäre wohl weit früher für mich Schluss gewesen. Ich musste etliche Male die Linse meines Refraktors trocken blasen, und auch diverse Okulare. Hier wäre anzumerken: Die Taukappe des 140er Refraktors ist erstens länger, an meinem Vierzöller ist es mehr nur ein Streulichtschutz. Und, die Taukappe am 140er hat am Vorderende innen einen Ring. Das macht viel aus. Fakt: Die Linse des 140ers ist in dieser sehr feuchten Nacht klar geblieben.

Was man aus dieser Nacht ziehen konnte: Selten in einer Mondnacht so viel beobachtet. Der 140er Refraktor hat bei sehr hoher Vergrößerung brav mitgespielt. Das macht ja den Zauber eines Refraktors aus, dass man ihn in die Übervergrößerung ziehen kann, und er hält das Bild noch zusammen. Mein extrem farbreiner Vierzoll Triplet Refraktor hat sich auch tapfer geschlagen, wie ich ihn kenne. Eines kann er halt wirklich gut: Stern Eigenfarben sehr intensiv zeigen. Speziell an roten und tiefroten Sternen merkt man das. Wäre die Nacht trocken gewesen, ich denke, nach Monduntergang hätten wir einen noch tolleren Himmel gesehen.

Was wir Teleskop Beobachter aus dieser Nacht nicht ziehen konnten: Viele Perseiden. Ein paar haben wir dennoch gesehen, für mich sowie für Wolfgang war sogar je ein Bolide dabei.

Howdii


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