Beobachtungsbericht vom 7./8. 5. 2002, Niederleis (CCD Imaging, Ikeya-Zhang)

Am 7. 5. 2002 wollten Walter und ich die Nacht für eine kurze CCD-Session nutzen, um mit meinem 8" f/6 Maksutov-Newton ein paar Galaxien abzulichten. Ich war schon in der späten Dämmerung an unserem Beobachtungsplatz bei Niederleis. Bis Walter kam, hatte ich bereits mein Teleskop aufgebaut, und war gerade mit der Poljustierung beschäftigt. Dann wurden Notebook und CCD Camera vorbereitet, und los ging's. Beim Fokussieren des CCDs dann die erste Panne: Es will nicht scharf werden, irgendwie sieht man an den laufend angezeigten Bildern keine Fokusänderung, obwohl ich am Fokussierer herumdrehe. Dann ein Blick mit der Taschenlampe - auwei, ich steh schon innen an. Ja zum Kuckuck, wir haben doch schon mit diesem Teleskop CCD Bilder gewonnen! Langsam dämmerte es mir, dass ich damals dazu einen flacheren Einsatz eingeschraubt hatte. Der lag jetzt natürlich daheim. Das war's dann wohl. Gut, meinte Walter, dann würde er halt fotografieren, mit seinem 8" SCT. Er kramte eine Weile in seinem Auto herum, um dann festzustellen, hoppala, kein Stativ dabei...

Na das war's dann wohl, ich wollte schon CCD und Notebook einpacken, aber Walter meinte, die Nacht (an die 6 mag!) wäre einfach zu schön - ohne ein Bild zu gewinnen, wollte er nicht aufgeben. Na gut, ich hatte aber in meinem Auto ein regelrechtes Chaos mit Kabelsalat veranstaltet, und hätte wohl eine halbe Stunde gebraucht, um den Kübel transportbereit hinzukriegen, und danach hätte ich wieder alles aufbauen und neu verkabeln müssen. Da bot mir Walter seinen Golf an. Ich düste daraufhin heim, um den fehlenden Adapter zu holen.

Bis ich wieder kam, hatte Walter mit dem Teleskop einstweilen einige genußvolle Beobachtungen angestellt. Er erzählte mir von M3 bei 300x, mit fein aufgelösten Sternen, und von den zahlreichen Galaxien, die er beobachtet hatte.

Nun war es aber schon recht spät geworden. Das Teleskop wurde flugs umgebaut, Notebook und CCD wieder hochgefahren, und jetzt ging es wirklich los. Als "Opfer" suchten wir uns einmal M51. Schließlich gelang uns eine brauchbare Aufnahme von 15x30 Sekunden, mit dem Track&Accumulate Verfahren. Das fertige Bild zeigt interessante Details und etliche Hintergrundgalaxien.

Wir wollten auch noch NGC4565 "einfangen". Das Bild zeigte uns aber, dass dazu wohl Einiges länger belichtet werden müsste, um die Galaxie brauchbar schön darzustellen.

Walter musste schließlich schon heimfahren. Ich versprach, mich derweilen noch um die beiden Kometen Ikeya-Zhang und LINEAR WM1 zu "kümmern". Walter wollte mir noch die aktuellen Koordinaten anbieten, doch ich winkte ab, wird doch nicht so schwierig sein, die beiden Burschen zu finden. Ahem, vielleicht hätte ich doch auf Walters Angebot eingehen sollen. Schon den Ikeya-Zhang zu finden bereitete mir einige Mühe, zumal ich nicht einmal einen Feldstecher mit hatte. So mußte ich mit dem Sucher am Himmel herumstochern. Nach einigen Versuchen hatte ich schließich doch den Kometen geortet. Im Teleskop bei 55x dann eine etwas herbe Enttäschung: Die Koma erschien nach wie vor recht hell, doch vom Plasmaschweif, der in den vergangenen Tagen so interessant war, konnte ich kaum etwas ausnehmen. Den LINEAR WM1 konnte ich gar nicht mehr finden. Ich hatte gedacht, in vier Tagen würde der Kerl doch nicht so weit kommen, doch ich hätte eigentlich nach unserer letzten visuellen Beobachtung gewarnt sein müssen - so per Zufall stolpert man nicht über dieses Objekt, da muss man schon die Position recht genau wissen. Zudem vergrauste mir der heftiger werdende Ostwind die Sache. Solange ich noch beim Notebook im Kofferraum meines Autos gehockt war, hatte ich den Wind nichteinmal viel bemerkt, nun war ich ihm aber relativ ungeschützt ausgesetzt, und schlicht nicht warm genug dafür angezogen. So packte dann auch ich meine Sachen zusammen.

Bis ich heimkam war es zwar noch dunkel, die Vögel kündeten jedoch den beginnenden Morgen schon lautstark an...

#owdii


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