Beobachtungsbericht - 6. 3. und 9.3. 2008 (Oberleis, Mistelbach)

Der regelmäßige Termin der Leiser Astrorunde wurde dieses mal kurzfristig zu einem reinen Beobachtungstreffen umdisponiert, weil Ludwig Grandy einen Fujinon 25x150 "Riesenfeldstecher" als Sensation bringen wollte, und auch eine klare Nacht zu erwarten war. Das mit der klaren Nacht war jedoch am 6. März auf einmal gar nicht mehr so sicher. Die Bewölkungsprognosen waren sich jedenfalls nicht einig. Da hieß es einfach abwarten. Ich rechnete jedenfalls schon damit, dass sich die Wolken, die das Genua-Tief bis zu uns geschickt hat, in der Nacht weitgehend auflösen würden.

Um etwa 19 Uhr startete ich von Wien Favoriten aus direkt zum Oberleiser Berg. Mit dabei war mein 5.7" f/6 Maksutov-Newton. Ich hatte ein bissl was vor... Bei meiner Ankunft war schon großer Auflauf am Berg. Der Riesenfeldstecher hatte auch Alex Pikhard samt WAA Anhang "angezogen". Mit 0 Grad war's hier zwar nicht kalt, aber leichter Wind aus südlicher Richtung machte die Sache relativ ungemütlich. Ich baute daher mein Teleskop im Windschatten der geöffneten Heckklappe meines Kombis auf. So war es einigermaßen auszuhalten, wenn auch das Nasentröpferl ständig lief ;-)

Die Menschentraube um den 25x150 Feldstecher war dermaßen groß, dass ich mich gleich gar nicht um einen "Durchblick" bemühte. Ich bekam aber alles mit, was beobachtet wurde, und wie es aussah, weil Alex seine Eindrücke der wartenden Runde kundtat. Würde schon später noch Zeit sein für mich, einen Blick durch dieses Gerät zu erhaschen... Also reckte ich die Nase gegen den Himmel, um die Qualität abzuchecken. Verdammt, was soll der helle Lichtschein da im Norden? Ahja, Donnerstag ist Fußballabend - überall die Flutlichtanlangen. So gesehen gestand ich dem Himmel gut 5.5 mag zu, ein 6 mag Himmel sieht aber doch ein bissl anders aus. Der Winterhimmel mit seinen eindrucksvollen Sternbildern, wenn einem die hellen Sterne nur so entgegenfunkeln, das verleitet zu leicht optimistischer Bewertung. Ich beobachte aber schon zu lange im Weinviertel, als dass ich auf so etwas noch "reinfallen" würde. Mein Astropartner Walter, der später kam, schätzte auch auf gute 5.5 mag, ebenso an einem anderen Beobachtungsplatz bei Großmugl, den er auf der Heimfahrt aufsuchte.

Dass ein guter Himmel am Oberleiser Berg einen etwas besseren auf der Brunnalm nicht ersetzt, musste ich bei meinem ersten Objekt zur Kenntnis nehmen. Ich versuchte mich am Kugelhafen Palomar 2. Langsam tastete ich mich hin zu der Stelle, hatte noch recht gut im Kopf wo, weil ich noch zu Mittag im Planetariumsprogramm die Umgebung inspiziert hatte. Es war aber doch eine Sucherei, bis ich sicher war, dort zu sein. Bei 87x hängte ich mich dann mit indirektem Blick dran, um die betreffende Stelle zu untersuchen. Mal hatte ich den Eindruck, da ist etwas, mal wieder nicht. Das ging öfter so dahin. Ich versuchte auch mit leichtem Schwenken des Teleskops zum Ziel zu kommen, doch es blieb dabei, mehr als vage, sehr unsicher. Und grad dabei schoss mir auf einmal so ein "deja vu" Gefühl ein - da war ich doch schon einmal, mit ebenso einem unsicheren Ergebnis :-) Richtig, im Dezember 2006 hatte ich dieses Objekt bei einer Beobachtung auf der Brunnalm schon probiert. Also, irgend etwas hat's da, entweder war der Himmel noch nicht gut genug, oder ist der kleine Maksutov-Newton doch zu klein ;-)

Weiter ging es mit dem Planetarischen Nebel (jaja, Schuster bleib bei deinem Leisten...) NGC 1514. Zur Suche hatte ich einmal 40-fache Vergrößerung drinnen. Die Position ist relativ leicht zu identifizieren, der 9.4 mag Zentralstern steht etwa in der Mitte zwischen zwei 8 mag Sternen, das ganze gibt eine grob N-S gerichtete Dreierkette. Der Nebel hat 10 mag, und einen Durchmesser von 1.9'. Bei indirektem Blick offenbarte sich bereits vage eine Nebelhülle um den Zentralstern. Ich steigerte die Vergrößerung erst auf 87x, dann noch auf 116x. Nun war es "sonnenklar" für mich. Doch um den Nebel herzeigen zu können, griff ich noch zum OIII Filter, das brachte wirklich besseren Kontrast, der Nebel war durchaus gut zu sehen als runder Nebelfleck, gegen den Rand zu heller, zum Zentrum hin dunkler.

Mittlerweile war die Warteschlange vor dem 25x150 Fujinon nicht mehr so lang, so stellte ich mich auch an. Zu sehen gab es grad das "Leo Triplet" M65, M66, NGC 3628. Tja, Binos und meine Augen, das will einfach nicht recht zusammen, ich hab's befürchtet, ich hab's gewusst.... Sicher, wenn ich es schaffe, die Bilder kurzfristig mit viel Konzentration zur Deckung zu bringen, schweben die Galaxien quasi im Raum, es ergibt sich ein ungemein plastischer Eindruck. Doch für mich ist das ein leidiges Thema, und keine nähere Überlegung wert. Wenn ich mit Binos was anfangen würd', ich hätte längst schon einen Großfeldstecher... So bleibt mir aber nur das "Zyklopendasein", das einäugige Beobachten am Teleskop. Das geht bei mir deutlich besser.

Als letztes Objekt gab es Saturn zu sehen, ich ging bis auf 440x, aber das Bild war weit nicht das, was wir vor etwa 3 Wochen am Schatzberg bei Wulzeshofen gesehen haben. Das Seeing wollte heute nicht mitspielen. Eine enge Stellung der Monde Tethys und Dione wollte mein Röhrl nicht zeigen. Der Planet war in einem auffallend hellen Lichthof zu sehen. Vermutlich war mein 4mm Zeiss Abbe Okular wieder einmal dreckig. Passiert immer wieder, speziell bei ungeübten Beobachtern, dass die das kleine "Knopfloch" von Einblick nicht finden, und dann kommt es leicht so, dass das Okular fettverschmiert ist. Dann leidet die Definition der Abbildung sowieso...

Die Wolken wurden im Laufe der Nacht wieder lästig. Von Süden her drängten immer mehr Schleierwolken herauf. Bis ich als Letzter den Beobachtungsplatz verließ, war der Himmel schon bis über den Zenitraum "zu".

Beim Heimfahren fotografierte ich noch die vorbildliche Straßenbeleuchtung von Nodendorf - es geht wirklich ohne Lichtschwammerl über der Ortschaft! Hier wird der Boden beleuchtet, nicht die Luft!

Nodendorf von Norden gesehen, rechts dahinter das Kalkwerk Ernstbrunn. Die roten Lichter links am Horizont gehören zu Windkraftanlagen

Am 9. 3. war es zwar sonnig und relativ mild, es gab aber genug Wolken am Himmel. Überraschenderweise kündigte sich eine klare Nacht an. Der Dämmerungshimmel hatte einen leicht türkisfarbenen Einschlag, das deutet normal auf recht klaren Himmel hin. Doch Stadthimmel ist Stadthimmel, und die M-City trägt das ihre dazu bei... Bei einem müden 4 mag Himmel (UMi) startete ich die Beobachtung in meiner Sternwarte. Erst nach Abschalten der M-City Außenbelechtng um 22 Uhr konnte ich 5 mag erreichen.

Als "Wiederholungstäter" kletzlte ich just an denselben Objekten herum, die ich ein paar Tage zuvor am Oberleiser Berg beobachtet hatte. Erst einmal stellte ich mich blöd an bei der Aufsuche des Pal 2 Kugelhaufens. Aber kaum schaut man auf der Sternkarte beim richtigen Stern, passt auch der Himmel dazu ;-) Dann ging es aber zack-zack, und ich war flugs auf der korrekten Position. Und was jetzt? "Brechstange" mit 8" bei einem müden 4 mag Himmel? Unglaublich, aber bei 80x und auch bei 120x konnte ich zwar selten, aber immer wieder an der gleichen Stelle ein mattes Fleckerl ausnehmen. Immer noch vage, aber doch sicherer als alles was ich bislang an diesem Objekt erspechtelt habe. Den Durchmesser würde ich visell eher mit 1 Bogenminute angeben, die 2 Bogenminuten aus den Daten betreffen wohl den fotografischen Durchmesser des Haufens.

Auch an NGC 1514 machte ich mir nochmals zu schaffen. Der stand aber schon deutlich tiefer, und ich brauchte ein ganzes Weilchen bis ich die richtige Stelle gefunden hatte. Im Sucher waren die schwachen Sterne, die ich zur Orientierung brauchte, kaum oder nicht sichtbar. Ich musste mich im Okular per Starhop langsam "anpirschen". Beste Eindrücke von dem Objekt hatte ich dann mit OIII Filter bei 60x bis 80x. Mit UHC Filter ist der Nebel deutlich schlechter sichtbar.

Mars gibt wirklich nicht mehr viel her. Immerhin konnte ich bei nur 120x (mehr wollte das Seeing - lokal bedingt - nicht zulassen) die Südpolkappe erkennen, und anhand der dunklen Struktur und deren Lage die gerade sichtbare Seite erraten - der Mars Previewer II bestätigte meine Vermutung.

Ab und zu bildeten sich Nebelwölkchen, die ebenso schnell wieder verschwanden, wie sie sich gebildet hatten. Bisweilen schafften die Wölkchen aber den ganzen Zenitraum zu beanspruchen.

Mein letztes Objekt war Saturn - immer wieder eine leckere Sache. Bis 300x war der Anblick toll, das Seeing gab Momente her, wo Saturn messerscharf wirkte. Die Cassini Teilung war in diesen Augenblicken deutlich zu sehen, in beiden Hemisphären der Saturn-"Kugel" konnte ich je ein Wolkenband erkennen, und ja, knapp 3 Wochen nach der Opposition wirft Saturn bereits wieder einen schmalen Schatten auf den Ring. 400x wollte das Seeing aber nicht mehr zulassen. Titan, der mir als Fokussierhilfe diente, war da kaum noch scharf zu sehen, immer leicht verwuselt. Das hielt mich letztlich auch davon ab, noch die Webcam in Betrieb zu nehmen. Als "Betthupferl" war der schöne Saturneindruck allemal tauglich.

#owdii


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