Beobachtungsbericht vom 6. Juli 2016, Oberleis

Vom Wetter her, aus astronomischer Sicht, war das Frühjahr sehr zäh. Seit Sommerbeginn hat sich daran nicht allzu viel geändert. So manche vermeintlich sich anbahnende klare Nacht war's dann doch nicht, oder die Wolken haben sich erst gegen Morgen hin aufgelöst. Freilich, der nächste Vormittag dann immer mit blitzblauem Himmel. So ist es uns auch in dieser Woche ergangen. Wir haben schon am Montag gedacht, es könnte klappen. Nichts. Am Dienstag schien es erst sogar sicherer, dennoch ,wieder nichts. Jedesmal bildeten sich nach Sonnenuntergang Wolken, die sich nur zäh oder nicht auflösen wollten. Aber der Mittwoch, ja, da sah das Satbild gut aus. Also mal los.

Ich steckte meine Nase in den Himmel, ein paar Wölkchen hatten sich auch heute in der Abendthermik gebildet, sie zeigten aber Auflösungstendenz, während sie rasch nach Osten weiter zogen. Das sollte passen. Rein mit dem Gerümpel ins Auto, und Abfahrt. Nun, kaum aus der Stadt draußen mit freiem Blick nach Westen sah es gar nimmer so toll aus. Da kam einiges an Wolken daher. Ich ließ mich aber nicht abschütteln, und fuhr auf den Oberleiser Berg. Andi war schon dort.

Etwas unschlüssig beobachteten wir den bewölkten Himmel. Ich wollte aber nicht vorschnell aufgeben. Und siehe da, die Wolken zogen doch nach Osten ab, der Zenitraum war schon frei. Da tauchten nochmals von West ein paar größere Wolken auf, aber danach sah es so aus, als wenn kein Nachschub käme. Und so blieb es zum Glück. Somit bauten wir auf, in der schon recht späte Dämmerung. Es war etwas windig, deshalb stellten wir unsere Autos strategisch auf - Nase gegen den Wind. Hinter der geöffneten Heckklappe gibt es etwas Schutz. Dafür war es trocken, keine Probleme mit Taubeschlag. Es war relativ kühl, deshalb brauchte man wärmere Kleidung. Gegen Ende der Beobachtung wurde zudem der Wind lästiger, und da hat das Gewand gerade noch gereicht. Dafür war der Himmel toll für hiesige Verhältnisse. Tief im Süden zogen ständig Wolken durch, auch über Wien lagen Wolken. die teilweise von unten grell beleuchtet waren. Der Himmel war darüber aber weitaus dunkler als es sonst der Fall ist. Die Milchstraße war eindrucksvoll zu sehen, selbst unter der Schildwolke konnte man wolkige Strukturen ausnehmen. So etwas habe ich zwar im Weinviertel schon erlebt, am Oberleiser Berg jedoch noch nie - selten ist es allemal. Im Zenitraum hatten wir gut und gern 6 mag. Der Kugelhaufen M13 war freisichtig leicht erspähbar.

Unser Instrumentarium: Andi mit C8, auf seiner Vixen SP Montierung mit Skysensor 2000 Steuerung, ich hatte den Vixen VMC 260L auf meiner iOptron ieq45. Der VMC 260L ist ein Kundengerät, ich wollte mir nun bei einer intensiveren Beobachtung eine Meinung zu dieser Optik bilden. Es geht um die Leistungsfähigkeit im Deepsky Bereich. Eine grundlegende Einschätzung habe ich ja schon,auch im Vergleich zu einem C9.25, und auch die Berechnung der Transmissionsverluste kommt dort hin: Der VMC 260L fällt in der Bildhelligkeit knapp unter das C9.25. Warum so viel Lichtverlust? Der zweilinsige Meniskus Korrektor vor dem Sekundärspiegel ist maßgeblich dafür verantwortlich. Rein die Reflexionsverluste an diesen zwei Linsen, sind nicht unerheblich, da diese Linsen zweimal vom Licht durchlaufen werden.

Der Vixen VMC 260L Field-Maksutov, hier auf meiner iOptron ieq45

Andis C8, es ist ein Celestar 8" SC OTA, auf seiner Vixen SP Montierung. Die Taukappe war Luxus, es blieb trocken

Es war noch nicht wirklich ganz Nacht geworden, und da der Südhimmel noch mehr oder weniger wolkenverhangen war, startete ich meine Beobachtungen am Nordhimmel mit dem Stern Lalande 21185. Es ist ein roter Zwergstern, den man nicht lange im Feld des Okulars suchen muss. Ich entdeckte ihn auf Anhieb an seiner deutlich rötlichen Farbe. Ich hatte das 27mm 2" Panoptic Okular im Zenitspiegel, das ergibt bei 3m Brennweite eine Vergrößerung von 111x.

Weiter ging es mit Campbell's Hydrogen Star (PK64+5.1). Gleich bei 111x juckte mich auch hier ein rötlicher "Stern". Freilich schwächer als der Lalande 21185, aber die Helligkeit reichte aus, um das Farbsehen zu triggern. Letztlich steckte ich mein Zeiss Abbe 6mm in den Auszug - satte 500x. Da war ein etwas längliches Nebelfleckerl zu erkennen, mit fallweise einer Helligkeitsspitze in der Mitte. Mit H-Beta Filter deutlicher, da kam auch der Zentralstern schärfer durch. Ohne Filter war die Sache verwaschener. Der OIII Filter brachte den Nebel zwar bei dieser Vergrößerung nicht zum Verschwinden, aber dämpfte die Helligkeit dramatisch. Hier ist eindeutig ein UHC, oder besser H-Beta Filter, angebracht.

NGC 6760 war mein nächstes Objekt. Dieser Kugelhaufen zeigte sich bei 111x deutlich als runder Nebelfleck mit einer Helligkeitskonzentration zur Mitte hin. Bei 300x entdeckte ich erst ein paar hellere Sterne drüber gesprenkelt, in den besten Augenblicken erschien der Haufen grießlig. Das kann etwa hin kommen. Die horizontal branch magnitude liegt bei 15.6 mag. Die hellsten Sterne sind dann auch etwas heller zu erwarten.

NGC 6749 ist eine ganz andere Sorte von Kugelhaufen - zumindest für den visuellen Beobachter. Im Okular erregte bei 111x ein schwacher Nebeltupf meine Aufmerksamkeit. Es war da irgendwas Nebeliges, ein Hauch von etwas. Indirekt richtig angespitzt kamen ein paar schwächere Sterndl zum Vorschein, die aber von der Lage nicht exakt zu dem Nebelfleck passten. Das ist wohl nichts, was mit dem Objekt in Zusammenhang steht. Bei 300x fand ich nur mehr diese Sternchen, aber von dem Nebelfleckerl sah ich nichts mehr, noch konnte ich dort irgend ein urschwaches Sterngefunkel erhaschen. Kein Wunder bei diesem Objekt: Die horizontal branch mangitude beträgt rund 19 mag. damit liegt dieses Objekt wohl jenseits der Möglichkeiten dieses verwendeten Teleskops, zumindest unter gegebenen Umständen. Dass es an besseren Beobachtungsplätzen einen dunkleren Südhimmel gibt, steht fest. Vielleicht könnte man im Idealfall die hellsten Sterne mit dem VMC 260L "ankratzen", aber sehr am Limit.

Genug damit, weiter mit Planetarischen Nebel. Z.B. M27. An dem konnte ich mich delektieren, ohne und mit Filter, wobei schon Unterschiede zwischen UHC und OIII zu sehen waren. Aber so wie ich den Hantelnebel zu sehen bekam, das deutete schon auf einen brauchbaren Himmel hin. Gut, dieses Objekt steht schon ein wenig höher am Himmel als die folgenden.

NGC 6790: Bei 111x verriet sich dieses Objekt als etwas zu dick geratener "Stern", der zudem leicht grünlich schimmerte. Bei 300x wurde ein ein deutlich sichtbares helles Knödelchen draus, gutes Ansprechen auf OIII Filter war feststellbar.

Die Suche nach NGC 6741 gestaltete sich ganz ähnlich. Ein zwar schwächeres "Sterndl" als bei NGC 6790, aber dennoch erregte es meine Aufmerksamkeit. Mit OIII Filter geblinkt hatte ich die Bestätigung. Bei 300x wurde ebenfalls ein kleines Knöderl draus.

NGC 6772 sah nach einem "klassischen" Planetarischen Nebel aus. Bei 111x ein bleiches, ca. 1' großes Scheibchen, auch ohne Filter zu sehen, mit OIII aber besser.

NGC 6781 ist eigentlich ein alter Bekannter für mich, aber man schaut gern wieder mal vorbei. Freilich war dieser Planetarische Nebel schon ohne Filter zu erkennen (111x). Andeutungsweise ein Ring, eine Seite heller. Mit UHC Filter eher eine Scheibe, mit OIII Filter auch, aber da wurde der Rand wieder stärker betont. Die ideale Vergrößerung fand ich bei 150x.

NGC 6804 entpuppte sich als Kleinod. Ein deutlich sichtbares Scheibchen, etwa nur halb so groß wie NGC 6772, aber merkbar heller. Dunkleres Zentrum, aus dem der Zentralstern hervorlugt. An einer Seite ein Sterndl am Rand des Nebels, auf der anderen Seite knapp außerhalb. Das Objekt in einem sternreichen Feld, ein reizvoller Anblick! Auch dieses Objekt spricht gut auf OIII Filter an.

Für den Crescent Nebel (NGC 6888) musste ich das langbrennweitigste Okular aus meiner Sammlung aktivieren: das 2" Pentax SMC-XL 40mm. Damit erzielt man am VMC 260L 75-fache Vergrößerung, aber man hat dennoch nicht mal ganz 3,5mm Austrittspupille. Bei diesem Objekt hätte ich mir schon etwas mehr davon gewünscht. Mit UHC Filter war dann noch das meiste zu erkennen: ein formatfüllendes Objekt. In den hellsten Partien des Bogens waren allerdings Strukturen zu erkennen. Eine ungute Sache ist, mit diesem Okular und Nebelfilter zu arbeiten. Irgendwie fällt neben dem Auge noch Himmelslicht ein, und dann spiegelt der Filter dieses Licht. Man sieht praktisch gar nichts. Mit den Händen muss man unerwünschtes Seitenlicht gut abschirmen, dann geht's.

NGC 6992/6995, die "Knochenhand" des Cirrusnebels, musste ich bei 75x mit UHC Filter abfahren. Da passt nur ein kleiner Ausschnitt ins Okular. Aber darin waren Strukturen zu sehen, nicht übel. Den krönenden Abschluss bildete NGC 6960, der "Hexenbesen". Gleiches Setup - der hellere Teil zeigte Strukturen, speziell die helleren Außenlinien des "Besenstiels" mit "Querverbindungen". Der Hammer war aber der Besen selbst, der fasrige Strukturen aufwies, und die zwei auffächernden Äste waren deutlich sichtbar. Da zeigte sich schon die Power des VMC 260L, es ist doch einen gewisse Lichtleistung da, aber man hat halt etwas höhere Vergrößerung, sieht daher leichter Details, und das Auflösungsvermögen der größeren Optik macht sich natürlich bemerkbar. Was hier ein bissl schwierig war: Mit den Händen am Okular Seitenlicht abschirmen und gleichzeitig Knöpferl drücken, um das Objekt abfahren zu können.

Man spürt irgendwie, wann es genug ist: Müdigkeit macht sich langsam breit. Durch die Kühle der fortschreitende Nacht und den auffrischenden Wind wurde es ungemütlicher. Es war 1:30 Uhr Sommerzeit, wie wir ans Abbauen gingen. Vor der Abfahrt nochmal ein genussvoller Blick zum Himmel: Der Wind hat zumindest eins bewirkt: Keine Feuchte, und diese ist wiederum oft der Grund, dass der Himmel im Laufe der Nacht matter wird. Diesmal hat es aber gehalten, bis zum Schluss. Eine respektable Nacht am Oberleiser Berg.

Howdii

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