Merkur und Venus: Beobachtungsbericht vom 4. 11. 2001, Mistelbach ================================================================= Das verlaengerte Wochenende zu Allerheiligen hatte aus astronomischer Sicht einiges parat: Am Morgenhimmel ein mehrere Tage anhaltender "Paarlauf" zwischen Merkur und Venus, und eine Saturnbedeckung durch den Mond am Abend des 3. November. Den 3. November wollte ich eigentlich schon astronomisch beginnen, um die enge Begegnung zwischen Venus und dem zu dieser Zeit beachtlich hellen Merkur in der Morgendaemmerung zu beobachten. Knapp vor Daemmerungsbeginn wagte ich den ersten Blick aus dem Fenster: Eine grosse Wolkenluecke im Sueden, der Osten bedeckt. Etwas spaeter war der ganze Himmel "zu", und auch ein dritter Versuch zeigte nur Wolken, und die Daemmerung hatte bereits merkbar eingesetzt. Damit war es also vorerst einmal nichts. Freilich standen beide Ereignisse auf meinem Programm. Allerdings fiel auch die Saturnbedeckung am Abend den Wolken zum Opfer, die nicht und nicht weichen wollten. Weder der Beginn, noch das Ende des Ereignisses war von Mistelbach aus beobachtbar: Bedeckung pur, eben alles, auch der Mond :-) Am Morgen des 4. November waere wohl die Chance auf Venus/Merkur gewesen, nur, diesmal habe ich schlicht verschlafen. Am Vormittag gab es strahlend blauen Himmel, ab und zu vereinzelt ein paar Wolkenschleier. Also sah ich meine Chance in einer Tagesbeobachtung. Um 9:30 postierte ich mich mit meinem 4" f/8 APO schliesslich auf der Terrasse hinter dem Haus, im Schatten einer maechtigen Fichte. Die Sonne blinzelte zwischen den Aesten ein wenig durch. Damit konnte ich sie noch im Sucher (mit zwei Schweissglaesern als Filter) problemlos anvisieren. Ueber Relativkoordinaten gelangte ich zur Venus, die ich (im nun ungefilterten) Sucher alsbald entdeckt hatte. Fadenkreuz genau auf Venus, und dann bei 36x der Blick durch das Okular: Der Himmel war zwar sehr hell, aber nicht unangenehm blendend, und dadurch, dass die Sonne noch verdeckt war, gab es auch keine stoerenden Reflexe. Venus war sofort als rundes Scheibchen zu sehen. Den Merkur musste ich etwas suchen, er befand sich suedlich von Venus, und war als winziges Scheibchen, erkennbar, am doch sehr hellen Hintergrund aber relativ leicht zu uebersehen. Beide Planeten passten locker in's Gesichtsfeld des Weitwinkel-Okulars. Nun steigerte ich die Vergroesserung, auf 53x, und schliesslich 80x. Venus zeigte sich dabei fast komplett beleuchtet, es gab nur einen ganz kleinen Beleuchtungsdefizit. Merkur zeigte deutlich mehr Phase, war aber auch noch weit mehr als zur Haelfte beleuchtet. Das Bild war bei 80x noch einigermassen ruhig, solange die Sonne vom Baum verdeckt war. Kaum strahlte sie direkt auf das Teleskop, begann das Bild langsam zu "kochen". Im Weitwinkelokular war nun Merkur aufgrund von starken Reflexen nur mehr schwierig zu erkennen, schliesslich standen die beiden Planeten gerade mal eine RA Stunde westlich der Sonne. Nachdem die Beobachtung prinzipiell erfolgreich war, und es nichts mehr daran zu spechteln gab, liess ich es auch gut sein, und baute das Teleskop wieder ab. Immerhin bin ich auf diese Weise zu meiner ersten Merkur Beobachtung am Taghimmel gekommen. Venus habe ich ja schon oefter am Tag aufgesucht, einmal - man erinnere sich daran - sogar in Begegnung mit Jupiter. #owdii