Beobachtungsbericht vom 3./4. Mai 2002, Schrick (Ikeya-Zhang, LINEAR WM1)

Seit der Beobachtung in der Nacht zum 1. Mai hätte es mehrere klare Nächte gegeben, um dem Kometen, besser: den Kometen, nachzustellen. Allein, ein riesiges Tief bescherte uns mit einer kräftigen Föhnlage nicht nur sehr warme Tage, auch milde, aber stürmisch windige Nächte. Aus Mangel an einem Beobachtungsplatz, wo wir zuverlässig vor dem kräftigen und böigen Südwind Schutz finden könnten, sahen wir von weiteren Beobachtungen vorerst ab. Einen leicht erreichbaren Platz, der uns dies gewährleisten sollte, kundete ich schließlich am Zistersdorfer Höhenrücken aus, südlich von Schrick. Und obwohl es tagsüber gar nicht danach aussah, konnten wir noch die letzte Nacht vor der hereinbrechenden Front nutzen. Bis sich die letzten Wolkenreste aufgelöst hatten, war es allerdings recht spät geworden, wir konnten unser Werk erst gegen Mitternacht aufnehmen. Der Himmel zeigte sich durchaus brauchbar, ähnlich wie letztens bei Niederleis: freisichtig knapp mehr als 5 mag im Zenitraum, und damit sogar besser als ich es erwartet hatte. Es war zugleich die erste äußerst milde Nacht. Der Wind schlief zwischendurch ein, frischte aber immer wieder auf. Dies konnte uns aber nicht wirklich stören, standen wir ja in Deckung eines Windschutzgürtels.

Während Walter sein Teleskop arbeitsgerecht einrichtete, hatte ich den Kometen Ikeya-Zhang schon in meinem kleinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton "eingefangen". Das Aussehen ähnelte stark dem, was wir von der letzten Beobachtung in Erinnerung hatten: Sehr helles Zentrum, "Kern" mehr als helle Verdichtung auszunehmen, große, diffuse Koma, dünner Plasmaschweif, dreistrahlig auffächernd.

Dies zeigte auch unser erster einminütiger CCD-"Testschuss" deutlich. Der gefiel uns sogar so gut, daß wir das Bild zur späteren Bearbeitung speicherten. Dann starteten wir eine weitere Aufnahmeserie für eine Animation. 40 dieser je 1 Minute belichteten Aufnahmen konnten letztlich dazu verwendet werden. Die 5 allerletzten Bilder mußten verworfen werden, weil gerade ein paar Wolken durchzogen. Für die Webseite mußten wir freilich die Animation auf 19 Bilder reduzieren, um die Download-Zeit akzeptabel zu machen. Die Animation kann hier angeschaut werden. Während die Aufnahmen liefen, guckte ich wieder einmal durchs Teleskop, und sah, wie gerade ein Satellit den Kometenschweif kreuzt. Klar haben wir den drauf, und wie die Auswertung der Bilder zeigte, gleich noch einen zweiten, etwas später. Obwohl ich lautstark fluchte, meinte Walter, das macht nichts, gibt einer Anination ein bissl "Action" ;-)

Eines der letzten Bilder aus dieser Serie reservierte ich noch für weitere Bearbeitung, um wiederum zwei Bilder mit einer Stunde Differenz als Einzelbilder auszuarbeiten. Hier der Link zu den beiden Bildern.

Unsere Aufmerksamkeit galt auch dem Kometen LINEAR WM1. Diesmal hatte ich die Uranometria dabei, und anhand der Koordinaten war der Aufenthaltsort des Kometen relativ rasch ausreichend gut festgemacht. Nun galt es nur noch per Starhop diese Position anzusteuern. Kaum fünf Minuten, nachdem ich mich zum Fernrohr gestellt hatte, meldete ich auch schon die erfolgreiche Sichtung. Oh, was ist aus dem stolzen Kometen geworden... Ein äußerst schwaches Bemmerl, zwischen 10 und 11 mag, andeutungsweise war ein doch beachtlich langer Schweif zu erahnen. Für uns Anreiz genug, auch diesen Kometen mit dem CCD abzulichten. Freilich ist diese 10 x 30 Sekunden Aufnahme, mit dem Track&Accumulate Verfahren auf den Kometenkern nachgeführt, nicht weltmeisterlich geworden, dazu hatten wir ein etwas mageres Signal-Rausch-Verhältnis. Immerhin, es bestätigte unseren visuellen Eindruck, und deutlicher ist der breite, leicht gekrümmte Staubschweif allemal zu erkennen, als im Fernrohr.

Damit beendeten wir die Beobachtung, Walter hatte es schon eilig nach Hause, außerdem kündigte sich Wolkennachschub an. Für mich war der Heimweg dann gemütlich, ist ja nur ein Katzensprung, von Schrick 'rüber nach Mistelbach...

#owdii


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