First Light Russischer (APM) 4" f/6.5 APO ----------------------------------------- Nachdem Howdii im Dezember seinen 4" f/8 APO bekommen hat, ist jetzt, nach ueber einem Jahr Wartezeit, auch meiner endlich gekommen. Da mein Refraktor - wie geht's bei Walter anders - auch fuer den fotografischen Einsatz gedacht ist, vor allem fuer die Fotografie von grossflaechigen galaktischen Nebeln, habe ich die Optik mit der kuerzeren Brennweite bestellt. In der Nacht vom 6. zum 7. April ergab sich gleich die Gelegenheit fuer ein First Light. Eigentlich war nach dem Wetterbericht gar keine klare Nacht mehr zu erwarten, denn eine Kaltfront drohte Oesterreich zu ueberziehen, jedoch stellte sich am Abend heraus, dass die Wolken uns noch etwa bis Mitternacht Zeit lassen wuerden. Deshalb trafen wir beide, Wolfgang "Howdii" Howurek und ich, uns auf den Feldern oberhalb von Niederleis im Weinviertel zu einem ersten Test der Optik. Die Nacht wies einen typischen Weinviertler Himmel mit 5 mag Grenzgroesse, aber brauchbarem Seeing auf. Die Temperatur lag um 10 Grad C. So wie bei Howdiis f/8 ist auch bei meinem f/6.5 Refraktor die russische Optik in einen Tubus von Vixen eingebaut, der 2" Okularauszug und der 8x50 Sucher sind auch von Vixen. Der Sucher ist sehr brauchbar, nur musste ich erst in Erfahrung bringen, wie man das Fadenkreuz fokussiert. Der Fokussierer arbeitet einwandfrei. Der Tubus des Refraktors ist so bemessen, dass man entweder einen Zenitspiegel oder ein gerades Verlaengerungsstueck braucht, um mit Okularen in den Fokus zu kommen, so wie bei Howdiis f/8 Refraktor. Erstes Objekt war der Orionnebel, der zu diesem Zeitpunkt (21h30 MESZ) leider schon recht tief stand, der Nebel "ertrank" beinahe in der Horizontaufhellung, drei Trapezsterne waren im 22mm Panoptic Okular (30x) dennoch leicht zu erkennen. Ich schwenkte mit dem gleichen Okular im Auszug gleich hinauf zu M37, der noch wesentlich hoeher stand, mit dem Okular hat man satte 2.3 Grad Gesichtsfeld, ein schoener Gesamteindruck. Mit dem 15mm Panoptic (43x) ist der Haufen besser aufzuloesen, die Sterne zeigen schoene Einzelfarben, man glaubt gar nicht, durch nur 4" Oeffnung zu blicken. Gleich im Fuhrmann bleibend, schwenkte ich zunaechst auf M36, dann auf M38. Der kleine Nachbarsternhaufen von M38, NGC 1907, war leicht mit direktem Sehen zu erkennen. Nach diesem lockeren Sterngesprenkel, das uns zeigte, dass der APO bei niedriger Vergroesserung Abbildungen bringt, wie man sie von einem braven Vierzoeller erwartet, warfen wir einen raschen Blick auf die Venus. Der Planet war im 4.8mm Nagler Okular (135x) farbrein, nur die atmosphaerische Refrakton war zu sehen. Danach nahmen wir uns Arktur, der schon ausreichend hoch am Osthimmel stand, zum Startest vor. Verwendet haben wir zunaechst Howdiis Zeiss Abbe 4mm Okular (163x) und ein Baader 5mm (130x). Im Fokus zeigte der Stern 2-3 Beugnungsringe, keine Anzeichen eines Farbfehlers. Im intrafokalen Bild scharf definierte Beugungsringe, extrafokal etwas diffuser, Anzeichen einer leichten sphaerischen Unterkorrektur im Bereich von lambda/4 - lambda/8, eher zum besseren Wert tendierend, wie Howdii meint. Eine leichte Andeutung von Astigmatismus war auch zu erkennen, fuer die durfte aber die Luftschichtung im Tubus verantwortlich gewesen sein, weil das Beugungsscheibchen bei hoeherer Vergroesserung noch, fuer Refraktion typisch, einen roten und blauen Rand zeigte. Wir sahen uns den Stern auch noch mit einem roten, einem gruenen und einem blauen Farbfilter an, im roten und gruenen Licht idente Abbildung, der blaue Fokus duerfte geringfuegig mehr intrafokal liegen. Um den kurzbrennweitigen APO noch genauer auf Farbfehler zu untersuchen, nahmen wir uns noch Regulus bei 217x vor: Intra- und vor allem extrafokal ist wohl ein kleines Spektrum in den Beugungsringen zu sehen, im Fokus neben der erwaehnten Refrakton jedoch nur eine geringe Spur von blau in den Beugungsringen, nur bei dem hellen Stern zu sehen, und so gering, dass man es einem f/6.5 APO "verzeihen kann", wie Howdii meint. Nach diesem Startest nahmen wir uns einige Doppelsterne vor, alle bei 260x. Zunaechst Algieba = Gamma Leonis (4.7" Abstand), dann Castor (3.9"), "da faehrt ja ein Autobus dazwischen durch" :-). Epsilon Bootis (2.9", mit 2.4 mag Helligkeitsdifferenz) war ebenfalls kein Problem, deutlich getrennt, ausgezeichneter Kontrast. Zuletzt noch 35 Com, mit 1.1 Bogensekunden Abstand und einer Helligkeitsdifferenz von 2.2 mag ein hartes Objekt fuer einen Vierzoeller. In kurzen Momenten konnte ich ganz knapp neben dem hellen Stern tatsaechlich den Begleiter ausmachen, genau suedlich, Howdii bestaetigte meine Sichtung. Eine Ueberpruefung des Positionswinkels gab noch zusaetzliche Bestaetigung. Anschliessend schwenkten wir auf den Kugelsternhaufen M3, bei 260x waren durchaus noch Sterne in dem Haufen zu erkennen, besser wirkte der Kugelsternhaufen allerdings im 4.8mm Nagler, in dem man trotz der 135-fachen Vergroesserung noch ein Gesichtsfeld von 0.6 Grad hat. Howdii meinte, der Kugelsternhaufen kommt im 4" APO besser als in so manchem Sechszoeller. Mars stand noch etwas tief, trotzdem nahmen wir uns jetzt den Planeten vor. Polkappe und einige duenklere Strukturen waren in Momenten guten Seeings problemlos bei gutem Kontrast auszumachen. Abschliessend wollte ich noch wissen, was der APO an Galaxien zeigt, und schwenkte auf M51. Bei 43x das gewohnte Bild der Galaxie bei niedriger Vergroesserung: Eine nebelige Scheibe mit zwei Kernen. Im 9mm Nagler Okular (72x) wurde die Sache interessanter: Da waren 1-2 Spiralarme ansatzweise zu erkennen, und das mit einem 4" unter einem Weinviertler Himmel! Inzwischen war es Mitternacht und puenktlich trafen auch die ersten Wolken ein. Fuer Howdii war es nun schon Zeit, heimzufahren, ich hingegen war von den Galaxienanblicken noch so fasziniert, dass ich mir in einer Wolkenluecke noch M101 suchte. Hier waren allerdings keine Spiralarme zu erkennen, die Galaxie erschien vielmehr als nebelige Scheibe mit hellerem Zentrum, die Durchsicht war allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht mehr optimal. Vielleicht liessen sich bei duenklerem Himmel mit dem 4" APO einige der bekannten "Knoten" (grosse HII-Regionen in den Spiralarmen) finden, Andeutungen davon habe ich gesehen, aber nur fuer kurze Augenblicke. Danach wollte auch ich schon zusammenpacken, jedoch strahlte der jetzt schon hoeher stehende Mars derart intensiv durch die aufziehenden Wolken durch, dass ich den APO noch einmal auf den Planeten richtete. Bei 271x sah ich in ruhigen Seeingmomenten ein Detailfuelle, die mich so faszinierte, dass ich noch eine Zeichnung anfertigte, die jedoch nicht ganz so exakt ausgefallen ist, wie ich mir das gewuenscht haette, ich muss wohl noch ueben :-). Der Planet zeigt jedenfalls in dem Refraktor besseren Kontrast auf der Planetenscheibe und intensivere Farben als ich es von meinem 8" f/10 SCT her kenne. Gegen 1 Uhr, als der Mond ueber der Felderlandschaft aufging, endete auch fuer mich diese aufregende First Light-Nacht. Zusammenfassend kann ich ueber den russischen 102/650 apochromatischen Refraktor von APM schreiben: Gute Performance trotz geringer sphaerischer Unterkorrektur (die wir noch genauer untersuchen werden), ausgezeichnetes Kontrastverhalten, saubere Sternabbildung und hoechstens geringfuegige Spuren von "Farbe" um helle Sterne bei hoher Vergroesserung. Fuer einen Vierzoeller ist das Geraet auch erstaunlich gut fuer Deep-Sky Beobachtungen geeignet, Planetenbeobachtungen sind damit eine Freude und der Refraktor scheint auch fuer die Astrofotografie bestens geeignet, das werde ich aber noch genauestens evaluieren. Clear Skies, Mag DI Walter Koprolin http://www.astro.univie.ac.at/~koprolin