Beobachtungsbericht vom 2. Maerz 2000 (Niederleis) Nach Durchzug einer Kaltfront klarte es gegen Abend auf. Wir spekulierten darauf, dem auch fuer die naechsten Tage prognoztiziertem Schlechtwetter einige Stunden Beobachtungszeit abzutrotzen. Bei einem Zwischenstopp auf der Heimfahrt von der Arbeit praesentierte sich der Himmel tatsaechlich wolkenfrei und verheissungsvoll. Von daheim aus rief ich gleich Walter an, und wir verabredeten uns fuer 22 Uhr an uneserem Platz auf den Feldern oestlich von Niederleis. Bevor ich von zu Hause losstartete, zeigte ein Kontrollblick zum Himmel noch alles in bester Ordnung. Walter traf fast zeitgleich mit mir am Beobachtungsplatz ein. Der Himmel war hier aber alles andere als wuenschenswert. Duenne Wolken verunzierten das ganze Firmament, grad 3. Groesse blieb noch freisichtig. Da und dort eine Luecke mit etwas besseren Bedingungen. Ich baute trotzdem einmal meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf. Leichter, aber eisiger Wind machte die Lage auch nicht gemuetlicher. Zu Beginn hatten wir knapp ueber 0 Grad, am Ende der Beobachtung hatte es einige Minusgrade, auf den Autodaechern und Scheiben hatte sich eine duenne Reifschicht gebildet, die Optik blieb aber verschont. Nach und nach verzogen sich jedenfalls die Wolken, und zuletzt blieb uns noch ein Stuendchen mit einem fuer das Weinviertel wirklich feinen Himmel, mit knapp 6 mag Grenzgroesse im Zenitraum. Eigentlich wollte ich mein Programm, das ich letztens auf der Ebenwaldhoehe abbrechen musste, fortsetzen. Wir konnten den Wolkenluecken gerade den Haufen NGC2194 abtrotzen. Der war aber gar nicht so schwierig, mit 8.5mag Gesamthelligkeit auf einer Flaeche von 8', und schon bei 40x konnten wir etliche Sterne, die allesamt jenseits von 12mag liegen, sehen. Bei 87x schliesslich dann ein durchaus feiner Anblick dieses Sternhaufens. Nachdem die Wolken mir keine ruhige Suche nach weiteren Objekten meines Programms goennten, kamen halt andere Objekte dran, wo halt grad der beste Himmel war. So z.B. ein Blick auf den Doppelhaufen h+X im Perseues. Im Fuhrmann zielten wir einmal auf M38. Auch im "benachbarten" Haufen NGC1907 konnten wir schon bei 40x einige Einzelsterne sehen. Weiter ging die Reise zum Haufen Stock 8, der im Nebel IC417 eingebettet ist. Beides huebsch zu sehen. IC410 war ohne Nebelfilter als schwache Aufhellung zu erkennen. Wir widmeten uns aber nun einem Objekt, das wir noch nie so richtig gruendlich erkundet hatten: NGC1931. Dieser kleine Nebel mit gemischt Emissions- und Reflexionsanteilen war bei 40x schon leicht zu identifizieren. UHC Filter brachte keine Verbesserung, eher schlechteren Eindruck. Bei 220x war der Nebel indirekt immer noch wahrnehmbar, und wir konnten drei dichtgedraengte, schwache Sterne drin ausnehmen. Mittlerweile war der Himmel fast schon wolkenfrei, mein urspruengliches Zielgebiet aber schon so tief, dass es in den Bereich der unvermeidbaren horizontnahen Himmelsaufhellung gelangte. So schlug Walter den Eskimo-Nebel (NGC2392) als naechstes Objekt vor. Zack, zack, und da war er schon. Wir steigerten die Vergroesserug schliesslich bis 440x, beobachtet wurde ohne Filter. Schoen war der zweischalige Aufbau zu erkennen: In der Mitte der 10.5mag Zentralstern, umgeben von einer helleren Scheibe, die wieder in einem schwaecheren und an den Aussenraendern diffusen Halo uebergeht. Zudem war leichtes Mottling erkennbar. Walter ist recht sicher, den "Mund" des Eskimos in der Ausbuchtung der inneren Schale andeutungsweise gesehen zu haben, die Position stimmt jedenfalls, wie der Vergleich mit einer Aufnahme vom Hubble Space Telescope (HST) am nächsten Tag ergab. Ich hingegen sah recht deutlich einen grosses bogenfoermiges dunkles feature an da Grenze zwischen innerer und aeusserer Huelle. Walter hatte nun Gusto auf Planetarische Nebel bekommen. M97 konnte ich nicht erwischen, die Stativbeine waren im Weg, ein bekanntes Problem bei Newton-Teleskopen auf Dreibeinstativ. Dafuer angelten wir uns dann in gemeinsamer Sucharbeit (das parallaktisch montierte Fernrohr ist in dieser Himmelsgegend nur recht widerspenstig zu positionieren) den Cateye-Nebel (NGC6543). Beobachtet wurde wiederum ohne Filter, und angesichts der extrem hohen Flaechenhelligkeit dieses Objekts jagten wir die Vergroesserung bis 580x hinauf - seeingbedingt gerade noch sinnvoll. Immerhin war mehr zu erkennen als ein gruenliches, elliptisches Nebelflecken: Blickweise, aber immer wieder recht deutlich, der 10.9mag Zentralstern, in Laengsrichtung etwas je ein dunklerer Fleck auf beiden Seiten des Zentrums, und schliesslich an einer Seite eine leichte Einbuchtung. Wieder haben wir das alles am nächsten Tag mit einer Aufnahme vom HST verglichen - na bitte, paßt genau. Der kleine Mak-Newton ist ja ein richtiger "Hubble Junior" :-) Mitternacht war nun auch schon vorueber, und in Anbetracht dessen, dass man ja anderes auch noch zu tun hat untertags als vom Sterndlschaun auszuschlafen, beendeten wir unsere Session mit den Galaxien M95, M96, M105 und NGC3384. Alle in einem Blickfeld bei 40x, M105 schwaecher als die beiden anderen, und die NGC3384 nur ein ganz schwacher Nebeltupf. Howdii