Beobachtungsbericht vom 1.12.2000, Ebenwaldhoehe Seit etlichen Tagen hatte sich eine typisch spaetherbstlich/winterliche Wetterlage eingestellt: Nebel und Temperaturen nur knapp ueber 0 Grad in den Niederungen, und auf den Bergen ab etwa 800 Meter Seehoehe klarer Himmel. Dementsprechend unangenehm war die Anreise zur Ebenwaldhoehe. Bei geschlossener Hochnebeldecke und leichtem Nieselregen mochte man nicht glauben, noch einen schoenen Sternenhimmel sehen zu koennen. Das letzte Stueck des Weges, bei der Auffahrt zum Beobachtungsplatz, musste man durch die Nebeldecke durch, und oben stand man eigentlich nur wenig drueber, aber unter einem Himmel voller Sterne. Und diese Chance haben etliche Sterngucker genutzt, lauter Bekannte und "Nachtbekannte", die man untertags wohl nur an ihrer Stimme erkennen wuerde :-) Mein Spechtlpartner Walter war natuerlich auch da und schon eifrig am Fotografieren. Bei meiner Ankunft gegen 21:00 gab es also gute Bedingungen, trocken, etwas waermer als im Tal, windstill. Die Grenzgroesse knapp besser als 6 mag, und gutes Seeing - es sah nach einer ganz raren Nacht aus. Leider verschlechterte sich das Seeing gegen Mitternacht dramatisch, und spaeter kam heftiger Wind aus Suedwest auf. Auch wurde der Himmel etwas heller, was mit leichtem Verlust an Grenzgroesse einherging. Nun aber zu meinen Beobachtungen, fuer die ich ja noch den besten Teil der Nacht nutzen konnte. Ich startete meine Tour wieder im Cepheus, da galt es von meiner letzten Beobachtung her einige Dinge zu klaeren. Als Instrument hatte ich meinen 8" f/6 Maksutov-Newton gewaehlt. NGC7142: Dieser Haufen war bei der Aufsuche meines ersten Zielobjekts NGC7129 bei 55x im gleichen Feld. Durchaus reich an Sternen, die aber recht locker verstreut sind, und ab 12 mag nicht besonders hell, und dadurch relativ unauffaellig. Erst beim zweiten Blick bleibt man dran haengen, wenn man das Objekt zufaellig ins Okular bekommt. Das war auch mein Eindruck bei der Beobachtung letztens. NGC7129: Eine durchaus auffaellige, kleine Gruppe von helleren Sternen, bei 55x laesst sich indirekt der umgebenden Reflexionsnebel erkennen. Vor allem der Ostteil des Haufens wirkt stark nebelig. Bei 120x und 160x kamen etliche Strukturen (Dunkelstellen) zum Vorschein. Den huebschesten Anblick genossen wir bei 133x in Walters 9mm Nagler Okular. NGC7133: Ein schwacher Reflexionsnebel in unmittelbarer Nachbarschaft zu NGC7129, den ich bei meiner letzten Beobachtung nicht gefunden hatte. Nun konnten wir an der korrekten Position 3 schwache Sterne in einer Kette sehen, von denen 2 von schwachem Nebel umgeben waren. Beste Vergroesserung dazu war 120x. Mag sein, dass die doch deutlich besseren Bedingungen den Ausschlag zum Erfolg gaben. vdb143: Meine Zweifel, wie im letzten Bericht dazu beschrieben, waren berechtigt. Ich hatte tatsaechlich den "falschen" Stern erwischt. Nun, beim "richtigen" Stern, war nicht so recht 'was "Nebeliges" zu sehen, ausser einem kleinen Streulichthof um den Stern (bei 55x). Ich steigerte daraufhin nach und nach die Vergroesserung. Bei 120x vermutete ich erstmals eine Asymmetrie des "Nebels", einen schwachen Auslaeufer Richtung Sueden, der den Streulichthof etwas ueberragte. Indirekt, und nur schwierig zu sehen, zweifelte Walter noch daran. Wir versuchten es nochmals bei 160x, und nun war die vage Vermutung fuer mich schon etwas deutlicher, und auch Walter meinte, da koennt' tatsaechlich etwas sein. Schliesslich steckte ich noch ein 5mm Okular in den Auszug, und bei 240x gab es keinen Zweifel mehr: Wohl musste man indirekt gucken, aber nun war deutlich ein nach Sueden breit auffaechernder Nebelfleck zu erkennen. NGC7023: Eigentlich wollte ich Ausschau halten nach dem gleichnamigen Sternhaufen, aber irgendwie kam mir das Bild eigenartig dunkel vor: klar, schon lugten wir durch das Geaest eines Baumes... Nach dem Sternhaufen werd ich aber wohl vergeblich suchen, der duerfte gut im hellen Nebel versteckt sein... M52: Ausgangspunkt fuer weitere Erkundungen, und wohl ein Stueck hoeher, mit gewissem Respektabstand von der Baumkrone. Was sollte man sonst noch sagen, als fesch, bei 55x, und damit meine ich wirklich beeindruckend huebsch... NGC7635: "Bubble Nebula": Vom 18" Dob her fuer uns eine durchaus bekannte "Nummer". Was wuerde wohl der 8" hier zeigen? Wir haben ein Weilchen an diesem Objekt "herumgespielt", mit diversen Vergroesserungen und Filtern. Die besten Eindruecke hatten wir schliesslich bei 240x mit UHC Filter. Damit war Struktur zu erkennen: der Nebel zeigte Auslaeufer in Form einer liegenden Sichel. Also, gut die Haelfte der "Bubble" sichtbar. Eigentlich mehr als wir erwartet hatten. Das Bild war aber schon extrem schwach, indirekt nicht allzuleicht zu erwischen. Bei 200x war das Bild zwar etwas heller, aber die Sichelstruktur eher noch schwieriger auszunehmen. Wir versuchten es auch noch mit Walters 4.8mm Nagler bei 250x, das war aber endgueltig schon zuviel, wir einigten uns auf 240x als optimalste Vergroesserung. NGC7538: Auch ein "alter Bekannter" fuer mich, im 18" Dob wie im 5.7" Maksutov- Newton schon oefter beobachtet. Und schon wieder Schluss mit lustig, der Baum ragte ins Blickfeld... IC59 und IC63: Wieder ein Stueck hoeher am Himmel zu weiteren Taten :-) Die beiden Nebelflecken haben wir schon im 18" erfolgreich beobachtet, und einen davon konnten wir auch im 5.7" Mak-Newt einmal sicher erkennen. Im 8" gab's nun bei 44x oder 55x die besten Eindruecke. Der Stern Gamma Cas ist vielleicht 'was im Weg dabei, verdammt hell, und zeigte einen verdaechtig grossen Streulichthof - war da schon etwas "in der Luft"? Wenn man jedenfalls den Stern fast zum Rand positionierte, und dafuer die Objekte huebsch in die Bildmitte, waren die beiden Nebelflecken gar nicht sooo schwierig. Walter entdeckte einen davon zumindest auf den ersten Blick, und den zweiten hatte er auch schon erfasst, wenn auch noch etwas unsicher. Bei einem kritischen zweiten Blick, und leichtem Schwenken des Teleskops waren aber beide Nebelflecken sicher erkennbar. NGC457: So rein zufaellig kam ich beim "ET-Haufen" vorbei... Manche sehen darin einen Alien mit gluehenden Augen, andere sehen eine Eule mit gluehenden Augen und ausgebreiteten Fluegeln, und wieder andere meinen ein Flugzeug mit Positionslichtern zu sehen :-) Einerlei, eines von Walters Lieblingsobjekten, Bild in seiner Astrofoto-Gallerie... h+X Persei: Startpunkt fuer die naechsten Erkundungen, aber nicht ohne vorher bei 55x einen intensiven Genussblick zu tun... NGC957: Offener Haufen wenige Grad oestlich vom Doppelhaufen h+X. Ein durchaus nettes Objekt, eine Handvoll Sterne ab 9 mag, laenglich angeordnet. IC1805/NGC896 Nebelkomplex - "Running Dog Nebula": Den "nebeligen" Haufen Mel15 trifft man leicht, wenn man von NGC957 etwa 4 Grad direkt nach Norden geht. Wir waehlten nun 44x und UHC Filter, um die "Nebellandschaft" zu erkunden. Als Orientierungshilfen dienen z.B. der Haufen NGC1027 beim "Schwanzansatz" des "Hundes", oder auch die kleine markante Sterngruppe Mrk6 beim "Vorderlauf", und nicht zuletzt ist NGC896 ein leicht erkennbarer Nebelfleck, der den "Kopf" des Hundes markiert. Den davon durch eine Dunkelstelle abgetrennten Nebelteil IC1795 haben wir nicht gesehen, aber auch nicht sehr genau danach Ausschau gehalten. Wer sich jetzt mit den einzelnen "Hundeteilen" nicht mehr auskennt, kann einen Blick auf Walters Foto in seiner Gallerie werfen... :-) Nun, von den weitlaeufigen Nebelstrukturen waren die hellsten Teile recht gut wahrnehmbar: Ruecken, Schwanzansatz, "Hundehintern" mit oberstem Teil des Hinterlaufes und der hellste Teil des Vorderlaufs. Es geht unserer Meinung nach eher darum, die Orientierung nicht zu verlieren, als die Nebelpartien zu sehen, die etwas verstreut sind. IC1848: Genau hier entfiel uns ein Teil des Nebels wohl wegen mangelnder Orientierung. Vom Westteil war jedenfalls ein Nebelfleck und ein Teil des unteren Bogens zu sehen, nur irgendwie hab ich einfach "vergessen", nach den oestlichen und eigentlich helleren Nebelpartien Ausschau zu halten... Das naechstemal halt, sonst gaeb's ja bald nichts mehr zu tun :-) Und eigentlich sollte man noch mehr herumspielen, auch den Response auf andere Filter ausprobieren, anstatt einfach mit dem UHC alles niederreissen zu wollen... Aber die Zeit draengte bereits, Stichwort Jupiter... M42: Das letzte Objekt dieser Nacht. Mittlerweile war das Seeing mieserabel, die Trapezsterne waren dicke Knoedel, und bei 55x fast nicht mehr zu trennen... Durch die schlechteren Bedingungen war auch der Himmel heller geworden, und es bedurfte des UHC Filters fuer interessante Details. Wir erspechtelten etliche markante Features in den "Schwingen" des Nebels, konnten auch den sich im Sueden schliessenden Bogen sehen, und bei 160x gab's in der Zentralregion sogar noch so feine Details wie Schroeter's Bridge. Aber keine Frage, den Orionnebel haben wir sicher schon einmal besser gesehen... Nun ein paar Bemerkungen zu Jupiter: Bei meiner Ankunft in Walters 4" APO ein sehr ruhiges und detailreiches Bild, mit GRF. Zwischendurch, nachdem mein Teleskop etwas abgekuehlt war, hielt ich auch mit dem 8" auf Jupiter. Leider nicht mehr so tolles Seeing, aber es gab noch etliche bessere, wenn auch leider nur sehr kurze Momente, mit praechtigen Details. Nur kann ich kaum was darueber berichten, ich hab einfach mehr Gewicht auf die Deep Sky Beobachtung gelegt, anstatt mich stundenlang ans Okular zu klemmen fuer beste Detailerkennung an Jupiter. Knapp nach Mitternacht begann ein Transit von Io, mit knapp folgendem Schattenwurf. Spechtlkollege Tahir Saban hatte den Eintritt von Mond und Schatten in seinem 130er APO mitverfolgt. Fuer uns, wir klemmten uns spaeter drauf, war es nun spannend, ob wir den Mond finden wuerden, ohne genau zu wissen wo er steht. In den noch besten verbliebenen Seeingmomenten meinten wir, den Mond selbst knapp neben seinem Schatten vor dem SEB zu erkennen, der Mond etwas noerdlicher. Ich spazierte daraufhin zu Tahir Saban hinueber, um kurz nachzufragen, ob wir richtig gesehen hatten, und erhielten eine Bestaetigung. Saturn mit etlichen Monden gab's auch einmal zwischendurch, aber mehr als einen kurzen Blick goennte ich mir nicht. Bei immer heftiger werdendem Wind packte ich schliesslich mein Sachen zusammen und machte mich gegen 2 Uhr auf den Heimweg. Walter bleibt noch ein wenig laenger, um ein Foto der Pleiaden zu beenden; der an Intensitaet zunehmende Wind veranlasste ihn allerdings kurz nach 3 Uhr Frueh, sein Foto vorzeitig zu beenden und ebenfalls heimzufahren. Andere Astrofotografen bleiben noch bis in die Morgenstunden oben, um einen Kometen knapp vor einsetzender Morgendaemmerung zu fotografieren. Howdii