Produkt Test: iOptron ieq45 Pro

Prolog

Es war gegen Ende 2010, als meine Aufmerksamkeit auf die iOptron ieq45 Montierung fiel. Sie sieht attraktiv aus, keine Frage. Wenn man genauer hin schaut, einem gewissen AstroPhysics Modell, der MACH 1 GTO, sehr ähnlich. Mir war schon klar, dass bei der iOptron nicht AstroPhysics drin ist, der Preisunterschied ist ja gewaltig. Zum "Anschnuppern" holte ich mir im Jänner 2011 eine ieq45 her. Es war damals sicher eine der ersten in Europa, und mit hoher Wahrscheinlichkeit die erste hier in Österreich. Wie die Sache ausgegangen ist, kann man in vielen meiner Berichte nachlesen. Die ieq45 ist meine "Dienstmontierung" geworden. Was die schon an Teleskopen geschultert hat! Warum ich noch keinen Bericht darüber geschrieben habe, wie im Bericht des ersten Einsatzes angekündigt? Nun, bei iOptron war man nicht untätig, und hat relativ bald eine erste Produktänderung gebracht. Also die Sache hat sich so überholt, und für ein veraltetes Produkt erübrigt sich ein Testbericht. Meine Berichte, wo es eigentlich um etwas anderes geht, aber offenbar die ieq45 ihren Dienst unaufgeregt versieht, sprechen für sich, sonst wären wohl häufig Unmutsbekundungen zu finden.

Sicher, ich habe im Prinzip alle wichtigen Evolutionsstufen dieser Montierung in der Hand gehabt, aber eben auch irgendwie "gerochen", dass es noch weiter geht mit der Entwicklung. Ich war sogar direkt mit iOptron in Kontakt, und habe auch einige Anregungen deponiert. Daher auch von diesen einzelnen Varianten keinen Bericht geschrieben. Jetzt schaut dieses Produkt aber mal so weit "settled" aus, es sind so viele Verbesserungen eingeflossen, dass ich nicht umhin kann, die Montierung in dieser Form vorzustellen. Sicher, sie hat einen hohen Preis, aber vom Eigengewicht her ist sie in einem quasi "luftleeren Raum". Auch von der Tragkraft her steht sie zwischen den leichteren und schwereren Montierungen. Und, wenn das Kreuz mehr Probleme als die Geldbörse bereitet, mag die ieq45 auf jeden Fall die Lösung sein. Es ist auch bei mir so: ich könnte auch eine andere Montierung, es gibt sicher einige gute, als "Dienstmontierung" herumschleppen. Eben darum geht es aber, um's Schleppen. Deswegen halte ich an meiner alten ieq45 fest.

Evolution

Die ieq45 war von Anfang an eine durchaus interessante Montierung. Was ist so besonders dran? Zum einen ist sie sehr kompakt gebaut, und hat mit deutlich weniger Eigengewicht doch eine recht hohe Tragkraft. Also die 20 kg sind wohl etwas optimistisch (wie bei den meisten Mitbewerbern in diesem Segment), mit rund 17 kg ist es schon grenzwertig. Visuell würde das mit einem kompakten Tubus noch machbar sein. Fotografisch ist man mit 10 bis maximal 13 kg am Ende, je nach dem Hebel den ein Teleskop aufbringt. Aber ja, es ist mehr, als ich den nächst kleineren Astromontierungen zumuten wollte. GPS ist auch in der Erstversion an Bord. Die Schnecke wird per Federdruck an das Schneckenrad geführt, in beiden Achsen. Die Übertragung von der Motorwelle zur Schneckenwelle erfolgt via Zahnriemen. Die Steuerung bietet einen knappen, aber ausreichenden Funktionsumfang. Parkposition ist schon in der ersten Version dabei. Eine Menüführung beim Start einer Beobachtungs-Session gibt es nicht. GPS erleichtert hier auch einiges. Eine Macke gibt es wohl: Die Steuerung bietet ein 1-Stern oder 2-Stern Aligment. Das 2-Stern Alignment ist allerdings so gut wie unbrauchbar. Mit Anwendung der Sync Funktion fällt man auf ein 1-Stern Alignment zurück. Was ich sagen kann: Der Polsucher ist innovativ und wirklich sehr genau. Somit, ich bin bislang mit dem 1-Stern Alignment bestens ausgekommen. Das Ding trifft damit auch erstaunlich gut. Den Rest erledigt man mittels Sync. Was auffallend ist: Wenn man die Achsklemmen löst, dreht sich nur der obere Teil auf einem Gleitlager, offenbar "Wurfpassung". Die Achse dreht sich nicht. Diese dreht sich nur per Motor. Das gilt für die RA und Dec Achse. Der Kopf der Achse, den man entklemmt, verkippt unter Last ein wenig, und lässt sich dann nur schwergängig drehen (besonders die Dec Achse, in RA nicht gar so schlimm), dadurch wird das Balancieren des Teleskops nicht wirklich leicht. Und man muss beim Anziehen der Klemmschrauben schon aufpassen, damit man den verkippten Kopf wieder gerade zieht. Eigenwillig und anderes als die anderen Montierungen, das kann man sagen, und sie fordert einen "mündigen" Anwender. Man muss das Ding verstehen, und wissen, was man tut, und was man bleiben lässt. Dass meine ieq45 der ersten Version astrofotografisch tauglich ist, zeigen meine Testberichte. Dennoch, ich musste da auch auf etwas draufkommen, was die Balance der RA Achse betrifft, die eh durch die Konstruktion so wie sie ist, erschwert wird.

Die "Ur-Version" der ieq45, hier auf meinem Baader Holzstativ. Man erkennt sie an der Dec Klemme mit den vier Klemmschrauben, gleich wie in RA

Kurz zu den Evolutionsstufen: eine erste Änderung gibt es an der Dec Achse. Hier wurde die sicher nicht optimal gelungen Lösung der Erstversion verbessert. Die Achse dreht nun komplett kugelgelagert. Die Steuerung bietet ein Balancetest-Feature an, um die Balance des Teleskops in RA zu erleichtern. Dabei fährt die Steuerung das Teleskop in die typische Balance-Stellung (Meridian Lage, Tubus liegt waagrecht) und bewegt die RA Achse motorisch hin und her, misst jeweils die Stromaufnahme, und gibt auf dem Display Anweisung, in welche Richtung man das Gegengewicht verschieben soll. Wenn der Pfeil, der die Richtung angibt, ganz kurz wird, fehlt nur mehr ein Alzerl. Besser handhabbar ist der Polsucher, der hat nun eine Libelle. Also das Ausrichten des Polsuchers wird damit schon deutlich erleichtert, bei meiner alten ieq45 ist es einfach "Schätzometrie". Was geblieben ist: Das unbrauchbare 2-Stern Alignment, und sonst hat sich nicht viel getan,  was die Steuerung bietet. Die Verbesserungen dieser Version finden sich auch in die nächste Ausbaustufe.

Die nächste Version bringt die Wandelbarkeit von parallaktischem zu Alt-Az Betrieb. Allerdings mit längerwierigem Umbau, und freilich muss man im Menü der Steuerung die entsprechende Betriebsart wählen. Wenn man die Montierung als Alt-Az Variante bestellt, bekommt man statt des Dreibeinstativs eine Säule mit drei Ausleger und Seilabspannung. Stabil ja, aber ein umständliches und irgendwie unhandliches Trumm. Bei meinem Tests hatte ich mein Baader Holzstativ drunter. In dieser neuen Version der Montierung hat die Steuerung an Features zugelegt, und nun zur Konkurrenz aufgeschlossen. Endlich gibt es wirklich nutzbares 3-Stern-Alignment, sogar Multi-Stern Alignment, Poljustierungsfeature - so der Polarstern nicht zugänglich ist, bzw. zum Verfeinern der Polaufstellung, etc. Ich hatte die Alt-Az Ausführung für einen Kunden hier, und habe die Montierung vor dem Umbau erst mal in parallaktischer Konfiguration getestet, danach für den Alt-Az Betrieb umgebaut und erneut getestet (dafür gibt es einen eigenen Sockelblock). Mit einem Wort: Dieser Umbau ist kundenseitig durchzuführen. Nicht ganz so einfach, muss ich sagen. Da gibt es einiges zu schrauben, sicher nicht jeder wird sich drüber trauen.

Gab es bisher eine kurze 2" Schienenaufnahme, und eine lange für 3" Schienen, die man wechselweise montieren konnte (nur zwei Schrauben zu lösen und wieder fest zu ziehen), so bietet diese Version nun einen Kombisattel für 2" und 3" Prismenschienen. Irgendwie praktischer, oder auch nicht. Zum Teil ist mir der kurze 2" Sattel an meiner alten ieq45 lieber, weil ich da auch kleinere Teleskope mit den speziell geformten Prismenschienen im alten Vixen Style einfach so klemmen kann. Ich habe mir aber auch eine 2" Prismenklemme mit längerer Führung gebastelt. Also kann ich drei verschiedene Prismenaufnahmen verwenden. Und ganz klar, man kann wirklich auf die neue ieq45 auch draufschrauben was man will, solang die Bohrungen für die Befestigung passen.


Die Vorgängerversion der aktuellen ieq45 Pro, links im EQ Betrieb, rechts im Alt-Az Betrieb. Goto mit 3-Stern Alignment war in beiden Betriebsarten zufriedenstellend. Man sieht hier die schon in der Vorgänger Version vorhandene neue Dec Klemme.

Eine wirkliche Verfeinerung kommt mit der aktuellen Ausbaustufe. Größeres RA Schneckenrad und größere Schnecke, feiner verzahnt, was auch eine kürzere Schneckenperiode mit sich bringt (früher 400 Sekunden, jetzt 337,5 Sekunden). Zudem finden wir statt der bislang installierten Servo-Motoren nun Schrittmotoren - leiser beim Goto, keine Frage, laufruhig und nicht "energiehungriger" als die alten Servos. Der Tasten-Beep ist jetzt tiefer in der Frequenz und dadurch nicht mehr so lästig. Komplett abschaltbar sowieso, oder nur für Tastenbefehle abschaltbar, dann "beept" es nur nach Ende des Goto Vorgangs. Das Display der Handbox ist beheizbar, das war allerdings auch in der Erstversion der ieq45 so, und ja, ich hab's abgeschaltet und nie gebraucht. Ein paar neue Dinge gibt es in der Steuerung: Zero Position hat nun eine "Set" und ein "Go to" Feature. Das "Set Zero Posiotion" hat mich erstmal gewundert - dazu noch später.

Nun gibt es auch vom Anwender speicherbare Objektlisten. Da kann man nicht nur ein paar Objekte mit RA und Dec erfassen, sogar Kometen mit Bahnelementen kann man eingeben. Die Liste wartet mit 60 Speicherplätzen auf. Das heißt, man könnte sich seine Liste für einen ganzen Beobachtungsabend rein speichern. Man muss dabei nicht alles eingeben. Was die Steuerung an Objekten selbst in den Katalogen bietet, kann man verwenden und übernehmen. Recht nett, muss ich sagen. Ob sich allerdings wer die Arbeit antut? Für Kometen sicher brauchbar. Ansonsten würd ich sagen, ein Zettel und RA/Dec eingeben geht für mich schneller. So habe ich es bisher auch gemacht. Es sei denn, man ist so eine Art "Wiederholungstäter", der in mehreren Nächten nacheinander die selben Objekte anschaut (da schließt sich der Autor nicht aus, man lernt so mehr und mehr zu sehen), dann würde es eher auszahlen, die Objekte rein speichern.

Die Motorgehäuse sind nun Abdeckungen, die fix mit dem Montierungskörper verbunden sind. Also die Gefahr, dass man beim Angreifen der Montierung die Motorgehäuse erwischt und die Schnecken quasi "aushängt" gibt es nicht mehr. Dennoch, es hat sich auch bei der neuesten Ausgabe dieser Montierung erwiesen: Sie ist anders als die üblichen Montierungen, und: es gilt immer noch - sie fordert einen "mündigen" Anwender, der weiß, was er tut.

Das Stativ war von der ersten Version an ein bissl ein "Wehweh". Früher war die Spreizplatte der Schwachpunkt. Zu hoch, und nicht einmal passgenau. Das wurde nun verbessert und gleichzeitig auch etwas Entscheidendes verschlechtert. Freilich, die mitgelieferten Stahlrohrstative sind bei anderen Montierungen auch kein Wunderwerk, aber brauchbar, solang man nicht wirklich schwere Sachen auf die Montierung drauf bringt. Also, die Spreizplatte hat man bei der ieq45 nun so wie andere auch, aber die Klemmung der Stativbeine ist "verunglückt". Darüber später mehr. Eines sei aber gleich gesagt: Wer einen schweren Brocken als Teleskop zuladen will, oder fotografisch mit der ieq45 arbeiten will, sollte gleich an ein gutes Holzstativ denken. Es macht sich bezahlt, die Stabilität wird dramatisch verbessert. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.


Die aktuelle iOptron ieq45 Pro (erkennbar an den geänderten Motorgehäusen), hier mit Originalstativ, im Testbetrieb. Aufgesattelt ist der TS 102/700 Triplet APO. Der Einfachheit halber sind meine Gegengewichte dran, sie sind quasi griffbereit da gelegen. Die Gegengewichte der neuen ieq45 Pro sehen gleich aus, sind aber schwarz lackiert, und etwas besser verarbeitet.

Die Details der ieq45 Pro

Das ist die neue ieq45 Pro auf ihrem Originalstativ. Man erkennt diese Version an den neuen Motorgehäusen. Am Stativ sieht man hier die neue Spreizplatte, und unten die kleinen Sterngriffe zum Klemmen der Stativbeine. Anm: Auf das Bild klicken für eine größere Ansicht.


Der Sterngriff zum Klemmen des Stativbeins - zu klein. Damit kann man einfach nicht fest genug anziehen.Sonderbar: Überall an der Montierung findet man Sterngriffe mit Inbus Einsatz. Der hier hat keinen, würde aber einen bitter benötigen. iOptron: bitte nachbessern! Allgemein: Die weichen Gummi Überzüge für die Aufstandsspitzen, werden irgendwann durch sein. Es dauert zwar etliche Jahre, aber irgendwann ist es so weit. Bei meinem Stativ sind sie schon entschwunden. Diese Stahlspitzen sind von unten eingeschraubt, lockern sich auch hin und wieder. Fallweise Kontrolle und festziehen ist angsagt.

Das Berlebach Stativ für die ieq45. Wer ernsthaft, vor allem fotografisch mit der ieq45 arbeiten will, wird nicht herumkommen.

Das schaut gleich ganz anders aus: die ieq45 Pro auf dem Berlebach Stativ. Hier bereits verkabelt und mit Gegengewichststange in Bereitschaft.

Der Libelle des Berlebach Stativs darf man vertrauen. Kein Zufall, das war bei jedem noch so, und ich habe schon etliche dieser Stative in der Hand gehabt. Großer Vorteil, man kann das Stativ schon vor dem Aufsetzen der Montierung gut nivellieren. Die Libelle des Test Exemplars der ieq45 passt auch, sie ist aber viel sensibler. D.h. eine kleine Änderung wird durch eine stärkere Abweichung der Luftblase angezeigt. Man kann so gegebenenfalls nachbessern. Eines bringt ein gutes Holzstativ auf jeden Fall: Die Nivellierung lässt sich viel besser und genauer durchführen als bei den üblichen Stahlrohrstativen. Es geht einfach feinfühliger, und gezielter, kein Gefummel.

Ein Blick auf den Polblock mit den Einstellungen für Azimut und Höhe. Die Az-Stellschrauben sind keine Besonderheit, man findet sie so an vielen Montierungen. Anders hingegen die Einstellung der Polhöhe. Die Abstützachse für die Höheneinstellung muss für unsere Breiten auf die höhere Position gesetzt werden. Der Hebel zum drehen des Rändelgriffs kann in verschiedenen Positionen eingeschraubt werden. Wenn die Montierung mit Teleskop und Gegengewichten beladen ist, kommt schon ganz schön Druck drauf. Dann könnte man diesen Griff ohne den Hebel nicht mehr drehen. Natürlich knickt diese Konstruktion unter Last ein wenig ein. Ich erledige erst immer eine Vorjustierung des Polarsterns im Polsucher, drehe die Polhöhe dann ein Stück rauf, um etwa dieses Stück sackt die Höhe unter Last wieder ein, und ich habe abschließend nur mehr Feinjustage zu machen. Diese, allerdings, am besten erst nachdem das Teleskop balanciert worden ist. Da rüttelt dann niemand mehr herum und die Poljustierung hält. Anmerkung: Die Libelle auf dem aufgeschraubten Deckel, der den Durchgang für den Polsucher freigibt. wird für den Alt-Az Betrieb gebraucht. 

Die Polhöhenstellung kann arretiert werden, dazu gibt es auf der Achse und Backe auf beiden Seiten je einen Sterngriff mit Innensechskant Einsatz. Somit kann hier sogar mit Werkzeug nachgezogen werden. Es hilft der Steifigkeit sehr. In dem kleinen Dreieck zwischen den Sterngriffen versteckt sich die Skala für die Polhöhe Man braucht sie zur Voreinstellung, den Rest erledigt man via Polsucher.

Die Kombi-Klemme für 2" und 3" Prismenschienen. Alle Sterngriffe an der Montierung haben einen Innensechskant Einsatz, können also mit einem Inbusschlüssel nachgezogen werden. Gerade bei der Klemme eine gute Sache. Im Winter mit klammen Fingern kann es sein, dass man die Sterngriffe kaum noch lösen kann. 

Hier sieht man die neuen Motorgehäuse, den Klemmhebel für die Dec Achse, zwei der vier Sterngriffe für die Klemmung der RA Achse.Die Gegengewichtsstange (28 mm Durchmesser) wird bei der ieq45 seit jeher so verstaut, dass man sie von oben durch den Sattel steckt und einschraubt.

Das neue 5 kg Gegengewicht, 2 Stück sind im Lieferumfang dabei. Man sieht hier, die Sterngriffschraube hat einen Innensechskant-Einsatz. Einst drückte diese Schraube auf einen Stift, der wiederum direkt auf die Gegengewichtsstange gedrückt hat. Z.B. hat die Gegengewichtsstange meiner alten ieq45 schon zahlreiche "Marken". Nun ist ein Messing-Klemmring eingesetzt, der die Gegengewichtsstange beim Klemmen umfasst. Für schwerere Teleskope gibt es noch ein 10 kg Gegengewicht, ebenso ausgeführt, aber weiß lackiert. Falls das noch nicht ausreicht, ist auch eine Verlängerung für die Gegengewichtsstange erhältlich. Eines ist aber immer so: Mehr Gewicht am kurzen Hebel ist besser als weniger Gewicht am längeren Hebel.

 

Das Strichplattenmuster des Polsuchers in Form einer Uhr. Die Libelle auf dem Polsucher garantiert, dass die "Uhr" korrekt ausgerichtet ist (in meinem Foto etwas schief, kaum zu kontrollieren, wie man die Kamera dran hält). Man platziert den Polarstern an die von der Steuerung vorgegebene "Uhrzeit" Position und an den vorgegeben Radius, der Kreis mit 40' bezeichnet ist für uns auf der Nordhalbkugel der Erde relevant. iOptron war innovativ. dieses Verfahren mit der gedachten Uhr findet sich auch an meiner alten ieq45, andere hüpfen es jetzt nach. Gegenüber anderen Polsucherbeleuchtungen ist hier das Feld dunkel, nur das Strichplattenmuster ist beleuchtet, die Helligkeit ist regelbar. Bei der ieq45 ist der Polsucher akkurat zentriert. Man muss allerdings das Strichplattenmuster gerade ausrichten. Das wird seit der ersten Evolutionsstufe der ieq45 eben durch die Libelle erleichtert.

 

Links sieht man die eingeschraubte Polsucherbeleuchtung, rechts die Verkabelung mit der "Reticle" Buchse. Dies ist eine deutliche Verbesserung gegen frühere Versionen, bei der das Kabel fix mit der Beleuchtungseinheit verbunden war.

Links die Anschlüsse auf der Ostseite (wenn die Montierung nach Nord ausgerichtet ist): DC 12V, der Power Schalter, ST4 kompatibler Guider Port, und der einstmals als DIN Buchse ausgeführte RS232 ist nun über eine Westernstecker Buchse gelöst, früher gab es eine DIN Buchse auf dem RA Gehäuse. Rechts die Anschlüsse auf der Westseite: Die Buchse für das Dec Kabel, ein Port für div. iOptron Zubehör, und HBX für die Handbox.
Der RS 232 Port dient für Firmware Upgrades (die Handbox hat einen eigenen RS 232 Port dieser Art), und freilich zur Steuerung der Montierung via Planetariumsprogramm. Das Verbindungskabel hat also einen Westernstecker, auf der anderen Seite gibt es den typischen DIN Stecker. Zum Anschluss an einen Computer muss entweder ein RS232 DIN Port vorhanden sein, oder ein 
USB-Serial Adapter.

Am Dec Motorgehäuse befindet sich der Port für das Dec Kabel, das vom Dec Port des RA Motorblocks kommt (siehe oben). Die Dec Verkabelung außen hat bisher nach meinen Erfahrungen zu keinen Problemen geführt.

Die Handbox der ieq45 weist ein 8-zeiliges Display auf. Helligkeit kann natürlich angepasst werden, auch des Tastenfeldes. An der Rückseite der Handbox gibt es links oben eine rote LED, die mit der Licht Taste (links unten) ein- und ausgeschaltet werden kann. Sehr hilfreich, wenn man einen Zettel in der Hand hält, von dem man z.B. RA und Dec Daten zur Eingabe abliest. Die Handbox verfügt über eine stabile Schlaufe und kann so an irgendeine Schraube an der Montierung angehängt werden.


Praxiserfahrungen

Was man bei jeder neuen ieq45 für parallaktischen Betrieb machen muss - zumindest für unsere Breiten: die Abstützachse für die Polhöhen-Feineinstellung auf die obere Position montieren. Eine entfernbare mechanische Sperre verhindert das Einstellen höherer Breiten, d.h. man muss auch diese Sperre entfernen. Des weiteren: GPS hin oder her, die Zeitzone kann GPS nicht wissen, die ist von Menschen gemacht und kann sich ändern. Also muss man diese im Menü des Standorts einstellen, in unserem Fall auf "UT + 60 minutes". 

Beim ersten Einschalten unter freiem Himmel muss man erst den Satfix abwarten, das kann dauern. Auch nach längerer Zeit, z.B. nach einer Winterpause, kann es dauern. Die Steuerung rechnet dann offenbar den Almanach für die Satelliten neu. Verwendet man hingegen die Montierung Nacht für Nacht, dauert es kaum eine Minute bis der Satfix da ist.

Eine Anmerkung hier zur Parkposition: Ok, da erwartet man, dass die Montierung ihre aktuelle Position speichert, und auch das Alignment. Da nun eine Uhr ständig mitläuft, sollte auch das "Aufwachen" kein Problem sein, die Montierung sollte von der Parkposition sowohl die Goto Ziele treffen und auch ihre Zero Position einnehmen können. 

Das Manual sagt, man könne die Montierung in jeder Stellung nach Beendigung der Session abschalten. Wenn, muss die Montierung in der Stellung bleiben, in der sie gerade steht. Man darf die Montierung nicht händisch auf Zero Position zurückstellen, sonst fährt die Montierung beim nächstenmal irgendwohin, nur nicht zum ersten Alignment Stern. Die alte Regel, wenn die Montierung gestartet wird, erwartet sie in Zero Position zu stehen, gilt so nicht mehr ganz genau. Also, es ist definitiv keine gute Idee, die Session in irgend einer Stellung zu beenden, vor allem beim mobilen Einsatz, wo man die Sachen von der Montierung wieder runter pflücken muss. Da gilt es sehr wohl, die Montierung erst in die Zero-Position zu fahren, dann ausschalten.

Dass sich die Montierung nicht nur für das Park Feature den Offset zur Zero Position und das Alignment (so vorhanden) mitspeichert, hat mich erst verwundert, und mich auch ein bissl gefuchst, bis ich kapiert habe, was los ist.  Also bei Spannungsunterbrechung kann die Montierung von selbst wieder "aufsezten". Das ist neu, und auch durchaus eine feine Sache (getestet, funktioniert wirklich!). Man darf nur keinen Fehler machen, und die Montierung händisch verstellen. Dann ist diese Information "korrumpiert" und es folgt Chaos. Genau dafür, wenn man so etwas macht, oder machen muss, gibt es das neue Feature "Set Zero Position". Also man bringt dann die Montierung händisch in die Zero Positon und löscht mit dem Neu Setzen in der Steuerung quasi den gespeicherten Offset. Das Manual gibt da nur halb Auskunft, so soll man nach Firmware Update die Zero Position prüfen, auch für jede Verwendung, und gegebenenfalls neu anlernen.

Man muss nur wissen, woran man ist, dann ist das alles kein Problem. Genau genommen ist die ieq45 jetzt mit der RTC (Real Time Clock) voll Sternwarten tauglich, und da sie sogar nach einem Spannungsausfall wieder aufnehmen kann, und auch die Zero Position wieder findet, könnte man sie sogar remote steuern. Dazu gibt es eine eigenen iOptron ASCOM Driver. Damit kann man fast den gesamten Umfang, den die Steuerung bietet, über das Driver-Interface nutzen.

Neu ist für mich eine Pufferbatterie (3V, CR1220) in der Handbox. Ist mir bislang noch nicht aufgefallen, aber bei der neuen ieq45 zeigt die Steuerung schon die richtige Uhrzeit und das richtige Datum - so man es einmal eingegeben hat oder ein Satfix vorhanden war. Bislang, zumindest bei meiner alten ieq45 hat man da irgendwas gesehen, Default Werte, bis der Satfix da war. Das heißt aber, sollte man mit der neuen ieq45 nicht auf den Satfix warten wollen, kann man dank der RTC bereits weiter arbeiten, weil die Uhrzeit auch ohne GPS wohl nicht so weit daneben sein wird, und beim Satfix ein Update erfährt. Die Steuerung kann so schon die Stellung des Polarsterns berechnen und die "Clock Position" für den Polsucher ausgeben. In diesem Sinne, man muß nicht wirklich auf den Satfix warten.

Der Polsucher ist ja mit einer Libelle ausgestattet, die die Orientierung der Skala erleichtert. Im Lieferumfang war die Libelle auf "halb sechs", wenn der Polsucher festgeschraubt war. Ich wollte diese Sache "geradebiegen". Das bedeutet ein angenehmeres Arbeiten in der Praxis, hab ich bei meiner alten auch so ausvisiert. Die Prozedur für die ieq45 Pro: Erst das Stativ fein nivellieren. Dann die RA Achse per Motor drehen, bis die Libelle des Polsuchers genau mittig sitzt. Damit das auch mit der Zero Position zusammenfällt, muss die Montierung händisch in die Zero Position gebracht werden.  Und nun natürlich: die Zero Position neu anlernen, weil man der Montierung "dreingepfuscht" hat. Aber jetzt ist es so, man nivelliert das Stativ, setzt die Monti auf, die Libelle des Polsuchers passt, man kann loslegen mit der Poljustierung. Die Dec Achse muss wie bei allen anderen Montierung nun quer gedreht werden, um den Durchgang für den Polsucher frei zu machen (bei meiner alten ieq45 kann man sich das richten, dass der Durchgang zum Polarstern auch in der Zero Position frei ist). Auch die Gegengewichtstange muss aus der Aufbewahrungsposition entfernt werden, sonst blockiert sie den Durchgang, das war immer schon so. Das quer gedrehte Teleskop muss nicht um die RA Achse rotiert werden, aber es ist schon gut so: Es blockiert auf diese Weise den GPS Empfänger weniger, wenn er noch seine Satfix zusammenkratzt. Wenn es wirklich flotter gehen soll, ist es besser, das Teleskop seitlich in Meridianlage bringen, Tubus waagrecht. Der 32-Kanal Sat Receiver hat dann wirklich freien Himmel über sich, so als wenn noch kein Teleskop aufgesattelt wäre.

Die Polsucher Beleuchtung verdient auch einen Kommentar. Fein ist ja, dass hier nicht das Feld beleuchtet wird, sondern seit jeher nur das Strichplattenmuster. Das Feld ist dunkel. Sehr angenehm. Die Helligkeit ist natürlich regelbar. Nun ist auch der Anschluss der Beleuchtungseinheit besser ausgeführt. Bislang war an der einschraubbaren LED einfach ein Kabel dran, wo man sich nur fragen musste, wie lang das so hält bis zum Litzenbruch (ist bei meiner alten ieq45 auch schon passiert...). Die LED Einheit hat nun eine Buchse, man schraubt sie ein, und es gibt ein Kabel, das man einerseits an die LED Einheit und andererseits an die "Reticle" Buchse am Gehäuse anschließt. Selbst wenn man nun die LED Einheit einfach abschraubt, bevor man den Stecker zieht - der Stecker kann sich in der Buchse drehen, da wird keine Litze mehr verdrillt. Also Daumen hoch, das ist eine sinnvolle Verbesserung.

Meridian Flip Verhalten ist nicht ganz neu, es war schon vorher an Bord. Was meines Wissens nun neu ist, man kann definieren, wie weit die Montierung über den Meridian düber fahren kann. Maximal sind 15° möglich, also eine Stunde. Andernfalls schlägt die Steuerung das Teleskop automatisch um und startet das Tracking (für visuelle Beobachter mag das einen Schreckmoment bringen, vielleicht sogar ein blaues Auge...). Ein simpler Stop mit Beep ist offenbar nicht mehr direkt möglich, so wie es bei meiner alten ieq45 ist, bei der es aber, wenn man es ohne Stop konfiguriert hat, kein Limit für den Meridian Überhang gibt, man musste in diesem Fall selbst aufpassen. Dies ist aktuell durch die Option der "Stop Position" ersetzt. Dabei bleibt die Monti bei Erreichen des Limits stehen, wohl mit Beep, dort wo man das Limit eben gesetzt hat. Man kann es wohl auch auf 0 setzen, dann stoppt die Montierung direkt beim Erreichen des Meridians.

Die Sync Funktion würde ich mir an manch anderer Montierung wünschen. Hier hat man sie seit der ersten Version. Und mit einem 1-Stern Alignment kann man sie doch hin und wieder brauchen. Hingegen, mit 3-Stern Alignment trifft das Goto ausreichend gut, dass die Sync Funktion eigentlich obsolet ist.  Aber man hat sie, und wenn man mal g'schwind nur mit 1-Stern Alignment arbeiten will, geht ja doch sehr schnell, suche man den Stern im Süden. In hohen Deklinationen wird's dann wohl einen kleinen Pointing Fehler geben, den man locker mit Sync ausgleichen kann, zurück zu südlichen Deklinationen neuerlich Syncen und alles ist wieder da. So arbeite ich damit, und es geht ausreichend gut. Ich bin sogar immer wieder erstaunt wie gut meine alte ieq45 mit dem 1-Stern Alignment (und sonst hat sie ja nichts) trifft, selbst ein Objekt nach Merdianflip.

Was sehr viel drein gepfuscht hat bei den Tests war das Stativ. Ich habe es schon angedeutet, man kann die Klemmung der Stativbeine mit diesen kleinen Sterngriffen "anzimmern" wie man will, mit diesem geringen Hebelarm bringt man nicht genug Kraft auf. Die Stativbeine rutschen durch und sinken so ein Stück ein. Dann braucht man sich nicht wundern, dass die Poljustierung hinüber ist, und das Goto ebenfalls nicht mehr trifft. Bis es aber klar war, was los ist, ist einige Zeit vergangen. Letztlich ist die Montierung auf mein Baader Holzstativ drauf gekommen, damit war Arbeiten möglich. Schlicht, das Originalstativ ist in dieser Form, im Auslieferzustand, unbrauchbar. Da war, gelinde gesagt, das alte Stativ (wie bei meier alten ieq45) wenigstens brauchbar, wobei, irgendwann ist mir mit höherer Zuladung an Fernrohrgewicht auch mal ein Bein eingesunken, ohne dass ich es bemerkt habe. Ich habe mich damals nur gewundert, warum die Montierung so gar nichts mit Goto trifft. Dieses Erlebnis, ich bin draufgekommen, war dann der Startschuss, mein altes Baader Holzstativ für die Aufnahme der ieq45 zu präparieren, indem ich selbst einen Flansch gefertigt habe, man lache nicht - aus Birkensperrholz. Funktioniert übrigens prächtig, auch schwere Brocken hab ich schon drauf gehabt, ohne irgend ein Problem.

Die ieq45 Pro auf dem Berlebach "Planet" Stativ, in Kundenkonfiguration. Aufgesattelt ist ein 152/900 Achromat, ein fast 12 kg Bröckerl im Beobachtungstrimm, an der Gegengewichtsstange hängen 19,5 kg. Aber ja, wenn man nicht tollpatschig hin greift, kann man bei 300x noch ohne Gezitter sogar am Grobtrieb scharf stellen, den Feintrieb kann man ja mit einem Finger "streicheln"..

Tracking und Guiding Performance

Meine alte ieq45 hat sich doch als fototauglich erwiesen. Das wurde ja einst beworben, so wie heute. Ich habe natürlich auch alle Evolutionsstufen dieser Montierung kurzen Guidingtests unterzogen, und wurde nicht enttäuscht. Auch bei dieser neuen ieq45 Pro war dadurch eine gewisse Erwartungshaltung gegeben. Ich wollte allerdings erst ein Tracking Protokoll. Zum Glück ist PECPrep so "smart", Drift raus zu rechnen. Die erste Session, bei der wir das Tracking Protokoll mit PHD aufgenommen haben (Andi Berthold hat mich bei den Tests unterstützt), wäre sonst für die Katz gewesen, weil eben das Stativ nachgegeben hat, was wir erst später entdeckt haben. Aber so war das Protokoll verwertbar. 

Bei den Kometenfotos (41P/Tuttle-Giacobini-Kresák) versuchten wir es erst nochmals mit dem Originalstativ. Die Sterngriffe an den Stativbeinen so fest wie nur geht zu klemmen, hat nicht funktioniert, so wurde schnell auf mein Baader Holzstativ umgerüstet. Letzteres hatte ich auch beim expliziten Fototest in Verwendung.

Was das Tracking betrifft, kann ich sagen, mit etwas Glück erhält man sogar bis zu einer Minute unguided runde Sternen. Also sollte Guiding kein Problem sein. Das sollte eine Fotoserie zeigen.

Wir hielten auf M51 drauf. Die Bedingungen waren weniger gut. Mondheller Himmel, auch wenn es nur eine schmale Sichel am Westhimmel war, es war ein -10 mag Scheinwerfer. Dadurch war der Himmel stark aufgehellt. Von Aufnahme zu Aufnahme sank der Mond tiefer, dadurch wurde der Himmel halt weniger hell, von dunkel kann man nicht wirklich reden. Es war auch leicht dunstig. Das Seeing eher ruppig, die Sterne hat es immer wieder ordentlich hergefetzt. Es wehte ein recht heftiger, böiger Südoster. Wir standen zwar auf der Nordseite meines Hauses prinzipiell im Windschutz, jedoch im verbauten Gebiet fängt sich der Wind halt und kommt dann auch aus anderer Richtung. Wir haben letztlich viele mehr oder weniger heftige Böen abgekriegt, mehr als uns lieb war. Normal stellt man sich bei solchen Bedingungen nicht raus zum Fotografieren. Ich musste aber den Test durchbringen, was soll's, wenn klare Nachtstunden rar sind. Und wenn man sich schon raus stellt unter diesen Gegebenheiten, muss man mit Ausschuss rechnen. Ok, ich hätte nun nur die besten Fotos der Serie verwenden können, aber ich habe einfach alle acht Rohbilder verwurstet.

Das Ergebnis dieses Fototests nachfolgend. Bei der Bearbeitung habe ich etwas geschwitzt. Die ganze Kalibrierung mit Bias, Darks und Flats hat nur starkes Rauschen ergeben. Letztlich war es g'scheiter, einfach die Rohbilder auf RGB umsetzen (Fitswork) und durch den DeepSkyStacker zu jagen und zu stacken. Weitere Bearbeitung in Fitswork.

Messier 51, 8x 10 Minuten, median-combined. Kamera: Canon EOS 1000D, ISO 400. Teleskop: 102/700 Triplet APO. Guider: Lacerta MGEN via 50mm Sucher. Auf das Bild klicken, dann geht es zu voller Auflösung. Bedingungen: leicht dunstiger Himmel, Mondsichel am Westhimmel - während der Aufnahmen tiefer sinkend, ruppiges Seeing, Windböen.

Während der Aufnahmen sah ich dem Guider fallweise zu. Solange er nur mit dem Seeing und Tracking beschäftigt war, gab es in der MGEN Drift Anzeige in beiden Achsen einen waagrechten Strich mit fallweise einem kleinen Franserl dran. Doch die Windböen machten dem Guider dann hübsch zu schaffen, das war auch zu sehen. Fallweise war die Dec Achse mehr betroffen, manchmal sind beide Achsen gleichzeitig vom Wind "bedient" worden. Dass es da nur ganz geringe Ausfahrer gab, ist eh eine Leistung. Also wenn die Sterne nicht ganz perfekt rund erscheinen, die Ursache liegt im böigen Wind.

Nachdem die ieq45 über eine Zahnriemen Übertragung von der Motorwelle zur Schneckenwelle verfügt, würde man gemeinhin eine relativ gleichförmigen, nahezu sinusförmigen PE Verlauf annehmen. Also, bei meiner alten ist es zwar kein Sinus, aber die einzelnen Zyklen gleichen sich sehr, bei einem recht hohen PE von +/- 17". Dennoch lässt sie sich guiden, der Guider hat aber schon etwas zu tun. Ohne Guiding geht es nur ca. 20 Sekunden lang. Nun zum PE Verlauf der neuen ieq45 Pro:


Die Auswertung des Trackingverhaltens in PECPrep für 7 Schneckenumläufe.
Die Schneckenperiode dauert laut PECPrep Frequenzanalyse 337,9 Sekunden, der Nennwert laut iOptron ist 337,5 Sekunden..

Es kommt immer anders als man denkt. Hier sehen wir im Frequenzspektrum von links langperiodische Terms, wie sie für jede Montierung typisch sind. Diese Terms habe ich mittels Hochpass gefiltert, weil dieser Fehler kommt langsam, nimmt quasi den gesamten PE Verlauf "mit". Was der Guider tatsächlich bewältigen muss, mit ein bissl was dazu oder weg, ist das eben gefilterte Ergebnis. Die größte Magnitude kommt von der Schnecke selbst, so ist das normal. Danach folgt aber ein ganzer "Wald" an Perioden mit höherer Frequenz, die den PE Verlauf interessant machen. Ganz rechts ist das hochfrequente Seeing Gezappel, gefiltert. 

Von rund +/- 2,5" schwillt der Trackingfehler an, bis er sich auf etwa +/- 7,5" aufschwingt. Vermutlich geht der Fehler dann wieder zurück auf eine geringe Amplitude (der ausgewiesene RMS Wert liegt mal bei etwa 2,5"). Dadurch schaut die Überlagerung der einzelnen Schneckenperioden auch eher nach Spaghetti-Salat aus. Streckt man diese Kurven etwas, sieht die Sache entspannter aus.


Hier nochmals die PE Kurven der 7 Schneckenumläufe, etwas gedehnter dargestellt. Damit sollte ein Autoguider auch kein Problem haben.

Der RMS Wert für den PE sagt ja, dass über den meisten Teil ein niedriger Fehler vorliegt. Und der eine Zyklus mit weiterem Ausschwingen kommt eher glatt daher, ohne große Verunstaltung. Es ist im Prinzip egal, wie der Fehler ausschaut, auch ziemlich egal wie hoch der Fehler ausfällt, so er nur langsam kommt, wird sich eine Montierung noch gut guiden lassen. Das ist hier der Fall. Zudem bringt die feinere Verzahnung in RA sehr wohl einen deutlich niedrigeren PE mit sich, wenn ich mit meiner alten ieq45 vergleiche. Ohne Wind hat der Guiding Verlauf ja sehr ruhig ausgesehen. Das ist Indiz genug. Bei den Kometenfotos ist es ja auch fein gelaufen. Passt so, die neue ieq45 Pro ist, so wie ihre Vorgänger Versionen, fototauglich.

Fazit

Ich mag die ieq45, meine alte, und auch die neue Version hat es mir angetan. Sollte meine alte irgendwann irreparabel den Geist aufgeben, werde ich mir wohl eine neue ieq45 angeln. Sicher werden wir auch noch weitere Produktverbesserungen sehen. Auch hoffentlich, wenn es nur eine "Kleinigkeit" ist, die aber über Brauchbarkeit entscheidet, die Klemmung beim Stativ. Es ist jetzt kein absoluter Beinbruch, es ist ein M8 Gewinde, da wird man sich relativ preiswert helfen können, sei es einfach mit einer M8 Inbusschraube passender Länge. Das Stativ taugt aber so wie die Stative von der Konkurrenz nur für so gut wie nicht ausgezogene Stativbeine und moderate Zuladung. Ein stabiles Holzstativ kann ich nur wärmstens empfehlen, das gilt eigentlich für jede Montierung.

Was neu für mich war, dass sich die Montierung die aktuelle Position merkt, nicht nur für die Parkposition (dort ist es wohl klar).  Das heißt, immer, auch wenn man mittendrin abschaltet oder bei unbeabsichtigtem Spannungsausfall, weiß die Steuerung in welcher Stellung die Achsen stehen. Das ist einerseits nett, eröffnet Möglichkeiten, andererseits hat es mich ganz schön gefuchst, bis ich verstanden habe, was los ist. Es ist sozusagen eine schlaue Lösung, die keinen Home Sensor braucht, dennoch das kann, was man normal nur von Montierungen mit Home Index kennt: Das Wiederaufnehmen und Zurückfinden in die Homeposition auch nach Spannungsausfall. Genau das braucht man unbedingt bei Remotebetrieb. wenn die Sternwarte wirklich weit weg ist und nicht mal schnell wer hin gehen kann. 

Es bleibt nur am Ende zu sagen, es ist eine gute Montierung, ein braves Arbeitspferd, so man die Technik verstanden hat und weiß was man tut. Letztlich ist es bei jedem Ding so, wenn man es "meistern" will, muss man es verstanden haben. Die iOptron ieq45 war aber schon immer anders als die üblichen Montierungen, und ist es bis heute geblieben. Man baut bei ipOtron nicht 1:1 alles nach was eh schon tausendmal gebaut wurde, man überlegt sich was, wodurch manch innovative Lösung entstanden ist. Das macht die iOptron Montierungen irgendwie besonders, erfordert aber auch ,wie ich immer sage, einen "mündigen" Anwender. Der war ich am Anfang auch nicht unbedingt, ich habe es eben gelernt, wie man mit dieser Montierung umgeht und arbeitet. Wer technisches Verständnis mitbringt, sollt's aber schaffen. Für Tipps und Auskunft stehe ich natürlich gerne zur Verfügung.

Howdii

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