10" Skywatcher Dob

10-inch
Skywatcher Dob

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Seit einigen Jahren schon gibt es bei uns im Fachhandel Teleskope aus China. Bekannt sind sie den meisten Amateuren wohl durch ihr Auftreten im "Kampfpreis-Segment". Über die Qualität liest man, speziell im Internet, dies und das, doch was sind tausend Wortmeldungen gegen die eigene Anschauung.
Kürzlich bot sich meinem Beobachtungspartner, DI Mag. Walter Koprolin, und mir die Gelegenheit, eines dieser Geräte, einen 10" Dob der Marke Skywatcher näher kennenzulernen. Wir hatten das Teleskop bei einem Besuch im neuen Geschäft der
Astro Experts in Wolkersdorf erstmals gesehen. Dem Angebot eines Tests konnten wir einfach nicht widerstehen. Gleich vorweg, es handelt sich sicher nicht um ein ausgesuchtes Testgerät, ganz im Gegenteil, wir waren dabei, wie die originalverpackte Schachtel geöffnet wurde. Nun aber schön der Reihe nach...

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Erste Eindrücke

Der Tubus ist aus dünnem Stahlblech gefertigt, und außen glänzend weiß lackiert. Vorne gibt es einen Tubusendring, eine vierarmige Spinne mit relativ dünnen Armen, einen justierbaren Zahnstangenfokussierer, Schwalbenschwanz-Halterung für den Sucher; hinten sitzt eine solide Spiegelzelle die eine gute Belüftung des Hauptspiegels gewährleistet. Alles Metall, schaut gut verarbeitet und vertrauenserweckend aus, Schrauben, die man wohl sehr häufig betätigt sind nicht irgendwie flimsig und klein. Einzig der Verschluss des Fokussierers und der vordere Deckel für den Tubus sind aus Kunststoff. Ersterer sitzt gut und verlustsicher, letzterer allerdings relativ locker; kaum greift man den Tubus zum Transport an, will der Deckel auch schon davonkugeln. Das lässt sich wohl leicht beheben, indem man einen Streifen Filz einklebt.

Die Innenlackierung des Tubus ist matt, sieht aber eher hellgrau aus als schwarz. Dem könnten bastelfreudige Besitzer abhelfen, zumindest gegenüber vom Fokussierer könnte man einen Fleck schwarzer Veloursfolie einkleben. Dies wäre schon deswegen von Vorteil, weil die Tubuslänge vorne recht knapp bemessen ist. Mit ein bisserl Bastelgschick ließe sich auch eine leichte Tubusverlängerung bauen, die einerseits als Streulichtschutz dient, andererseits den Fangspiegel etwas besser vor allzu raschem Beschlagen in feuchten Nächten schützen würde.

Sucher
Der 8x50 Sucher in seiner Halterung

Der mitgelieferte 8x50 Sucher ist durch die Schwalbenschwanzhalterung praktisch justierkonstant anzubringen. Der Sucher selbst kann einfach mit zwei Schrauben justiert werden, den dritten Punkt übernimmt eine Feder. Einfacher und praktischer lässt sich ein Sucher kaum mehr einstellen - ein aufmerksames und sehr nettes Detail.

Okularauszug von der Seite Okularauszug von
schräg oben
Zwei Ansichten des Okularauszugs

Den Fokussierer sollte man erst einmal genauer untersuchen. Die Basis des Fokussierers ist justierbar, damit lässt sich der Auszug exakt ausrichten. Einen schief sitzenden Fokussierer muss niemand in Kauf nehmen. Die Justierung erfolgt über Zug- und Druckschrauben. Die Druckschrauben sind wunzikleine Madenschrauben, die man leicht übersehen könnte.
Der Zahnstangenantrieb hat vorderhand relativ viel Spiel, und neigt beim Rein- und Rausdrehen zum Verkippen, was beim Beobachten Bildshifting bedeuten würde. Der Anpressdruck des Antriebs lässt sich durch vier Schrauben einstellen. Gegenüber vom Antrieb sitzt eine Blockierschraube, um Fokuswanderung bei größerer Zuladung (z.B. einem schweren Okular) zu verhindern. Wenn man genau schaut, entdeckt man oberhalb und unterhalb der Arretierschraube weitere zwei winzige Madenschrauben, mit denen sich das Shifting des Fokussierers rausjustieren lässt. Diese Justierschrauben sind so gut "getarnt", dass wir sie erstmals total übersehen haben. Es bedeutet allerdings einige Spielerei, bis beim Bewegen des Fokussierers rein vom Anschauen her kein Verkippen mehr feststellbar ist. Bei der Beobachtung zeigt es sich dann, ob die Arbeit zielführend war. Zumindest auf ein fast unmerkliches, minimales Shifting sollte es doch hinzukriegen sein.
Zum Fokussierer gibt es eigene 2" und 1.25" Adapter mit Sicherungsnut. Ein eingesetzter Adapter wird zudem mit zwei Schrauben gehalten. Der 2" Adapter ist gleichzeitig Verlängerungshülse, und trägt damit dem Umstand Rechnung, dass 2" Okulare in der Regel mehr Fokusweg nach außen brauchen. Damit muss der Fokussierer nicht so weit herausgedreht werden, was der Stabilität wohl nur förderlich ist.

Rockerbox
Die Rockerbox

Die Rockerbox ist eine klassenübliche Spanplattenkonstruktion. Saubere Beschichtung der Platten, auch an den Kanten - somit wird eine feuchte Nacht problemlos zu überstehen sein. Über die Haltbarkeit der Kantenumleimer kann ein Kurztest natürlich keine Auskunft geben. Das Azimut-Lager hat etwas Spiel, was sich nachteilig bei der Nachführung auswirkt. Statt zu drehen, schiebt man die Rockerbox auf der Grundplatte erst einmal ein Stückerl waagrecht weg. Dieses kleine Manko ließe sich durch eine passgenaue Zentrierhülse lösen, vielleicht tut es sogar eine Lage Klebeband.

Schraubgriffe Höhenlagerung
Schraubgriffe und Höhenlagerung

Durchaus pfiffig gemacht ist die Höhenlagerung. Die Höhenräder am Tubus haben außen einen Filzring, und sitzen nicht - wie üblich - auf den Seitenwangen der Rockerbox. Die walzenförmigen Höhenlager sind innen an den Seitenwangen angebracht, die Höhenräder liegen also innen mit den Filzringen an den Seitenwangen an. Mit Schraubgriffen, die anschließend in die Höhenräder eingedreht werden, lässt sich einerseits der Anpressdruck zwischen Seitenwangen und Höhenräder einstellen, gleichzeitig gibt diese Konstruktion der Rockerbox eine gewisse Stabilität, die sich in deutlich weniger Verwindung beim Beobachten angenehm bemerkbar macht.

Alles in allem wirkt die Konstruktion durchaus gelungen, mit etlichen cleveren Details. Kleine Schwächen wird es in dieser Preisklasse immer geben, hier sind es erstaunlich wenige.

Die Eckdaten der Optik: Hauptspiegeldurchmesser 254mm, Brennweite 1200mm, 20% Obstruktion. Beim ersten neugierigen Blick in den Fokussierer stellen wir fest, dass die Justierung völlig "daneben" war. Irgendwie verständlich, die Optiken werden gerade mal eingebaut, für eine Justierung reicht es bei dem Preis wohl nicht mehr, auch nicht in Fernost. Zusammen mit Walter nahm ich mir den Burschen daher einmal näher vor, um die Optik von Grund auf zu justieren. Wir vereinbarten dazu ein Treffen am 11. 1. 2003 in Wolkersdorf, im Geschäft der Astro Experts. Bei uns fängt eine Grundjustierung an einem neuen Newton damit an, dass wir das Teleskop einmal zerlegen.

Rückseite
Der Dob von hinten
Zu sehen sind die großen Justierschrauben, die Hauptspiegellagerung und die Rückseite des Hauptspiegels.

Dabei wird die Hauptspiegelzelle vorerst ausgebaut, was eine leichtere Ausrichtung des Fangspiegels ermöglicht (man wird nicht durch die mehrfachen Reflektion irritiert), und zudem kann man gleich inspizieren, wie die Spiegelzelle aussieht, wie der Hauptspiegel eingebaut ist. Zu unserer Überraschung war der Spiegel nicht grauslich eingespannt, er wies leichtes Spiel beim Schütteln der Zelle auf. Ein paar der 6 Halteklammern wurden noch nachjustiert, damit der Spiegel auch nach oben genug Luft hat. In Summe hat es etwas überrascht, hier sachkundigen Einbau anzutreffen.

Spinne und Sekundärspiegel
Sekundärspiegelhalterung und Sekundärspiegel, dahinter der Okularauszug

Der Fangspiegel war nicht optisch unter dem Fokussierer zentriert. Um zu sehen, ob dies mit den Justierschrauben korrigiert werden kann, bauten wir kurzerhand die Spinne samt Fangspiegel aus. Dabei konnten wir auch einen näheren Blick auf die Befestigung des Fangspiegels an seinem Halter werfen. Er ist mit einem doppelseitigen Klebepad am Halter befestigt. Nun, aus dem Haushalt weiß man ja, dass solche Klebepads ganz schön fest picken. Ob dies unter Hitzeeinwirkung hält, wenn z.B. der Tubus im Sommer stundenlang im aufgeheizten Auto liegt, fragt sich.
Bei der Gelegenheit kontrollierten wir auch den Fangspiegel näher. Uije, an einer Stelle, auf der dem Fokussierer abgewandten Seite, fanden wir die Fase abgeflacht vor. Spiegelungen von geraden Linien zeigten zu dieser Stelle hin arge Verzerrung. Da ist wohl bei der Fertigung etwas passiert, was einfach vertuscht wurde. Wenn das nicht einen merkbaren Astigmatismus in der Abbildung verursachen soll? Man wird sehen... Einerlei, die Justierschrauben des Fangspiegels zeigten, dass ausreichend Weg zur exakten Positionierung gegeben ist. Zuvor prüften wir noch den Fokussierer auf geraden Sitz. Ein klein wenig war nachzujustieren. Anschließend wurde die Spinne wieder eingebaut, und exakt zentriert. Der Fangspiegel selbst weist schon den notwendigen Offset radial zum Tubus auf. Den erforderlichen achsialen Offset konnten wir letztlich problemlos einstellen.
Das Ausrichten des Fangspiegels auf die Mittenmarkierung des Hauptspiegels per Laser gestaltete sich einigermaßen mühselig. Das fummelige Herumwerken mit einem kleinen Sechskantschlüssel ist sicher nicht auf den Skywatcher Dob beschränkt, man kennt es auch von anderen, teureren Fabrikaten. Zum Glück muss der Fangspiegel, wenn er einmal ordentlich justiert ist, eher selten nachjustiert werden. Der Hauptspiegel lässt sich ohne Werkzeug per Zug-/Druckschrauben justieren. Da eine Nachjustierung des Hauptspiegels weit öfter der Fall ist, ein weiteres nettes Detail. Zudem sollte die Justierung einigermaßen gut halten, wenn man die Schraubenpaare sanft, aber bestimmt, gegeneinander kontert. Die Justierung ließ sich insgesamt gut bewerkstelligen - eine abschließender Kontrollblick mit dem Cheshire Okular zeigte ein zufriedenstellendes Ergebnis.

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First Light

Am 17. 1. 2003 sah der Dob erstmals Sternenlicht über Österreich. Bei dieser Begebenheit auf der Sophienalpe konnte ich leider nicht zugegen sein, aber Walter holte zusammen mit Andreas Berthold die ersten Beobachtungseindrücke ein. Ich will hier kurz Walters Meinung kundtun. Die Optik zeigte sich erfreulich gut, bei 200x gab es einen wunderschönen, brillant gezeichneten Saturn zu sehen, Jupiter stand zu dieser Zeit noch tiefer und gab aufgrund des nicht gar so guten Seeings kein so tolles Beobachtungsobjekt ab.
Mit dem mitgelieferten 28mm 2" Okular brachte die Abbildung schon auf halbem Weg zum Rand dicke Sternpatzen zustande, mit Walters 22mm Panoptic Okular war die Abbildung erheblich besser. Eigentlich kein Wunder, eine derart "schnelle" Optik stellt speziell bei den längeren Okularbrennweiten halt höhere Ansprüche an das Okulardesign. Die gut astigmatismuskorrigierten Typen schneiden hier weit besser ab als konventionelle Okulare, sei es Plössl oder Erfle. Mit dem Zweck entsprechenden Okularen hat die Optik feine Sterne gezeigt, wie sich das für eine ordentliche Optik gehört.

Klar hat Walter Bildshifting berichtet, vom leicht hin und her wackelnden Okularauszug (der zu dieser Zeit noch nicht voll justiert war). Und wie befürchtet, hat Walter bei hoher Vergrößerung auch Astigmatismus entdeckt, der wohl vom Fangspiegel herrührt. Es war aber seiner ersten Einschätzung nach nicht sehr arg. Alles in allem, auch nach dem ersten, sehr kurzen Startest, meinte Walter, ich solle vorsichtig sein, möglicherweise würde ich den Dob nach einem Test gar nicht mehr hergeben wollen.

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Sterne und Planeten...

Ich war dadurch natürlich extrem neugierig geworden und wartete auf eine Gelegenheit, um mir selbst einen Eindruck von der Abbildungsleistung zu machen. Am 25. 1. 2003 sollte es soweit sein. Den ganzen Tag lang sah man nur eine dicke Wolkendecke, doch der Wetterbericht hatte Aufklaren versprochen. In der Tat, am mittleren Nachmittag gab es erste Auflösungserscheinungen, immer größere Flecken blauen Himmels wurden sichtbar. Ich düste darob sofort nach Wolkersdorf, um den Dob zu einem weiteren Test auszufassen. Bis ich heimkam, war der Himmel von neuem zugezogen. Deshalb gab es erst einmal einen "Trockentest". Dabei versuchte ich das Spiel des Fokussierers zu minimieren, und die Justierung zu prüfen. Nun, die war etwas "off", nicht so fein wie wir es ursprünglich eingestellt hatten. Ok, das Gerät hatte schon Transporte und First Light hinter sich, und durch den Versuch, das Shifting des Fokussierers wegzubekommen, mag der Auszug auch eine etwas andere Lage eingenommen haben. Es war nicht viel, der Hauptspiegel war aber an allen drei Schraubenpaaren etwas nachzujustieren. Den Fangspiegel hatte ich vorher auch geringfügig nachjustiert. Bald nach 20:00 Uhr guckte ich wieder aus dem Fenster, und sah Wolkenlücken. Also, nix wie raus. Hurtig schlüpfte ich in meine warmen Klamotten, und stellte den Dob auf die Terrasse. Von der Lagerung zur Außentemperatur waren etwa 7 Grad C zu überbrücken. Die Temperaturänderung während der Beobachtung war gering, von -1 auf -2 Grad C. Ich wollte der Optik eigentlich beim Austemperieren zusehen, dabei kann man schon einiges über den Korrekturzustand lernen. Dazu kam es aber nicht so recht; die erst Zeit meiner Beobachtung hatten die Wolken weiterhin Oberhand, nur fallweise gab es ein paar "Risse" in den Wolken, wo Sterne durchschimmerten. Jupiter hatte ich wohl im Bild, aber fallweise so dunkel, dass er wie ein Geist seiner selbst aussah. So lässt sich natürlich nicht vernünftig testen. Es war nur festzustellen, dass das Bild trotz des Bedarfs zur Temperaturanpassung nicht arg "matschig" erschien.

Plötzlich im Süden Sirius, hell und strahlend. Sofort schwenkte ich das Teleskop herum und begann mit den ersten Startest Analysen. Dabei hätte ich fast übersehen, wie auf einmal der gesamte Himmel aufklarte. In der Folge zogen nur mehr ein paar Wolkenfetzen durch, dann war Ruhe. Feucht war es allemal, es sah sogar nach drohender Nebelbildung aus. Nun konnte ich wenigstens ungestört arbeiten, und hatte sogar einigermaßen gutes Seeing. Mir wurde das bucklige Stehen aber bald zu mühsam, so angelte ich einen Gartensessel und hockte mich einfach auf die Lehne, das war gerade recht. Ein spezieller Beobachtersessel mit höhenverstellbarem Sitz wäre hier gerade richtig.

Das Austemperieren war noch nicht ganz abgeschlossen, wohl waren die typischen Spuren des Tubusseeing nicht mehr zu erkennen, doch die Planeten zeigten noch blau-rote Ränder, und Sterne hatten noch ein kleines "Schwanzerl". Die Justierung sah gut aus. So vertrieb ich mir die Zeit mit wechselnder Planetenbeobachtung und weiterem Startest. Auch ich bekam einen wunderschönen Saturn bei 200x bis 240x zu sehen, mit umlaufender Cassini-Teilung, C-Ring, Encke-Minimum im A-Ring, strukturiertem Wolkenband auf dem Planeten selbst, auch die dunklere Polregion war deutlich erkennbar, und der Schatten des Planeten auf den Ringen. Garniert war das Ganze mit ein paar Monden als feine Pünktchen.

Jupiter war nicht ganz so eindrucksvoll. Hier ist anzumerken, dass Jupiter auch die weit höheren Anforderungen an die Kontrastleistung der Optik stellt. Wohl, Jupiter zeigte gerade ein etwas fades Gesicht her, doch der Kontrast in den Hauptbändern könnte härter sein, so meine Einschätzung. Durch die große Öffnung waren zwar die Farben delikat, von lachsrosa bis bräunlich, auch einige Details in den Hauptbändern waren zu sehen, insgesamt hätte ich mir aber etwas mehr erwartet.

Der Startest sollte das Rätsel lösen. Die Optik war nun nach gut zwei Stunden austemperiert, es gab keine thermischen Beeinträchtigungen mehr. Der Astigmatismus, den Walter schon auf der Sophienalpe gesehen hatte, erschien mit doch ein bisserl arg. Nicht nur ganz eng um den exakten Fokus war das Beugungsbild stark gequetscht, auch bei etwas weiterer Defokussierung war es noch eindeutig oval, und erst bei ziemlich weiter Distanz vom Fokus war das Beugungsbild rund. Im exakten Fokus zeigte sich noch kein Problem, allerdings konnte ich das bei leicht flirrenden Beugungsringen auch nicht ganz exakt feststellen. Kaum hat man aber den Fokus nicht exakt eingestellt, wird ein Stern schon zu einem Stricherl verzeichnet. Dies fiel besonders bei Castor auf. Die Optik trennte den Doppelstern natürlich locker. Insgesamt würde ich den Astigmatismus in dieser Preisklasse als gerade noch tolerierbar bezeichnen, bei einer High-End Optik würde ich soviel Astigmatismus niemals durchgehen lassen.

Der Test auf sphärische Aberration zeigte leichte Überkorrektur, die im Laufe des Austemperierens etwas geringer wurde. Die geringe Änderung der Korrektur deutet auf ein "low-expansion" Spiegelsubstrat hin, gemeinhin sagt man "Pyrex" dazu. Dies deckt sich auch mit unserer Einschätzung vom Aussehen des Spiegelsubstrates (milchig weiß, leichter Gelbstich) her. Die Überkorrektur der Sphärischen schnell einmal abgeschätzt ergab eine ausreichende Reserve zum "Lamda/4" Kriterium, also besser als das, was man landläufig als "beugungsbegrenzt" bezeichnet. Doch halt, irgendwas Ungewöhnliches war da noch, ein kleines Mysterium hielt der Startest noch bereit. Ich war erstmals etwas ratlos, und prägte mir quasi als "Film" den Fokusgang von extrafokal nach intrafokal ins Gedächtnis ein, mit allen Änderungen der Erscheinung des Beugungsbildes. Freilich bin ich mittlerweile zu einem Schluss gekommen, was los ist: es dürfte sich eine leichte sphärische Aberration höherer Ordnung eingeschlichen haben, anders ausgedrückt kann man es auch als breiten Zonenfehler betrachten, so wird es vielleicht verständlicher. Ein negativer Einfluss auf die Abbildung darf jedenfalls als gering eingeschätzt werden.

Nach einer kleinen Pause wollte ich noch ein paar Genussblicke von Saturn und Jupiter erhaschen. Auffallend viel Streulicht schreckte mich erst einmal auf. Ich prüfte das Okular, natürlich beschlagen. Her mit einem anderen, immer noch Streulicht. Okular raus, ein Blick auf den Fangspiegel, aha, beschlagen. Gut, wissen wir schon, diese mikrofeinen Tröpfchen können manchmal wie ein Neutralfilter wirken und Planetenbeobachtung durchaus noch "positiv bereichern". So war es zumindest an Jupiter, der Kontrast der Wolkenbänder wirkte nun härter, und Details wurden leichter sichtbar. Langsam "schwamm" mir aber die Sicht so richtig weg, und wie ich vom Fernrohr zurücktrat, merkte ich, dass sich leichter Bodennebel gebildet hatte. Damit hatte ich wohl das Beste der Nacht gesehen, und packte zusammen. Um Mitternacht war ich wieder drinnen. Eine halbe Stunde später war die Bodensicht klar, der Nebel hatte sich gehoben und setzte zur Ausbildung einer Hochnebeldecke an.

Ok, viel über die Optik geredet, wie war der Dob im Handling, wie gut ließ er sich nachführen? Gar nicht so übel, kann ich sagen. Sicher sind Abstriche gegen High-End Dobs zu merken, die wirklich butterweich zu bewegen sind und exakt dort stehenbleiben, wo man sie auslässt. Die Höhenverstellung war ok, durch den Anpressdruck mittels der Schraubgriffe konnte die Härte und Balance gut kontrolliert werden. Die Azimutverstellung war etwas störrischer. Wenn man den Tubus am Vorderende packt und bewegen will, ist es ziemlich ruppig, und man merkt doch leichtes Verwinden der Dobkiste. Führt man aber den Tubusende am Vorderende, und hilft zugleich ein wenig am eingeschraubten Handgriff mit, kann man damit leben. Immerhin konnte ich noch bei 240x brauchbar nachführen. Es geht darum, das Beobachtungsobjekt so zu positionieren, dass es anschließend genau durch die Bildmitte läuft. Dieses Spielchen wiederholt man eben. Zumindest kann ich sagen, die Nachführung war besser zu handhaben als beim 10" GAT Dob, den ich vor Jahren im Test hatte. Da war's bei 200x schon mühselig, nachzuführen.

Und welche Anforderungen bestehen an die Okulare? Im Bereich höherer Vergrößerung kommt man ohne Zweifel mit konventionellen Okulartypen aus, wie Plössl, Ortho. Bei längeren Brennweiten als 15mm würde ich zu den wohl teureren, aber gut korrigierten Weitwinkeltypen greifen. Wie schon erwähnt, liefert z.B. das 22mm Panoptic eine brauchbar gute Abbildung, ich würde es als Okular für die "Standardvergrößerung" sehr empfehlen. Komakorrektor braucht man nicht, ganz im Gegenteil, an diesem Testgerät war mein Paracorr (der übrigens an meinem 18" Dob hervorragende Dienste leistet) eher kontraproduktiv (das mag mit dem Zonenfehler des Spiegels zu tun haben). Was halt selbst mit dem 22mm Panoptic bleibt, ist eine relativ starke Feldkrümmung. Wenn man Sterne gegen den Rand zu fokussiert, muss man sehr stark akkommodieren, um auch Sterne in der Bildmitte scharf zu sehen. Das ist auf Dauer sehr anstrengend. Daher fokussiert man eher kompromissartig auf einen Bereich nahe der Mitte, und nimmt halt etwas größere Randunschärfe in Kauf, man kann aber leichter auf alle Bereiche des Feldes akkommodieren.

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Fazit

Nach all dem, was weiter oben schon geschrieben wurde, glaube ich, wird es nicht verwundern, wenn ich sage: Dieser Dob ist ok für die Preisklasse (bei Astro Experts zum Testzeitpunkt um Euro 1049 wohlfeil). Es wird eine ordentliche mechanische Qualität geboten, eine Optik, mit der man durchaus schöne Beobachtungen machen kann, wenn auch der Astigmatismus schon etwas auf die Performance drückt. Sagen wir es so, wäre der Fangspiegel in Ordnung, hätte dieses Teleskop eine Abbildungsleistung, die über die Preisklasse hinausragt. Aber so ist es eben, zu Diskontpreisen muss man mit kleinen Abstrichen rechnen - es wird doch niemand so verblendet sein, und ein High-End Gerät erwarten. Die Bäume wachsen einfach nicht in den Himmel. Was meine Forderung ist: auch ein Teleskop in der Diskont-Preisklasse soll brauchbar sein, von der Mechanik bis zur Optik. Das erfüllt dieser Dob allemal.

Empfehlenswert für Einsteiger? Warum nicht? Mehr als in dem herkömmlich als Einsteigergerät bezeichneten 4.5" Newton oder 4" Achromaten sieht man allemal. Im Gegenteil, man hat ordentliche, helle Bilder, und in den wichtigsten Vergrößerungsbereichen, bis etwa 250x, gute Abbildung. Damit kann ein Einsteiger Begeisterung an der Astronomie finden.
Konkret gesagt, die vergleichsweise große Öffnung gibt einigen Spielraum für tolerierbare Abbildungsfehler. Liefert ein 10" bis 1 mm Austrittspupille brauchbare Bilder, so bedeutet das 250-fache Vergrößerung. Mehr kann seeingbedingt ohnehin selten vergrößert werden, und es sind auch eher die spezielleren Beobachtungsaufgaben, die so hohe Vergrößerungen erfordern. An eine Optik kleinerer Öffnung müssten viel strengere Maßstäbe angelegt werden, damit 200-fache Vergrößerung brauchbare Bilder liefert. Bei einem 4-Zöller bedeutet 200x 0.5 mm Austrittspupille, um dies zu schaffen, muss die Optik schon verdammt gut sein. Zudem sind bei dieser kleinen Austrittspupille die Bilder reichlich dunkel, und es erfordert einige Beobachtungserfahrung, dabei noch etwas erspechteln zu können.
Dass es beim 10" Dob einiges zu lernen gibt, von der korrekten Justierung der Newton-Optik bis zum Auffinden der Beobachtungsobjekte am Himmel, liegt in der Natur der Sache. Man will ja schließlich nicht ewig "Einsteiger" bleiben. Der Tubus ist nur mäßig schwer, man braucht kein Hüne zu sein, dennoch muss man ordentlich zupacken, um das Rohr beim Auf- und Abbau sicher handhaben zu können. Das ist wohl auch von "Jungastronomen" zu schaffen, sofern sie die körperlichen Voraussetzungen aufweisen.

Ein paar Worte noch zum Test selbst: Freilich handelt es sich nur um einen Kurztest, allerdings gab es zwei unabhängige Bewertungen der Abbildungsqualität. Die Testbedingungen waren nicht gerade "labormäßig" ideal, aber relativ hart und durchaus realistisch, und auf jeden Fall zutreffend auf die saisonale Situation "Spätherbst, Winter, zeitliches Frühjahr". Was einem Kurztest dieser Art "durch die Lappen" gehen könnte, wären z.B. innere Spannungen im Spiegelsubstrat, die unter gewissen Bedingungen die Abbildung beeinträchtigen können. So etwas wollen wir aber nicht von vornherein annehmen. Ich will damit nur sagen, dass ein Kurztest nicht die Performance unter allen Bedingungen, die im Laufe des Jahres vorkommen können, bewerten kann. Dessen soll man sich bewusst sein. Sollte jedenfalls alles in bester Ordnung sein, darf auf eine brave Performance geschlossen werden, Nacht für Nacht, soweit es die äußeren Bedingungen gestatten. Ein Punkt bleibt zu bedenken: Bei diesem Teleskop handelt es sich um Massenware im Diskontpreis-Segment. Daher kann der Test eines Einzelstückes niemals Rückschlüsse auf jedes andere Teleskop dieser Marke und Type geben. Ausreißer in der Qualität passieren auch renommierten Herstellern. Wenn ich es etwas scherzhaft ausdrücken darf: "The pelfolmance of youl optics may valy" ;-)

Bericht: #owdii
Fotos: Andreas Berthold

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