PENTAX 105 SDHF im Test Vor einigen Wochen hatte ich Gelegenheit, einen vierzoelligen Pentax-Refraktor, den 105 SDHF (freundlicherweise zur Verfuegung gestellt von Hrn. Rhemann vom Astrostudio Kamera in Wien, Alleinvertrieb von Pentax Amateur-Astrogeraeten fuer Oesterreich) naeher kennenzulernen. Es handelt sich bei diesem Geraet um einen dreilinsigen, photographisch korrigierten Vollapochromaten, wobei die dritte Linse als Feldebnungslinse dient. Die drei Linsen sind also in drei Gruppen angeordnet, die freie Oeffnung des Instruments betraegt 105 mm, die Brennweite 700 mm, somit liegt ein Oeffnungsverhaeltnis von 1:6,7 vor, das mittels Telekompressor noch einmal auf f/4,8 reduziert werden kann. Als Grenzgroesse werden visuell 12mag.2 angegeben, und ein Aufloesungsvermoegen von 1".1. Der Tubus misst im Durchmesser 115 mm, die Laenge betraegt gesamt 743 mm, und das Gewicht ist mit 5,3 kg angegeben. Das Rohr "wohnt" in einem soliden Alukofferl und wird in Oesterreich fuer etwa oeS 45.000,- wohlfeil sein, die genauen Preise waren zum Testzeitpunkt noch in Ausarbeitung. Sucher ist im Lieferumfang keiner enthalten. Ich hatte einen 7x50 Sucher zum Test dabei, der nicht nur durch exzellente Qualitaet und ein 7 Grad grosses Gesichtsfeld besticht, sondern auch durch seinen Preis (etwa oeS 3500). Ehrlich gesagt, so einen Sucher habe ich noch nie vorher gesehen. Der ist schlicht gesagt besser, als so manches Fernrohr, das am Markt zu haben ist. Bei diesem SDHF Refraktor kommt sog. SD-Glas zum Einsatz, das laut Pentax Unterlagen aehnlich gute optische Eigenschaften wie Fluorit hat, ohne dessen Nachteile wie viermal groessere Waermeausdehnung und eine gewisse Empfindlichkeit gegen Umwelteinfluesse. Alle Glas-Luft-Flaechen sind mit der speziellen Pentax SMC Verguetung versehen. Damit sollen hoechste Transmissionswerte gewaehrleistet sein. Pentax fuehrt an, dass der SD-Refraktor werksseitig fuer Sonnenbeobachtung mit voller Oeffnung freigegeben ist, was bei den Oel-Tripletts der Konkurrenzprodukte nicht ratsam ist, da diese Objektive harte Temperaturwechsel nicht gut vertragen. Nun genug der Beschreibungen, wie sieht's aus, wenn man durchguckt? Den ersten Test fuehrte ich bei Tag durch. Einerseits, um mit dem Geraet etwas vertraut zu werden, andrerseits lassen sich am Tag auch schon einige Aussagen treffen. Das Rohr ist sehr solide und sauber verarbeitet, der Okularauszug arbeitet praezise und spielfrei, und ist zudem in jeder beliebigen Stellung arretierbar. Nicht uninteressant, wenn man mit schwerem Zubehoer das Instrument gegen den Zenit ausrichtet. Photographisch ein Muss. Fuer die bei uns gaengigen 2" und 1,25" Okulare braucht man spezielle Reduzieradapter, die serienmaessigen Reduzierungen sind fuer 60,2 mm und 38 mm ausgelegt. Das ist aber sicher nicht mehr als die Erwaehnung wert. Mein 2" 40 mm Pentax Weitwinkel-Okular hat sich an diesem Geraet so richtig daheim gefuehlt. Die Abbildung von Nadelzweigen und Blaetterwerk war brillant und scharf ueber das gesamte Blickfeld von etwa 3,5 Grad. Als naechstes interessierten mich Beugungsbilder punktfoermiger Lichtquellen. Dazu fand ich an einer etwa 100 m entfernten Mauer einen ganzen "Sternenhimmel" an Glitzerpunkten, den ich mit langsam steigender Vergroesserung, bis zu 280x, ins Visier nahm. Es zeigten sich perfekte Beugungsscheibchen mit ein bis zwei zarten, konzentrischen Lichtringen. Die Beugungsbilder waren auch intrafokal und extrafokal identisch bis auf zarte gruenlich/violette Faerbungen, intra- und extrafokal jeweils in umgekehrter Reihenfolge. Diese Chromasie zeigte sich auch bei scharfgestellten "Sternen" als dunkle Hoefe vor dem graubraunen Mauerhintergrund. Das Bildfeld ist wirklich plan, randscharfe Abbildung mit saemtlichen Okularen, von Vignettierung ist nichts zu bemerken. Der "Nachttest" fand leider bei Vollmond statt, und auch nicht unter optimalen Sichtbedingungen. Jupiter stand leider schon viel zu tief, um noch eine sinnvolle Beobachtung zuzulassen. Bis Saturn etwas an Hoehe gewann, vergnuegte ich mich an "richtigen" Sternen. Der Eindruck der perfekten Beugungsbilder bestaetigte sich auch am Nachthimmel, keine Spur von irgendwelchen Bildfehlern, die Sterne sind punktfoermig bis zum Bildfeldrand. Leider zeigte sich aber auch in der Nacht, dass die Optik nicht farbrein ist. Um alle eingermassen helle Objekte war ein blau-violetter Hof zu sehen. Pentax gibt das aber unumwunden zu, eine perfekte photographische Korrektur fuer Mittelformatkameras UND moeglichst gute Farbreinheit wuerde den Preis wohl in wahrhaft astronomische Regionen treiben. Als Kamerahersteller fuehlt sich Pentax den Photographen in hohem Masse verpflichtet, und fuer rein visuell beobachtende Planeten- und Doppelsternfreunde verweist man auf den 105 SD (f/9,5) oder auf den 150 ED (f/12), die jeweils farbreinere und damit kontrastreichere Bilder bringen sollen. Nichtsdestotrotz versuchte ich trotzdem ein paar Doppelsternbeobachtungen. Epsilon Lyrae ist mit einer obstruktionsfreien Optik einfach ein Genuss! Vier nadelfeine Punkte. Delta Cygni ist mit Komponenten von 2mag.9 und 6mag.3 bei 2".4 Distanz schon ein harter Brocken. Dieser Doppelstern erschien nicht sicher getrennt, obwohl man bei 240facher Vergroesserung den Eindruck hatte, dass ein kleines "Bemmerl" aussen am Beugungsring dranpickt. Locker schaffte der Refraktor Sigma Cassiopeiae (5mag.0, 7mag.1, 3".0). Bei Albireo waren die Sternfarben sehr schoen zu erkennen. Mittlerweile war Saturn in brauchbare Position gerueckt. Der SDHF zeigte ein durchaus brillantes und scharfes Bild, unter idealen Bedingungen sicher eindrucksvoll. Das punkto Planeten wirklich signifikante Objekt waere allerdings sicher Jupiter. Auch der Mond war in bestechender Schaerfe zu sehen, mit dem obligaten blauen "Ranftl". Verglichen mit meinem 6" Maksutov zeigte sich der Refraktor im Vorteil durch die obstruktionsfreie Optik, die Beugungsringe sind unaufdringlich, und am Planeten bringt der SDHF ein "haerteres", kontrastreicheres Bild. Fuer rein visuelle Beobachtung waere eine bessere Farbkorrektur wuenschenswert, weil durch den Farbfehler ja schliesslich auch Kontrast verlorengeht. Man sollte aber nicht den eigentlich von Pentax vorgegebenen Verwendungszweck ausser Betracht lassen: die photographische Beobachtung von ausgedehnten, lichtschwachen Deep Sky Objekten. Hier ist der SDHF in seinem Element, was Herr Rhemann mit 2 wunderschoenen Aufnahmen vom Nordamerikanebel/Pelikannebel und Andromedanebel, die er mir zeigte, eindrucksvoll unter Beweis stellte. Faszinierend war die absolut randscharfe Abbildung, und die Abbildung der schwaechsten Sterne, die wie feinster Sand wirkten, nicht einfach wie eine verschmierte, helle Flaeche, wie es oftmals zu sehen ist. Fuer den Astrophotographen ist der Pentax SDHF aufgrund des perfekt geebneten Bildfeldes sicher erste Wahl. Und man sollte eines nicht ausser Acht lassen: photographisch lassen sich mit diesem kleinen, kompakten Refraktor Objekte "einfangen", fuer die man visuell schon einen recht grossen "Hobel" braucht. Howdii