Howdii's 5.7" f/6 Maksutov-Newton

Ceravolo HD145

Mein Ceravolo HD145 mit Taukappe und Sucher auf der Vixen SP-DX Montierung

Viele Leser werden dieses Gerät aus meinen Beobachtungsberichten kennen. Seit der ersten Version meines Erfahrungsbericht sind einige Jährchen ins Land gezogen, und mittlerweile ist es wohl kein Geheimnis mehr, dass es sich dabei um einen Ceravolo HD145 handelt. Ein "Exote" ist es nach wie vor, und wird's auch bleiben. Wenn ich mit dem "rußig schwarzen Ofenrohr" auf den meistbesuchten Spechtelplätzen, zum Beispiel der Ebenwaldhöhe, auftauche, erkennt man mich just am Fernrohr, so gut kann ich mich gar nicht tarnen oder verstecken. Früher musste ich vielfach über Herkunft und Bauart des Teleskops Auskunft geben, und erntete immer wieder erstaunte Gesichter. Da hat sich wahrlich einiges verändert.

Die Geschichte, wie ich zu diesem Teleskop kam, hört sich immer noch gleich an: Einstmals schnappte ich Prospektmaterial auf, wo die Ceravolo Maksutov-Newton "im Kampf gegen wesentlich teurere APOs" gepriesen wurden, was ihre Abbildungsleistung beträfe. Papier ist geduldig, dachte ich damals, man weiß ja, was man von Werbeaussagen zu halten hat... Beim ITT 1994, am Dobratsch, hatte Markus Ludes schließlich einen Ceravolo HD145 dabei. Damals war das Wetter eher instabil, mir war nur am Tag ein Blick durch dieses Gerät gegönnt. Die Schärfe und Brillanz der Abbildung war faszinierend. Ab diesem Zeitpunkt kreisten meine Gedanken immer wieder um diesen HD145. Bald nach dem ITT nahm ich mit Markus Kontakt auf, ob er mir das Rohr zu einem Test schicken würde, bei Gefallen würde ich es kaufen. Markus stimmte zu, und knapp vor Weihnachten hatte ich den Ceravolo in meinen Händen. Der geneigte Leser wird wohl erraten, wie die Sache ausgegangen ist...

In gewisser Hinsicht ist zwischenzeitlich fast so etwas wie ein "Hype" um die Maksutov-Newton Teleskope ausgebrochen, vielleicht war die erste Version meines Erfahrungsberichtes nicht ganz unschuldig dran. Heute hat dieser Teleskoptyp schon viele Liebhaber gefunden. Was ist denn wirklich so besonders am Maksutov-Newton? Das Konzept ist nicht so neu. Peter Ceravolo war mit seiner HD-Serie der erste Hersteller, der diesen Typ auf den Markt brachte. Schauen wir uns die Theorie ein bisschen näher an: Der Maksutov-Newton arbeitet mit einem (meist) sphärischen Hauptspiegel, dessen sphärische Aberration durch eine für Maksutov Optiken typische Meniskuslinse korrigiert wird. Zur Erklärung: eine Meniskuslinse ist eine stark durchgebogene dicke Linse, die praktisch keine Brechkraft hat, da die - meist sphärischen - Linsenflächen nahezu konzentrisch sind. Die Meniskuslinse bewirkt keinen nennenswerten Farblängsfehler, sehr wohl aber Sphärochromasie. Dennoch ist dem Maksutov-Newton eine feine Performance ermöglicht. Durch die Meniskuslinse ergibt sich außerdem ein geschlossener Tubus. Weiterns kann der Fangspiegel an der Meniskuslinse befestigt werden, wodurch die Fangspiegelstreben - und damit die beugungsbedingten "Spider-Spikes" - in der Abbildung entfallen. Da mit Hauptspiegel und Meniskuslinse nur drei Radien als optische Freiheitsgrade zur Verfügung stehen, ist die Off-Axis Performance nicht so gut, wie es beispielsweise beim Maksutov-Cassegrain möglich ist, bei dem mit dem Sekundärspiegel noch ein vierter Radius zur freien Gestaltung steht. Gegen einen normalen Newton ergibt sich beim  Maksutov-Newton durch viermal geringere Koma jedoch ein deutlicher Vorteil in der Off-Axis Abbildung. Der Fokus liegt beim Maksutov-Newton wie bei einem normalen Newton durch einen 45 Grad geneigten Fangspiegel vorne seitlich am Tubus. Es gibt verschiedene Designvarianten des Maksutov-Newtons, wie aus der bisherigen Beschreibung wohl schon zu erahnen ist. Im Ceravolo HD145 kommen meines Wissens nach rein sphärische Flächen zum Einsatz. Dadurch wird die Optik relativ immun gegen geringe Kollimationsfehler.

Schließlich schützt der geschlossene Tubus die heiklen Spiegeloberflächen vor Verschmutzung. Die Vergütung der Meniskuslinse ist etwas "härter" im Nehmen, was weniger Kratzer bei der Reinigung bedeutet. Der geschlossener Tubus des Maksutov-Newton hat gewisse thermische Vorteile gegenüber der normalerweise offenen Newton-Röhre, gewisse Gemeinsamkeiten, und auch seine Nachteile: Der Maksutov-Newton braucht länger zum Austemperieren, "Tubus-Seeing" gibt es auch beim Maksutov-Newton, doch wenn der geschlossene Tubus wirklich austemperiert ist (sofern dies in der Praxis tatsächlich möglich ist), sollte er seine thermischen Vorteile ausspielen können. In einem geschlossenen Tubus ergibt sich zumindest in der Theorie eine gute Homogenität der Luft, was für die Abbildungsleistung von erheblicher Bedeutung ist. Freilich könnte man auch einen Newton mit geschlossenem Tubus ausführen, indem man den Tubus vorne mit einer planparallelen Platte, einem sog. "optischen Fenster", abschließt. Diese Variante ermöglicht zwar ebenfalls die Montage des Fangspiegels an der Glasplatte, jedoch ist die Fertigung einer guten planparallelen Platte ziemlich teuer, und dann bleibt immer noch die bessere Off-Axis Performance des Maksutov-Newton. Das dürfte wohl den Ausschlag zugunsten des Maksutov-Newton gegeben haben.

Wenden wir uns nun dem HD145 f/6 konkret zu: Um Vignettierung schräg einfallender Strahlen durch die "Öffnungsblende" (= Fassung der Meniskuslinse) zu vermeiden, ist der Hauptspiegel mit 150 mm gegen die 145 mm Öffnung der Meniskuslinse etwas überdimensioniert. Die Brennweite des Systems beträgt 870 mm. Soweit die Eckdaten. Der Fangspiegel misst nur 1" im Durchmesser, und bewirkt nur 17.5% Obstruktion.

Blick auf die Meniskuslinse. Erkennbar ist der  kleinen Fangspiegel sowie der grüne Reflex der mehrfachvergüteten Meniskuslinse. Am Außenrand der Fassung sind die beiden Stifte zum Einrasten der Taukappe zu sehen. Gebrauchsspuren und "Sternenstaub" weisen auf die unzähligen Einsätze hin.

Der extrem kleine Fangspiegel braucht einen sehr flachen Okularauszug, um ausreichende Bildfeldausleuchtung zu gewährleisten. Dies  ist durch einen 2"/1.25" "Snap-Action" Drehfokussierer gelöst. Dieser Fokussierer hat ein paar relativ steile Gewindegänge, weiterer Fokussierweg ist durch einen ausziehbaren Adapter, in dem erst der 2"/1.25" Reduzieradapter steckt, gegeben. 

Der flache Fokussierer  mit den ineinander verschachtelten Adaptern - voll eingefahren.

Mit dem Schiebetubus wird der Fokus grob eingestellt, mittels Drehbewegung wird fein fokussiert.

Ein weiteres Merkmal dieses Teleskops ist die 7" lange Taukappe - eher ein Streulichtschutz, wirkungsvoller Tauschutz ist damit nicht gegeben. Mein Modell hat eine mehrfachvergütete Meniskuslinse. Im Lieferumfang sind des weiteren Abdeck-Kappen für Frontlinse und Fokussierer enthalten. Bei meinem Gerät waren noch Rohrschellen dabei. "Serienmäßig" war auch die optische Qualität, mittels Testzertifikat nachgewiesen - unterzeichnet von Peter Ceravolo höchstpersönlich. Die Daten meines Modells: 1/6.6 wave PV, 1/31 wave RMS - als System, also weit besser als "diffraction limited". Wohlgemerkt, der ausgewiesene Wavefront Error bezieht sich auf das gesamte optischen Systems, inklusive Meniskuslinse, Hauptspiegel und Fangspiegel! Das Testresultate wurde im roten Helium-Neon Licht bei 633nm mittels Laser-Interferometrie ermittelt. Was auffällt, ist der gute RMS-Wert im Verhältnis zum PV-Wert: das lässt auf sanfte Übergänge des Wavefront Errors schließen, und somit auf guten Kontrast. Überhaupt ist ja der RMS-Wert aussagekräftiger als der PV-Wert.

Die Testdaten meines HD145 sind ja recht solid, wenngleich es von der Papierform her nicht umwerfend ist. Was kann ich nun nach zahlreichen Einsätzen, mit gestiegener Erfahrung, über den HD145 sagen? Die erste Version dieses Berichtes klang ziemlich euphorisch, sicher nicht ganz zu unrecht. Doch heute stehe ich dem Thema doch etwas abgeklärter und differenzierter gegenüber. Vorsicht! Eine Warnung möchte ich hier noch aussprechen, ich rede vom Ceravolo HD145. Diese Aussagen kann man nicht einfach, eins zu eins, auf Maksutov-Newton anderer Bauart umlegen. Vieles wird deckungsgleich sein, speziell was die erzielbaren Beobachtungsergebnisse betrifft, manches differieren, vor allem in Hinsicht auf die mechanische Konstruktion und ihre Auswirkungen, und das thermisches Verhalten.

Die Justierung der optischen Komponenten hat sich in der Anfangszeit als sehr beständig erwiesen, trotz häufigen Transports auf durchaus holprigen Zufahrtswegen zu den Spechtelplätzen. Auch angesichts der Tatsache, dass mein HD145 nicht in einem noblen, mit Schaumstoff gepolsterten Kofferl reist, sondern - wohl ein wenig stoßgeschützt gelagert - einfach im Kofferraum meines Autos liegt. Das war solange gut, bis ich zwecks Reinigung der Meniskuslinse diese einmal mitsamt Fassung ausbaute. Vermutlich habe ich beim Wiedereinbau die Schrauben nicht so bummfest angezogen. Denn nach und nach stellte ich doch eine gewisse Dejustierung fest. Ich vermute, dass diese allein durch das Einrasten der Taukappe auf den beiden Aufnahmestiften verursacht wird. Nun gut, die Performance hat tatsächlich nicht wesentlich gelitten unter der leichten Dejustierung. Andererseits, ohne eigene Justierschrauben, einfach nur durch Verkippen der Meniskusfassung die Optik zu justieren, ist ein verdammt schwieriges Unterfangen. Mit Justierlaser kommt man nicht weit, weil eine Mittenmarkierung am Hauptspiegel fehlt, und der Drehfokussierer doch einigermaßen eiert. Was bleibt, ist das Einrichten mittels Cheshire und einfachem "Sight-Tube". Den Rest kann man am besten am Stern erledigen, wobei man sachte an der Meniskusfassung klopft, um die äußerst geringen Kippbewegungen zur Feinjustierung zu erreichen. Ceravolo selbst hat nur grobe Justieranleitung beschrieben, offensichtlich im Wissen, dass die Performance keinen Einbruch erleidet, auch wenn nicht alles so perfekt justiert ist. Ich weiß jetzt mit der Sache umzugehen, und bin auch nicht extrem pingelig, so wie zum Beispiel bei der Justierung eines Newton.

Gewöhnungsbedürftig ist der Drehfokussierer. Das Scharfstellen ist kein Problem, geht ruck-zuck und praktisch spielfrei, das Eiern des Fokussierers merkt man kaum, es sei denn, man dreht bei hoher Vergrößerung die ganzen Gewindegänge durch. In der Praxis erledigt man die Grobfokussierung jedoch mittels des klemmbaren Schiebetubus, und stellt dann mittels Drehbewegung den exakten Fokus ein. Verwirrend sind die vier Klemmschrauben, die die ineinander verschachtelten Adapter und das Okular darin halten. Durch das Drehen des Fokussierers bewegen sich ja auch die Schrauben am Umfang mit, und im Finstern muss man immer wieder tasten und suchen, welche Schraube jetzt zu lösen ist, um einen Okularwechsel durchzuführen, oder um den Schiebetubus zu lösen.

Vor thermischen Problemen ist auch der geschlossene Tubus des HD145 nicht ganz gefeit. Dieses "Schicksal" teilt er mit allen anderen unisolierten Metalltuben. Durch den dünnwandigen Alu-Tubus geht das Austemperieren in der ersten Phase recht rasch. Solange man nur eher niedrige Vergrößerung, unter 100x, einsetzt, ist die Abbildung meist von Beginn an in Ordnung, oder nach kurzer Zeit. Dies gilt, solange der Tubus nur etwa maximal 5 Grad Temperaturdifferenz auszugleichen hat. Wenn zum Beispiel der Tubus den ganzen Tag im Auto lag, und ordentlich aufgeheizt wurde, oder man das Teleskop aus dem gut geheizten Auto in eine klirrend kalte Winternacht stellt, dauert es schon gut ein Stündchen oder noch länger, bis die ärgsten Tubusturbulenzen verschwinden. Doch wenn im Startest keine sogenannten "Tube-Currents" mehr feststellbar sind, geht's für Feinspitze extremer Performance, zum Beispiel hartgesottene Planetenbeobachter, erst ans "Eingemachte". Bei kritischer Beobachtung sind noch weit länger thermische Effekte zu beobachten. Zum Beispiel eine Luftschichtung im Tubus, die einen leichten Astigmatismus verursacht, und blau-rote Planetenränder, als wenn die atmosphärische Refraktion bei tiefstehenden Objekten nicht genug wäre. Am Planeten merkt man auch einseitig "wegschleichenden" Rand, und derlei Dinge. Speziell in Nächten mit fallender Temperatur kommt auch der HD145 nicht wirklich zur Ruhe. Das ist schon allein durch die unterschiedliche Temperatur an der Unter- und Oberseite des Tubus bedingt. Die Unterseite kriegt noch Wärme von der Erde, die Oberseite strahlt gegen das kalte Weltall, und kühlt stärker aus. Diese Differenz ist sogar mit der Hand fühlbar. Man braucht wohl nicht viel Vorstellungskraft, dass dies die Luft im Tubus wieder in Bewegung bringt. Sie kann zwar nicht durch außen vorbeistreichenden Wind verwirbelt werden, wie bei einem offenen Tubus, doch die beste Performance kann man unter solchen Umständen nicht ausloten. Eine Isolierung des Tubus würde sicher helfen, aus Zeitmangel habe ich aber noch keine derartigen Experimente unternommen. Eines hilft meist: die Planetenbeobachtung erst in den frühen Morgenstunden anzugehen, wenn das Teleskop schon stundenlang im Freien stand, und auch die Erde "austemperiert" ist. In der Regel ergibt sich zu diesen Stunden auch das beste Seeing. Bei den kleinen "Dosen", wie z.B. dem HD145, geht's vom Thermischen her noch irgendwie. Einen Hinweis, dass isolierte Tuben essentiell sein könnten lieferte Ceravolo selbst: der HD216 (8" f/6 Maksutov-Newton) hatte einen mit Kork ausgelegten Tubus.

Tauprobleme treten in mäßig bis extrem feuchten Nächten auf. Die im Vergleich zu einer Schmidtplatte "dicke" Meniskuslinse hat eine gewisse thermische Trägheit, und neigt daher nicht so schnell zum Beschlagen. Wirkungsvollen Tauschutz bietet die Taukappe nicht. Dazu ist sie zu kurz. Etwas Abhilfe schaffe ich dadurch, dass ich einen dicken "Schaumstoff-Wickel" außen an der Taukappe anbringe. Das sieht lustig aus, hilft aber auch nur bei mäßiger Taubildung. Eine Isolierung und Verlängerung der Taukappe würde was bringen, bei extremem Tau würde aber meines Erachtens nur eine Taukappen-Heizung sicheren Schutz bieten.

Ich betreibe den mit Sucher und Taukappe etwa 6kg schweren HD145 auf einer Vixen SP-DX Montierung, brauche aber auf der Gegengewichtsstange schon ein 5kg Gewicht, das zudem fast ganz draußen sitzt. Zusammen mit der Taukappe ist die Röhre 110cm lang, und damit schon reichlich windanfällig. Generell ist die Stabilität für visuelle Zwecke ausreichend und zufriedenstellend. Der lange Tubus bereitet gelegentlich Probleme beim Positionieren auf zenitnahe Nordhimmel-Objekte, er stößt dann gegen die Stativbeine. In solchen Fällen muss man einfach warten bis das gewünschte Himmelsareal besser zugänglich wird. Die mit meinem Rohr gelieferten Rohrschellen sind ein wenig patschert zu handhaben. Sie sind nicht aufklappbar. Wenn also der Tubus mit der Montierung verbunden wird, muss man mit dem Gewindeloch der Rohrschelle genau die Schraube an der Montierung treffen, man "zielt" also mit dem ganzen Tubus, was speziell beim Aufbau in der Nacht eine Gefühlssache ist, gerade dann, wenn keine helfende Hand mit der Taschenlampe leuchtet, damit man sieht wo man herumfummelt. Zudem "beisst" eine der Rohrschellen nicht fest genug, obwohl ganz angeknallt, verrutscht dadurch leicht am Tubus, was die Sache nicht einfacher macht. Mein 7x50 Sucher sitzt auch auf einem unkonventionellen Platz, nämlich auf der hinteren Rohrschelle. Jedes Mal Tubusrotieren muss man darauf achten, den Schwerpunkt des Tubus nicht zu verschieben, und danach ist auch die Sucherjustierung etwas daneben. So kommt es, dass der Sucher meist gut ein Grad daneben zeigt, höchstens zu Beginn der Beobachtung ist er noch halbwegs gut ausgerichtet. Bis zu einem gewissen Maß lässt sich das Verdrehen des Tubus in den Rohrschellen weitgehend vermeiden, dazu soll der Okularauszug, wenn das Rohr zum Polarstern ausgerichtet ist, nach oben stehen. Im Meridian liegt der Auszug dann waagrecht. Nur wenn die Einblickposition gar ungemütlich wird, kommt man um die Tubusrotiererei nicht herum. Wenn ich einmal viel Zeit habe, und sonst nichts anderes zu tun, werde ich etwas praktisch handhabbare Rohrschellen basteln, die eine leichtere Tubusrotation ermöglichen. Jedenfalls am Anfang hat mich diese unzureichende Lösung massiv gestört, mittlerweile habe ich mich an das "Provisorium" gewöhnt. 

Davon abgesehen ist der Ceravolo ein handliches Gerät. In fünf Minuten ist das ganze Zeug, Tubus, Taukappe, Stativ mit Montierung, Gegengewicht, Sucher, Okularkoffer etc., im Auto verstaut, und es dauert kaum länger, bis das Fernrohr am Beobachtungsort ausgeladen und aufgebaut ist. Die längste Zeit geht dabei noch mit dem Poljustieren der Montierung auf. Für visuelle Zwecke reicht aber eine "Daumen x Pi" Präzision, also wird meist grad der Polarstern über die Stundenachse grob anvisiert, basta. Und genauso schnell wie aufgebaut, ist das Gerät auch wieder abgebaut, die längste Zeit nimmt dabei wohl das Zustöpseln und Verstauen der Okulare in Anspruch. Das fertig aufgebaute Instrument kann man noch hochheben und tragen, z.B. um Deckung vor plötzlich einsetzendem Wind zu suchen, etc. Diese Handlichkeit ist sehr wichtig, nur ein in dieser Hinsicht anspruchsloses Gerät stellt man auch immer wieder für fallweise Beobachtungen raus, die kaum mehr als eine halbe Stunde dauern. In der Tat ist der HD145 mein meistgenutztes Teleskop, obwohl ich einige Alternativen zur Auswahl hätte.

Der HD145 ist prinzipiell auf visuellen Beobachtungseinsatz hin optimiert. Deshalb eignet er sich nur bedingt zur Bildgewinnung. Fotografisch kann man es aufgrund des kleinen Fangspiegels sowieso vergessen - die Bildausleuchtung reicht maximal für CCD-Arbeit mit kleinen Chips. Mit der Meade Pictor 216XT, die mein Astropartner Walter Koprolin als Autoguider verwendet, haben wir einige Versuche gemacht. Die Bildqualität dieser Kamera lässt aber viel zu wünschen übrig. Mit meiner SBIG ST-7E kommen wir leider nicht in den Fokus, dazu liegt die Fokalebene des HD145 zuwenig weit über dem Tubus. Es mag vielleicht die eine oder andere CCD Kamera geben, die brauchbare Bilder liefert und am HD145 verwendbar wäre. Für Planetenbilder geht es jedenfalls mit einer Webcam problemlos. Und die erzielbaren Resultate sind durchaus respektabel.

Webcam Bild: Mars am 10. August 2003 um 2:01 MESZ

Selbst eine Digitalkamera einfach ans Okular zu halten kann erstaunliche Details liefern. Mars am 17. August 2003 um 0:01 MESZ.

Jetzt aber zur Sache, wie gut ist die Optik im visuellen Einsatz? Ceravolo versprach in seiner Produktinformation scharfe und kontrastreiche Bilder, sowohl im niedrigen als auch hohen Vergrößerungsbereich. Für Widefield Beobachtungen empfahl Ceravolo die TeleVue Panoptic Okulare, die zusammen mit dem HD145 eine der besten Fernrohr/Okular Kombinationen am Markt sein sollten. Die Off-Axis Performance ist damit gut: randscharfe Abbildung. Koma ist nicht zu sehen. Randunschärfe hat man im gegebenen Fall beim Okular zu suchen. Gerade beim Einsatz niedriger Vergrößerungen wird vielleicht mancher die Stirn runzeln, ob denn der kleine Fangspiegel nicht deutliche Vignettierung verursachen würde. Richtig, es macht keinen Sinn, die Vergrößerung extrem weit hinunterzuschrauben. In Kombination mit einem 2" Pentax XL SMC 40mm Okular hat man 22-fache Vergrößerung bei einer Austrittspupille von 6.6mm. Das Gesichtsfeld beträgt dabei fast 3 Grad. In der Praxis merkt man dabei den Lichtabfall gegen den Bildfeldrand schon deutlich, außerdem zeigt dieses Okular unschöne Randverzeichnung. Hingegen ergibt der HD145 mit den TeleVue Panoptic Okularen 27 und 22mm wirklich eine exzellente Abbildung über das ganze Gesichtsfeld, Vignettierung ist dabei nicht feststellbar. Beim 35mm Panoptic merkt man bereits Vignettierung, und weil der Himmel selten so dunkel ist, kann man die Austrittspupille von 5.8mm kaum nutzen. Wiewohl die Randabbildung auch mit diesem Okular gut ist, ist es das wenigst genutzte Panoptic Okular in meiner Sammlung. Mit dem 27mm Panoptic beträgt die Vergrößerung 32x, die Austrittspupille 4.5mm und man hat gut 2 Grad Gesichtsfeld. Die Pleiaden z.B. sind darin hübsch eingerahmt. Das 22mm Panoptic, quasi mein "Standard-Okular", liefert am HD145 40x bei einer Austrittspupille von 3.6mm und etwa 1.7 Grad Gesichtsfeld, darin sind die Pleiaden formatfüllend. Man hat mit diesen Okularen und dem HD145 ein wirklich feines RFT, mit dem Beobachtungen ausgedehnter Objekte wie etwa Nordamerikanebel, Gamma Cygni Nebel, etc., kein Mirakel sind. In guten Nächten kommt man dabei nicht aus dem Staunen heraus, schier unglaublich, was dieses Teleskop an Details zeigt. Gute Dienste hat der HD145 in dieser Hinsicht auch bei der Beobachtung der spektakulären Kometen Hyakutake und Hale-Bopp geleistet.

Der HD145 ist genauso gut bei hohen Vergrößerungen einsetzbar. Die knackige Kontrastschärfe lässt bei Planetenbeobachtungen so manches Gerät größerer Öffnung aussteigen. Die besten Ergebnisse erziele ich hier im Bereich von 220x bis 240x. Fallweise, bei sehr gutem Seeing, wenn auch sonst alles passt, lässt sich die Vergrößerung auch auf 300x, 350x oder sogar knapp 440x steigern. Freilich wird das Bild dann schon ein bissl weicher, man operiert ja schon mit einer Austrittspupille unter 0.5 mm, das sind Bereiche, wo manch anderes Rohr gar keine Bilddefinition mehr bringt. Im hohen Vergrößerungsbereich arbeite ich mit Eudiaskopischen Okularen von Baader Planetarium und mit Zeiss Abbe Okularen, teilweise in Kombination mit einer Celestron Ultima 2x Barlowlinse oder einer TeleVue 5x Powermate. Diese Okulare harmonieren tadellos mit der Optik. Fallweise verwende ich auch 5mm und 7.5mm Masuyama Okulare, und testweise habe ich kuzbrennweitige Pentax XL SMC Okulare probiert, auch diese zeigten sehr gute Definition. Hier scheint der HD145 also weitgehend anspruchslos, wenngleich Peter Ceravolo im High Power Bereich zu Takahashi Okularen riet. Die recht kurze Brennweite des HD145 ermöglicht zusammen mit meinem fein abgestuften Okular-Set eine präzise Wahl der Vergrößerung und Austrittspupille, was schon einen gewaltigen Vorteil beim Herantasten an die optimale Sichtbarkeit von heiklen Objekten bringt. Gerade im Deep-Sky Bereich gibt es viele Objekte die den mittleren Vergrößerungsbereich fordern.

Meine allerersten Beobachtungsobjekte mit dem Ceravolo waren Doppelsterne, etwa Castor - zwei funkelnde Diamanten mit hauchzarten Beugungsringen, oder etwa Rigel - der schwache Begleiter sauber vom hellen Hauptstern getrennt. Den Vierfachstern Epsilon Lyrae schaffe ich in guten Nächten schon bei 87x. Die engste Distanz, die ich bisher mit dem HD145 aufgelöst habe, waren 0.9" an Lambda Cygni (4.9mag und 6.1mag). Ich bin aber kein ausgefuchster Doppelsternbeobachter, meine Leidenschaft ist eher die Jagd nach schwachen Deep Sky Objekten.. Weil ich vielfach unter weniger guten Bedingungen beobachte, habe ich mich mehr und mehr auf kleine Nebelfuzerl und Sternhaufen spezialisiert, wobei die Planetarischen Nebel zu meinen Lieblingsobjekten zählen.

Mit den schwächsten Sternen, die ich im HD145 bislang beobachtet habe, liege ich definitiv bei 15.3mag. Mag sein, dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange ist: NGC6229 ist ein Kugelsternhaufen im Hercules, dessen hellste Sterne gerade einmal 15.5mag erreichen. Immerhin konnte ich bei einer kritischen Beobachtung einige Einzelsterne herauspicken, und zumindest den Randbereich des Haufens "grießlig" sehen. Im Hantelnebel M27 ist bei halbwegs guten Bedingungen der Zentralstern beobachtbar und ein weiterer Stern, bei sehr guten Bedingungen noch ein dritter Stern. Im "Trapez" des Orionnebels M42 sind bei gutem Seeing der 5. und 6. Trapezstern sichtbar, für letzteren bedarf es aber schon sehr ruhiger Luft. Im Virgo-Haufen kann man sich mit dem 5.7" schon verirren, so viele Galaxien werden beobachtbar, selbst vom Coma Galaxienhaufen konnte ich - sogar unter aufgehelltem Himmel - ein paar Tupfer erhaschen. Das mag noch recht bescheiden klingen. Wirklich "bunt" mit schwachen Objekten habe ich es in letzter Zeit getrieben. Freilich ist anzunehmen, dass ich nicht nur an Alter, sondern auch an Beobachtungserfahrung und -technik zugenommen habe. Bei den Planetarischen Nebeln ist mir z.B. mit K1-14 ein ganz spezieller Kandidat ins Netz gegangen: mit 15.1mag bei 48" Durchmesser war diese Beobachtung sicher hart am Limit. Von ähnlichem Schwierigkeitsgrad ist z.B. Abell 39, der zwar 13mag aufweist, aber dafür einen Durchmesser von 170". Auch dieses Objekt konnte ich erfolgreich beobachten - von "leicht" ist natürlich keine Rede. Und ohne Nebelfilter wäre keine der beiden genannten Beobachtungen möglich gewesen.

Auch der berühmt-berüchtigte Pferdekopfnebel im Orion wurde schon meine "Beute". Mehrfach. Dazu bedarf es aber schon einer feinen Nacht, z.B. auf der Ebenwaldhöhe. Mit H-Beta Filter ist es dann gar nicht so schwierig, den Nebelstrip IC434 zu sehen. Da man mit ziemlich niedriger Vergrößerung arbeitet, ist der helle Stern Alnitak in unmittelbarer Nähe natürlich nicht gerade förderlich, was die Dunkeladaption betrifft. Es geht aber, diesen Stern knapp außerhalb des Feldes zu positionieren. Unter guten Bedingungen war die Beobachtung sogar mit Alnitak im Feld möglich. Vom Pferdekopfnebel ist in den besten Nächten nicht nur ein dunkles Etwas zu sehen, sondern der Pferdekopf ist recht schön definiert, auch die harte Stufe der "Stirn". Bei den Nüstern verläuft sich's dann aber im Nebel. Für die bescheidene Öffnung von nicht einmal 6" ist das gar nicht übel. Sogar ohne Nebelfilter konnte ich den Pferdekopfnebel erhaschen, da war es aber nur eine scharfe Unterbrechung des Nebelstrips IC434.

Andere Beobachtungsbeispiele gibt es mit extrem hoher Vergrößerung. Bis zu einer Austrittspupille von 0.2 mm konnte ich den HD145 schon erfolgreich "ziehen", um Details sichtbar zu machen, die man in dieser Öffnungsklasse nicht vermuten würde, zum Beispiel am  Nebel NGC6543, oder am Eskimonebel NGC2392. Bei 725x konnte ich an letzterem ansatzweise das Eskimogesicht sehen. Ähnlich hohe Vergrößerung konnte ich auch am Planeten schon erfolgreich einsetzen: An Saturn erwischte ich in einer Nacht mit denkwürdig gutem Seeing bei 580x die Encke-Teilung, als feine Linie, ganz draußen in den Ansen des A-Ringes. Die in Amateurkreisen als "Encke-Minimum" bezeichnete Hell-Dunkel Kontrastgrenze im A-Ring war dabei ebenfalls zu sehen, aber keineswegs für eine Ringteilung zu halten.

Schlicht gesagt, ich konnte mich schon genug von der Leistungsfähigkeit dieser Optik überzeugen. Auch nach den zahlreichen Nächten, die ich schon mit meinem HD145 beobachtet habe, verblüfft mich dieses Teleskop immer wieder mit Beobachtungsergebnissen, die ich vorher noch nicht ausloten konnte. Die weiter hinausgeschobenen Grenzen, die gegen die erste Version dieses Berichts abzulesen sind, beruhen aber in erster Linie auf dem gestiegenen Erfahrungsschatz in Sachen Beobachtungstechnik. Eine gute Optik kann einen daher auf Jahre hinaus beschäftigen, und man kann erstaunlich viel anfangen, auch mit nur 5.7" Öffnung.

Mittlerweile hat mein HD145 schon etliche "Matches" gegen andere Teleskope, auch größerer Öffnung hinter sich. Leicht ist er nicht "zu biegen". Selbst direkte Konkurrenten, wie Intes MN61 und Intes Micro MN66, hat er schon ausgehalten. Trotzdem diese Maksutov-Newton etwas größere Öffnung haben, und bei weitem keine schlechte Optik, würde ich sie niemals gegen meinen HD145 tauschen. Ein Teleskop lässt sich halt nicht an ein paar Zahlen wie PV-Wert, RMS oder gar nur Strehl, festmachen. Die Gesamtheit aller Eigenschaften macht die Performance aus, die in der Praxis zählt. Wenn das jetzt so klingt, als wäre mein HD145 die "eierlegende Wollmilchsau" schlechthin, so ist zu sagen, dass auch er schon seinen Meister gefunden hat: es ist ein 130mm f/8 Starfire EDT APO - ein wirklich selten gutes Stück, das am Planeten einfach eine Spur besser geht. Zumindest einen direkten A-B Vergleich gab es. Mein HD145 war damals gerade mal eine halbe Stunde unter freiem Himmel, weil ich zuvor mit meinem kleinen 4" f/8 APO beobachtet hatte. Mein Beobachtungspartner Walter Koprolin durfte aber mehrfach schon Planeten im besagten Starfire EDT APO bewundern, und bestätigt nachhaltig dessen gute Performance, die seiner Einschätzung nach etwas höher liegt als das was er von meinem HD145 her kennt. Nach der Theorie wäre ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen angesagt. Wobei ich am ehesten thermische Probleme als Ursache sehe, warum der HD145 in diesem Fall nicht ganz konkurrieren kann. Ich würde es nicht so schreiben, wenn ich nicht schon denkwürdige Sekundenbruchteile bei der Jupiterbeobachtung mit dem HD145 erlebt hätte, in denen das Bild kristallklar erschien, dass mir regelrecht der Atem stockte. Solche raren Momente waren Walter im HD145 auch noch nicht vergönnt. Leider sind diese Momente äußerst selten, zu selten, dann aber merkt man, dass eigentlich die volle Performance kaum zu erzielen ist, außer wenn wirklich alles passt. Ein Refraktor tut sich halt ein bissl leichter in thermischer Hinsicht, zumal das Licht nur einmal durch den Tubus muss. Auch das kenne ich aus eigener Anschauung, von meinem eigenen 4" APO. Es wäre also angebracht, beim HD145 wirklich etwas mit Tubusisolierung zu versuchen. Planeten sind aber beileibe nicht mein Hauptprogramm, ich nehme sie eher "so" mit. Bei der Jagd nach schwächsten Objekten ist gute Definition des Teleskops wohl gefragt, doch wiegt hier Beobachtungstechnik und Erfahrung etwas mehr als das letzte Quäntchen teleskopischer Performance. Auch das würde ich nicht so schreiben, wenn ich es nicht besser wüsste. Jedenfalls, selbst wenn ich mit diesem Bericht meinem HD145 etwas kritischer gegenübergetreten bin: Ich würde ihn niemals hergeben. Nicht einfach nur so, er ist tatsächlich mein Lieblings-Spechtelgerät.

Der HD145 ist kein "anonymes" Teleskop: Am Außenrand der Meniskuslinse ist die Seriennummer zu finden. HD145012 - das ist meiner.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen wäre: Ceravolo Maksutov-Newton? Gut, aber aus. Der HD216, der größere Bruder des HD145, war der erste, der aus der Produktion genommen wurde. Wahrscheinlich zu wenig Absatz, weil empfindlich teuer. Ich hätte gerne einen gehabt, doch bevor ich mir einen leisten hätte können, war's damit schon vorbei. Der HD145 und der HD145C (5.7" f/4.5, eine fotografische Variante) wurden noch eine Zeit lang angeboten, doch leider hat Ceravolo die Produktion gänzlich eingestellt. Am Gebrauchtmarkt wird man auch nur schwerlich einen "HD" finden. Irgendeinen Grund wird das schon haben. Bleibt also nichts anderes über, als zu den russischen Intes und Intes Micro MN-Teleskope zu greifen, wenn's unbedingt ein Maksutov-Newton sein soll. Deswegen findet sich in meiner Sammlung statt eines HD216 ein Intes Micro MN86. Das ist aber eine ganz andere Geschichte...

#owdii


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